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GVmanager_12_2014

Als ehemaliger Berufssoldat auf Le-benszeit wäre Gerd Schulte-Terhusen schon ein Jahr lang in Ruhestand. Dass ihm sein Job noch immer „Laune macht“, mehr sogar als er es wohl jemals bei der Bundeswehr gemacht hätte, bedau-ert der Leiter Hochschulgastronomie des Studierendenwerks Essen-Duisburg kein Stück. „1989 habe ich noch gescherzt, dass sich keiner findet, der sich freiwillig vom Berufs- zurück zum Zeitsoldaten stufen lässt – ein Jahr später habe ich es selbst ge-tan“, erinnert sich Gerd Schulte-Terhusen an die markante Wende in seinem Werde-gang. Der gelernte Konditor, Koch, Kondi-tor- sowie Küchenmeister und Technische Betriebswirt war schon immer hungrig auf neues Wissen und wollte etwas bewegen – bei der Bundeswehr beschränkte sich das auf die Bewegung großer Essensmengen, etwas wofür er dort zumindest seine Lei-denschaft entdeckte. Er machte Station im Care-Bereich, hatte danach ein kurzes Inter-mezzo als Berater für Kältetechnik und lan-dete als „Schreibtischtäter“ bei einem Cate-rer. Nachdem er „die ganze Palette durch-hatte“, fand er im Jahr 2001 endlich den Arbeitgeber mit der richtigen Mischung: das Studierendenwerk Essen-Duisburg. „Ich kann nicht stundenlang auf dem Bürostuhl sitzen. Dann kann ich hier mal schnell in die Mensa gehen und Küchenluft an der Basis schnuppern“, gibt der bodenständige Gastronomieleiter ein Beispiel. Seine süße Leidenschaft greifen die Cafeterien auf und nicht zuletzt ist täglich sein Wissen der Be-triebsführung gefordert. Mensch geblieben „Besonders liebe ich an dem Job den Um-gang mit den Menschen, also den Kontakt zum Kunden genauso wie den zu meinem Team“, betont Gerd Schulte-Terhusen, der von seinem Team wegen seinem „stets of-fenen Ohr“ und seiner sozialen und humor-vollen Art sehr geschätzt wird. Empathie, Wertschätzung und Authentizität im Um-gang miteinander sind Werte, die der „Jun-ge aus dem Pott mit dem Herz am rechten Fleck und Schrolle unter den Nägeln“ – wie ihn ein Branchenkollege charakterisiert – selbst perfekt vorlebt. Hinsichtlich der Per-sonalpolitik verfolgt er das Credo: Es gibt in den meisten Fällen keine schlechten Mit-arbeiter, sondern nur den falschen Arbeits-platz. So tüftelt er derzeit z. B. an einem neuen Arbeitsplatzkonzept für ältere Teilzeitkräfte, die er so aus der anstrengen-den Mensamassenproduktion herausneh-men kann. Seine Idee, für die er derzeit voll und ganz brennt: eine eigene Pastaproduk-tionslinie, die so nebenbei die Kapazität der Küche am Nachmittag ausreizt. Auch Aus- und Weiterbildung sind wichti-ge Pfeiler seiner Personalpolitik. „Wir be-dienen uns am Mitarbeitermarkt, daher müssen wir diesem auch etwas zurückzugeben“, betont er. Folglich hält er weiter-hin an der Köcheausbildung, allerdings nur in Kombination mit dem campuseigenen À- la-carte-Restaurant, fest. „Dank der der-zeit fünf Azubis können wir die Kostensitua-tion unseres Restaurants entzerren – und ih-nen zugleich einen guten Ausbildungsrah-men bieten“, berichtet der Abteilungsleiter. Sehr diplomatisch hat es Gerd Schulte-Ter-husen seit der Übernahme der gesamten Gastronomieleitung im Jahr 2007 geschafft, seine 230 Mitarbeiter aus den ehemals ge-trennten Standorten Essen und Duisburg zu einem Team zu formen: „Bis zu einem ge-wissen Grad müssen sich die Standorte auch ihre Strukturen und ihre Eigenart behalten dürfen, solange wir bei bestimmten The-men wie HACCP auf einer Linie bleiben“, erläutert der Teamplayer. Von Problemen motiviert „Manchmal löse ich morgens telefonisch schon zahlreiche Probleme, bis ich in mei-nem Büro angekommen bin“, berichtet der Leiter der Hochschulgastronomie begeis-tert. Andere würden bei dieser Vorstellung schon kapitulieren, für ihn macht es den Job gerade spannend, sich stets neuen Heraus-forderungen stellen zu müssen. Selbst sehr wissbegierig, kann er den ständigen Wis-sensdurst seiner Kunden gut nachvollziehen Hungrig auf Trends Wäre Gerd Schulte-Terhusen nicht in unserer Branche gelandet, hätte er auch einen guten Alleinunterhalter abgegeben. So bereichert der authentische und fröhliche GV-Manager des Jahres nicht nur sein 230-köpfiges Team, sondern auch die Hochschulgastronomie, z. B. durch individualisierte Trends. Aktuelle Infos zu den Speisen auf kleinstem Raum vermitteln die QR-Codes. Fotos: Kirchner GV-Manager des Jahres 2014 16 GVmanager 12/2014


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