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GVmanager_12_2014

Tausendsassa mit Herz Ein „Harmoniebolzen“, der gerne auch mal einen Flachs macht und seine Mitarbeiter schätzt, fördert und fordert – das ist André Böwing. Mit seinem 20-köpfigen Team verliert der Küchenleiter des Carl-Sonnenschein-/Ferdinand-Tigges-Haus vor lauter ehrenamtlichem Engagement aber niemals die Heimbewohner aus den Augen. Als kleiner Junge – unter der Anleitung seiner Mutter – stand der damals 9-jährige André Böwing am Herd und bereitete sein erstes selbstgekochtes Ge-richt zu: Rührei. Heute mit 43 Jahren steht der mittlerweile 1,97 m große Hüne wieder am Herd, in der „kleinen Großküche“ des Carl-Sonnenschein-Hauses in Ochtrup, und brät einen Kartoffelpuffer nach dem an-deren. „Wenn es die gibt, kann auf einmal jeder unserer Bewohner ohne Probleme es-sen“, erzählt er. So hat ihn am Vormittag eine Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes auf dem Flur darauf hingewiesen, dass eine Be-wohnerin statt der sonst passierten Kost lie-ber eine Portion Reibeplätzchen essen wol-le. „Es ist selbstverständlich, dass wir diesem Wunsch dann nachkommen.“ Auch im Speisesaal im Erdgeschoss isst an diesem Tag jeder Bewohner mit großem Appetit Kartoffelpuffer, wie die Köchin Britta Lenz bestätigt. Der Kü-chenleiter nimmt den kleinen Ausflug aus der Küche in den Speisesaal zum Anlass, sich direkt vor Ort nach der Zufriedenheit der Bewohner zu erkundigen. So beugt er sich zu einer Bewohnerin hinunter, die bereits fertig gegessen hat, und fragt, ob es geschmeckt hat und ob sie noch einen Nachschlag haben möchte. Zeitgleich bringt Britta Lenz einer anderen Bewohne-rin einen weiteren Kartoffelpuffer, den sie in kleine Stücke schneidet. Personelle Glücksgriffe Die 27-jährige Köchin hat unter André Böwing gelernt und ist im Anschluss daran direkt ge-blieben. „Hier weiß ich, was ich habe“, betont sie. Auch Tobias Rawert, der ebenfalls als Koch im Carl-Sonnenschein-Haus tätig ist, hat sich bewusst für den Arbeitsplatz in der Gemein-schaftsverpflegung entschieden. „Ich bin GV-Koch durch und durch“, sagt der 32-Jäh-rige selbstbewusst. „Wenn so jemand gerne hier arbeitet und später irgendwann auch einmal meine Nachfolge antreten möch-te, würde ich mich freuen“, blickt André Böwing in die Zukunft. Die Personalsuche gleiche manchmal einem Glücksgriff, zeigt sich der selbsternannte „Harmoniebolzen“ überzeugt, und ver-gleicht das gute Team, das er in seiner Küche hat und auf das er immer bauen kann, mit einem Zahnrad: „Die Mitarbeiter müssen ineinander greifen und zueinander passen – genauso wie bei einer Beziehung.“ Team-work sei etwas, das man erhalte, indem man überall – wo nötig – mithilft und z. B. auch als Küchenleiter an der Spülmaschine einspringt. Er selbst hat es auch schon an-ders erlebt: „Von manchem Vorgesetzten wird man nur von A nach B geschoben und fühlt sich dann allein gelassen und fremd“, erklärt der Küchenleiter des Carl-Sonnen-schein- und Ferdinand-Tigges-Hauses. Er selbst pflegt einen harmonischen Um-gang zu seinen Mitarbeitern, die er stets siezt. Manchmal erwischt er sich aber selbst dabei, wie ihm das „Du“ herausrutscht. Eine halbe Stunde sitzt das gesamte Kü-chenteam beim Frühstück zusammen. Dann wird über Gott und die Welt geredet und gelacht – und das jeden Tag. „Bezüglich Personalführung kann man so viel lernen und sich fortbilden, wie man will, aber das Miteinander muss gepflegt werden. Ein Miteinander muss man zelebrieren“, bringt der 43-Jährige seine Überzeugung auf den Punkt. Einer für alle Neben seiner Arbeit als Küchenleiter initi-iert André Böwing immer wieder neue Pro-jekte, die den Menschen im Münsterländer Umland zugute kommen. So veranstalte-te er erst kürzlich gemeinsam mit lokalen Einzelhändlern eine Spendenaktion für die Flutopfer aus Greven. Nach 70 kg Masse, fünf Stunden Zeit und ca. 500 gebratenen Foto: Hercht GV-Manager des Jahres 2014 18 GVmanager 12/2014


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