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TRINKtime 06/2014

Rum und Rhum erobern ihren Platz an den Tresen der Welt – nicht mehr nur als Spirituose in Cocktails und Longdrinks, sondern immer öfter pur getrunken. RUM RUM RUM RUM RUMRUM RUM RUM RUM UM RRUM Rums, die oftmals auch eine wunderschön würzige Aromatik im Nachklang besitzen. Doch wie kommt der Rum, insbesondere natürlich das Zuckerrohr überhaupt in diese Gegend der Welt? In Südamerika waren es die Portugiesen, die das Zuckerrohr im 16. Jahrhundert einführten. Aus diesem frühen Beginn hat sich heute der größte Zuckerpro-duzent der Welt entwickelt – Brasilien. Neben Zucker und Ethanol entstehen aus dem Saft des Zuckerrohres Cachaça und auch Brasilia-nischer Rum. Nicht nur direkt aus Zuckerrohrsaft wird in Brasilien Cachaça und Rum hergestellt, son-dern auch aus Melasse, den eingekochten Säften, aus denen der Zucker schon teilweise entfernt wurde. Brasilien ist heute immer noch einer der größten Exporteure für Me-lasse auf Basis des Zuckerrohrs der Welt und so mancher Produzent von Rum (auch in der Karibik!) bedient sich dieser Quelle. Rum wird durch Fermentation des Zucker-rohrsaftes oder der Melasse und anschließen-der Destillation des entstandenen Alkohols erhalten. Weiße Rumsorten werden selten gereift, eher nur geruht – braune reifen oft-mals mehrere Jahre in Holzfässern und erhal-ten so ihren runden, weichen Geschmack. Im Norden Südamerikas kommen wir in ei-nes der traditionsreichsten Gebiete der Rum-produktion und deren weltbekannten Stil des Demerara Rum. Seine Heimat ist British- Guyana. Dieser Rumstil, der mit der Marke El Dorado Bekanntheit erlangt hat, stand im-mer für füllige, kräftigere Rums, die oft Röstaromen und dunkle Schokolade erkennen lassen. Demerara war lange Zeit ein wichti-ger Bestandteil der britischen Navy Rum. Kaffee und Honig Vom Norden Südamerikas ist es nur ein klei-ner Weg nach Mittelamerika. Guatemala, das einen weiteren Meilenstein in jeder gut sortierten Rum-Bar bereithält: Ron Zacapa. Dieser Rum zeigt ein kräftig-süßes Bukett, das im Nachklang unverkennbar lang anhal-tend ist. Ein Geheimnis dieses Geschmackes Mit Rum sind sicher viele Klassiker der Barkultur gemixt; vielfach sind bis zu sechs der Top 10-Drinks auf den Barkarten mit Rum. Ob Mojito, Cuba Libre, Daiquiri oder viele andere Klassiker – sie sind etabliert, gesetzt in den Köpfen von Barkee-pern und Gästen. In diesem Rahmen hat sich insbesondere der karibische Rum seit gerau-mer Zeit einen festen Platz erobert. Rumsor-ten aus dieser Weltregion sind durch Presse und Fernsehen bekannt und der Barkeeper wird diese gerne für Mixdrinks verwenden. Doch nun geht die Bewegung weiter. Rum wird immer mehr als pure Spirituose aner-kannt, in Nosing Gläsern gereicht und mit der Kennerschaft, die man aus Whiskykreisen kennt, beurteilt und getrunken. Whisky- und Connaisseurs Clubs erweitern ihren Horizont um Rum aus der Karibik, Rhum von den französischen Inseln oder Rum und Rhum aus anderen Teilen der Welt; und auch die Zigarrenraucher dürfen nun die Kombination von Rum und Zigarre endlich schätzen. Rum schafft sich den gebührenden Respekt – nicht nur an der Bar. Rum von den Inseln der Karibik ist durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Jamaika glänzt mit schwererem, sehr aromareichen Rum und gilt dabei als eines der Vorzeigepa-radiese dieses Getränkes. Hier werden nicht nur berühmte Rums wie Appleton, Appleton Estate oder Coruba hergestellt, sondern auch heute immer noch die extrem aromenrei-chen Vorprodukte des deutschen Rum. Ja-maika liefert einen sehr kräftigen Originalrum nach Deutschland, der dann zu echtem Rum oder Rumverschnitt weiterverarbeitet wird. Ein anderes Ziel ist Kuba, welches durch Ron Havana Club, Ron Varadero oder Ron Caney bekannt geworden ist. Kubanischer Rum, besser „Ron“ nach seiner spanischen Schreibweise, ist ein leichterer Rum, der an die spanische Vergangenheit erinnert, sehr gut in Mixdrinks kombiniert werden kann und deshalb auch zu Recht so beliebt ist. Havana Club und auch die anderen Marken haben aber schon lange auch den puren Genuss erkannt und bedienen dieses Seg-ment perfekt: Die Seleccion de Maestros von Havana Club ist ein wahrer Genuss und ein Muss für Liebhaber des kubanischen Rum. International bekannt und berühmt, auch bei Rumenthusiasten, ist ein einstmals kuba-nischer Rum, der seit 1960 gar nicht mehr dort hergestellt wird: Bacardi Rum. Mit diesem Rum, der heute unter anderem aus Puerto Rico stammt, verbinden viele noch das ursprüngliche Kuba, seine Lebensfreude und Hemmigwaysche Gewohnheiten in der berühmten El Floridita Bar. Nicht umsonst wird noch heute dort des großen alten Man-nes und seinen Trinkgewohnheiten gehul-digt. Wer nicht in Havanna war und dort in der El Floridita Bar einen Daiquiri oder in der Bodegita del Medio einen Mojito getrunken hat, hat einen Teil des Mythos verpasst, der dem Rum heute anhaftet. Karibisches Flair Für diesen karibischen Teil der Rumwelt be-ginnt die Geschichte des Zuckers und des Rum wahrscheinlich mit den Conquistadores aus Spanien und später aus Portugal. Man sagt ihnen nach, dass sie das erste Zuckerrohr aus der alten Welt in die Karibik brachten, vermutlich zuerst auf die Insel Hispaniola, aber auch auf andere Inseln. Dort wurde es später kultiviert und als Nebenprodukt des weißen Goldes der Karibik, dem Zucker, entwickelte sich im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert eine blühende Rumindustrie, die schnell die Bedeutung des Zuckers ein- und dann überholte. Doch nicht Hispaniola ist der Ort der wahr-scheinlich ältesten Rumdestillerie der Ka-ribik, sondern Barbados. Die „Insel unter dem Wind“ beherbergt schon seit 1703 eine Destillerie, in der wahrscheinlich Rum zum ersten Mal kommerziell hergestellt wurde. Noch heute kommen berühmte Rummarken von der Insel: Mount Gay, die auch einen Rum mit der Jahreszahl 1703 schmücken, Cockspur oder auch Foursquare sind dort beheimatet und produzieren mittelschwere Foto: Bacardi: 6/2014 5


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