GRAPPA - Vom Bauerntrunk zum Barliebling

TRINKtime 06/2014

Vom Bauerntrunk zum Barliebling Kaum zu glauben, aber Grappa war einmal ein Arme-Leute-Getränk. Heute zählt er zu den Edelspirituosen der Bar. Nicht so fein und aufwändig verarbeitet wie heute, wurde der grobe Trester- Brand gern an Bauern, Arbeiter und Soldaten verteilt, als Lohn und Ration – wer trank, fügte sich. Je mehr einer trank, desto weniger neigte er zur Revolte. Noch bis in die 1970er-Jahre hatte Grappa keinen guten Ruf, obwohl er in Italien bereits seit Jahrhun-derten bekannt ist. Seine Karriere als Ge-nussmittel begann erst vor rund 60 Jahren. Saubere Verarbeitung und Veredlung dank neuer Möglichkeiten beim Destillationspro-zess ließen das Interesse an dem Brand auch international schnell wachsen. Heute gibt es im Norden Italiens, in den Regionen Piemont und Trentino, rund 130 Destillerien. Leidenschaft für Grappa Eine der traditionsreichsten, und darum auch mit dem Qualitätssiegel „licenza di distilla-zione N° 1“ ausgezeichne-te Destillerie, steht bei Piobesi d’Alba, mitten im Barolo-Anbaugebiet in Piemont. Seit mehr als 100 Jahren werden in der Antica Distilleria Sibona Grappe ge-brannt. Der Gründer, Domenico Sibona, benutzte dafür noch den Dampfkessel einer ausgedienten Lokomotive. Heute steht das Equipment aus Kupfer und Stahl in moder-nen Zweckbauten. Das Herzstück aber ist die Lagerhalle mit den Holzfässern, denn hier entscheidet der Destillateur über Geschmack und Aroma. Holz macht den Grappa komplexer und milder, fügt neue Aromen hinzu und verleiht typische Färbungen. Experimen-te mit alten Portwein-, Sherry-, Madeira- und Tennessee-Whiskey-Fässern, in die der Grap-pa nach einjähriger Gärung im Stahltank und zwei Jahren Lagerung in neuen Eichenfässern umgefüllt wurde, trafen den Geschmack der Genießer, die außer in Italien selbst vor allem in Deutschland und der Schweiz zu finden sind. „Wir produzieren eine große Bandbreite sortenreiner Grappe – traditionelle wie Moscato, Barolo oder Barbera und besonde-re wie Riserva di Botti da Madeira“, erzählt Eigner Luigi Barbero. GRAPPA GRAPPA APPA GRGRAPPA GRGRAPPA APPA A GRAPPDer 42-Jährige ist eigentlich Umweltingenieur. Doch mit seiner Leidenschaft für Grappa, mit der Expertise seiner Destil-lateure, mit seinem Sinn für Tradition und dem Mut zu Experimenten schaffte es der unermüdliche Arbeiter, Sibona zu einem der Marktführer in Italien zu machen, auch dank der Aufnahme in die Gruppo Campari, einem der Global Player der Spirituosenindustrie. Rund eine halbe Million Flaschen produziert Sibona jährlich, die Hälfte geht in den Export. Bernhard Mogge www.distilleriasibona.it Fotos: Sibona 14 6/2014


TRINKtime 06/2014
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