Weiterbildung im Fluss

first_class_12_2014

Fotos: Sievers, ICA/Sonnenalp Weiterbildung im Fluss Wer in der Branche in puncto Fachkräftemangel etwas bewegen will, muss zuerst vor sich selbst bestehen kön-nen. Für die Sonnenalp in Ofterschwang und die Eig-nerfamilie Fässler ist dies schon seit fast 100 Jahren eine klare Sache. Daher richtete das Allgäuer Fünf-Sterne-Hotel im No-vember auch die 19. Netzwerkveranstaltung des Institute of Cu-linary Art (ICA) aus und begrüßte rund 300 Entscheider aus der Foodservice-Branche. Ihnen präsentierte das Hotel das hausei-gene HR-Konzept für die 500 Mitarbeiter, die zum Teil seit Jahr-zehnten für das Haus arbeiten. Dazu gehören u. a. die 60 neuen Personalwohnungen, die gerade fertiggestellt wurden. Zudem wurde kürzlich die Sonnenalp-Akademie gegründet, in der auch nichtleitende Mitarbeiter Weiterbildungsmöglichkeiten er-halten sollen – für Dr. Anna-Maria Fäßler (F. u.) eine entscheidende Aufgabe in Zeiten des Fachkräftemangels. „Denn wir haben in der Hotelle-rie keine Zukunft, wenn wir nur Das ICA hat beim Netzwerktreffen in der Sonnenalp die für die Führungsriege im Haus Perspektiven schaffen“, ist sie neue Stufe der überzeugt und will dies auch zu ihrem Herzensthema als Beiratsmitglied im ICA machen, zu dem sie gerade berufen wurde. Das ICA stellte in Ofterschwang das gerade implementierte durchgängige Weiterbildungspro-gramm ganzheitlichen Ausbildung bekanntgegeben. vom Talent – mit oder ohne Gastro-Ausbildung – zum Top-Manager vor. Dafür wurde zusammen mit der WHU ein „ Advanced Program in Foodservice“ entwickelt, das bis zum MBA führen kann. „Wir präsen-tieren hier keine Version mehr, sondern haben die entscheidende Hürde in unserer Zielstellung ge-nommen“, betont ICA-Präsident Ger-hard Bruder (F. li.). Künftig strebt das Netzwerk nach einer weiteren Internationali-sierung. Ein weiterer Höhepunkt bil-dete der Vortrag von Günther H. Oettinger, Vizepräsident der Europäischen Kommission. Er forderte die Unternehmer auf, wieder innovativer und mutiger zu agieren, um nicht trotz Erfolg künftig abgehängt zu werden. Die nächste Netzwerkveranstaltung findet beim ICA-Mitglied Kenan Tayhus, Geschäftsführer der Einstein Gastronomiegrup-pe, in Koblenz statt. www.institute-culinary.de syk 42 Auszubildende hat das Haus allein 2014 übernommen, zwi-schen 50 und 70 % der Azubis erhalten üblicherweise nach ih-rem Abschluss eine einjährige Anstellung zugesichert. „Dann müssen oder wollen sie ohnehin meist in die Welt hinaus. Wir un-terstützen sie dabei und öffnen unsere Netzwerke, vermitteln weiter, halten auch den Kon-takt, sodass sie zurückkommen können“, betont Jürgen Gangl und bedauert zugleich, dass der Dehoga noch immer kein einheitliches, über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus-gehendes Ausbildungszertifikat anbieten kann. Dabei ist er überzeugt, dass sich auch die Unterneh-men Wenn „Berlin leuchtet“, dann steckt u. a. Jürgen Gangl dahinter. Wenn die HDV ungeliebte Themen auf den Tisch bringt, auch. Ein Besuch beim GM des Park Inn Berlin. verändern und mittels Employer Branding zeigen müssen, dass sie eben nicht zu den schwarzen Schafen der Branche gehören: „Es geht heute nicht mehr nur darum, jemanden mit Geld zu bezah-len. Wir müssen ihm sagen, was wir für ihn tun, welche Möglichkeiten der Weiterbildung er hat, welche Karrierechancen, welche sozialen Netze wir für ihn aus-breiten, wie wir mit ihm kom-munizieren und ihn motivieren. Er muss das Gefühl haben, ein wichtiger Mitarbeiter zu sein. Und das kann ein Stadthotel genauso wie ein Landhotel leis-ten.“ Die kostenlose Mitglied-schaft in einem Fitnessstudio sei z. B. solch ein wichtiges Element. Doch bei allen individuellen Lösungsmöglichkeiten, bei ei-nem der Kernprobleme der Branche ist für den 1. Vorsitzenden der HDV eine grundlegende Weiche zu stellen: „Alle wissen vom Fachkräfteman-gel in unserer Branche, aber warum stehen wir noch immer nicht auf der Mangelliste?“, fragt er und appelliert abermals an den Dehoga: „Wir hätten es leichter, ausländische Bürger hier zu integrieren und Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigun-gen für sie zu bekommen.“ Heike Sievers 12/2014 41


first_class_12_2014
To see the actual publication please follow the link above