Betriebsgastronomie - Polizeipräsidium Trier: Aufstehen statt aufgeben

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Foto: Unilever Food Solutions Ein Bombenstart, so sagt Wolfgang Raskob heute rückblickend, sei es gewesen, als er 2004 die Kantine des Präsidiums Trier mit 450 Beamten übernommen hatte. Um keine Unruhe durch den Pächterwechsel aufzubrin-gen, hat er die Karte vom Vorgänger übernom-men, sich selbst in den Hintergrund und seine Frau Stefanie in den Vordergrund gestellt. Mit ihr als guter Seele des Hauses gelang von An-fang an ein gutes Verhältnis zu den Gästen. Doch schon kurze Zeit später kam die Nach-richt, die das Aus bedeuten konnte: Im Präsi-dium wurde Asbest entdeckt – die Räumung erfolgte unverzüglich. Die 450 Gäste waren bis auf wenige Ausnahmen weg – die restlichen Stammgäste brachten nicht die notwendigen Gelder zum langfristigen Betrieb. Eine neue Kantine im neuen Präsidium wurde Stefanie und Wolfgang Raskob in Aussicht gestellt, doch die Vermutung, dass öffentliche Bauvor-haben sich schnell in die Länge ziehen können, lag nahe. Das avisierte Fertigstellungsdatum des neuen Gebäudes liegt heute schon vier Jahre zurück. Doch Aufgeben liegt Wolfgang Raskob nicht. Er blickt auf 25 Jahre Gastronomie- Erfahrung zurück und sagt über sich selbst, er sei der bekannte bunte Hund in der Gegend. Schon einmal stand er kurz vor dem Aus, als er 1989 ein neues Leben als Koch in Hiroshima startete und ein gutes halbes Jahr später feststellen musste, dass ihn sein japanischer Arbeitgeber nicht angemeldet hatte und er Japan wieder verlassen musste. Doch auch damals hatte es mit einem Neustart geklappt. Dieses Mal wollte Wolfgang Raskob die schönste Aussicht der Welt, die er von der Kü-che aus hat, nicht kampflos aufgeben: „Es ist toll, morgens Brötchen zu schmieren, während über dem Petrisberg die Sonne aufgeht.“ Zu-dem wollte er weiter mit seiner Frau zusam-menarbeiten können. Also dachte er in alle denkbaren Richtungen und kam auf folgende Lösung: Die alten Gäste sind weg, also müssen neue her. Die Kantine – so nennt er zur Betonung seiner Bodenständigkeit sein 70 Plätze bietendes Be-triebsrestaurant selbst – muss für jedermann ge-öffnet werden. Gesagt, getan. Der Sparzwang, erinnert er sich, bot ihm damals zwei Möglich-keiten: entweder die Kostenschraube herunter-zudrehen oder die Umsätze anderweitig abzu-holen. Er machte gleich beides. Angebot reduziert Statt zwei Tagesgerichten wird nur noch eines angeboten, ergänzt vom Angebot der Woche. „Das lässt sich wirtschaftlicher planen“, be-gründet Wolfgang Raskob. Aktionstage wie der Schnitzeltag am Dienstag, der Geflügeltag am Mittwoch oder der Fischtag am Freitag ma-chen die Karte interessanter und geben dem Gast das Gefühl, etwas zu verpassen: So kom-men viele Beamte aus den umliegenden Wa-chen immer wieder, um die Aktionstage nicht Aufstehen statt aufgeben Das Betriebsrestaurant im Polizeipräsidium Trier zu übernehmen, war eine reizvolle Aufgabe: 450 Beamte im unmittelbaren Umfeld waren eine solide Basis für den Anfang – und dann kam für Wolfgang Raskob alles anders. 40 GVmanager 11/2014


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