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GVmanager_06_07_2014

Grafik: eigene Darstellung nach Hissting Vergleich der EU-„Mit-Gentechnik“-Kennzeichnung und der deutschen „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung EU-Kennzeichnung Deutsche Kennzeichnung Gesetzliche Grundlage VO (EG) Nr. 1829/2003 EGGenTDurchfG der Bundes- VO (EG) Nr. 1830/2003; regierung: Gesetz zur freiwilligen vepflichtend „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung Kennzeichnungstyp „Mit Gentechnik“-Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung Tierische Produkte Generell von einer „Mit- Können „Ohne Gentechnik“ Gentechnik“-Kennzeichnung gekennzeichnet werden, wenn ausgenommen die Tiere innerhalb strenger Fristen keine gentechnisch veränderten Futtermittel gefressen haben (z. B. Milch: mind. 3 Monate) Geringfügige Max. 0,9 % technisch Max. 0,1 % Verunreinigung je Zutat, Verunreinigungen unvermeidbare oder zufällige um „Ohne Gentechnik“ kenn- Verunreinigungen je Zutat, um zeichnen zu können Kennzeichnung zu vermeiden Herstellung durch Muss nicht gekennzeichnet Lebensmittel darf nicht „Ohne GV-Mikroorganismen werden Gentechnik“ gekennzeichnet werden scher Verunreinigungen durch Staub bei Lagerung, Transport oder durch geringfügig kon-taminiertes Saatgut. Ebenso müssten gängige Herstellungs-prozesse überarbeitet werden, bei denen gv-Mikroorganismen zum Einsatz kommen, um künf-tig noch mehr komplett gv-freie Lebensmittel produzieren zu können. Dennoch bietet die EU-Kenn-zeichnung laut Alexander Hiss-ting zumindest eine Sicherheit: „Bei rein pflanzlichen Produk-ten kann man sich auf die EU (Mit) Gentechnik-Kennzeich-nung verlassen. Sofern das Le-bensmittel nicht als gentech-nisch verändert gekennzeichnet ist, wurde es ohne gv-Pflanzen hergestellt“, versichert er. Bei tierischen Produkten müsse man dagegen davon ausgehen, dass gv-Futter eingesetzt wur-de, wenn das Lebensmittel kei-ne „Ohne Gentechnik“- bzw. Bio-Kennzeichnung trägt. Hier führt kein Weg an „Ohne Gen-technik“ Produkten vorbei. kir Auch alle 90 Artikel für Groß-verbraucher von Alb-Gold Teig-waren, von Trockenteigwaren über vorgekochte Nudeln bis zu Frischteigwaren, tragen das „Ohne Gentechnik“-Siegel. „Eine Trennung bei der Her-stellung ist mit einem zu großen Risiko behaftet, daher haben wir unsere Produktionsstätte komplett gentechnikfrei um-gestellt“, erläutert Matthias Klumpp aus dem Marketing. „Da die gesamte Verantwort-lichkeit auf die Hersteller um-gelegt wird und nicht auf die Konzerne, die gentechnisch ver-änderte Organismen oder Roh-stoffe in den Umlauf bringen, ist der Aufwand für uns und natürlich auch der Preis höher“, ergänzt er. Im industriellen Bereich wird das seiner Erfah-rung nach bereits akzeptiert, in Großküchen und der Gastrono-mie weniger. Großküchen ohne Siegel Folglich ist es kein Wunder, dass sich bisher noch kein Au-ßer- Haus-Betrieb für das „Ohne Gentechnik“-Siegel hat lizen-sieren lassen und seine Speisen entsprechend kennzeichnet. „Da das Angebot an Zutaten noch nicht in der Breite verfüg-bar ist, ist die Kennzeichnung ganzer Speisen zu komplex“, nennt Alexander Hissting das Problem. Jedoch kann er sich die Auslobung einzelner Zuta-ten vorstellen. „Diese sind dann eher aus der Region zu bezie-hen statt im Großhandel“, er-läutert er. Eine andere Möglich-keit sieht er darin, den Anteil der „Ohne Gentechnik“-Zu-taten schrittweise zu erhöhen, ohne das konkret auszuloben. Optimistischer sieht Alexander Hissting den LEH. Hier erwar-tet er in nächster Zeit vermehrt Handelseigenmarken, v. a. in den Bereichen Ei, Milchpro-dukte und Geflügel, die „Ohne Gentechnik“ auskommen. Ganz ohne? Doch kann es überhaupt ganz ohne Gentechnik gehen? Laut McDonald‘s scheinbar nicht. Der Fastfood-Konzern hat im April seinen 14-jährigen Ver-zicht auf gentechnikfreies Futter in der Hähnchenmast widerrufen, da es keine aus-reichenden Mengen an gen-technikfreien Futtermitteln zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen gebe. Greenpeace hält dem entgegen, dass sich ein gentechnikfreier Chicken-burger um weniger als 1 ct pro Stück verteuern würde. Auch die Schweiz und Österreich treten den Gegenbeweis an: Die Schweiz hat seit 2008 aus-schließlich gentechnikfreie Fut-termittel importiert und auch in Österreich ist es inzwischen Standard, Milch, Eier sowie Geflügelfleisch gentechnikfrei herzustellen. Die weitere Entwicklung wird auch stark vom Verbraucher abhängen. „80 % der deut-schen Verbraucher lehnen Gentechnik ab – und diese geben vor, was sie essen und kaufen wollen, nicht die Indus-triekonzerne“, ist sich Rudolf Bühler von der BESH sicher. Dass sich kaum P r o d u k t e der europäischen „Mit Gentechnik“- Kennzeich-nung in den Regalen finden, ist folglich kein Wunder. Wäh-rend in den Niederlanden be-reits viele gv-Produkte gekenn-zeichnet sind, haben Hersteller deutscher Produkte stattdes-sen ihre Rezepturen geändert und z. B. Soja- durch Rapsöl ersetzt. Andere kaufen teure Sojarohstoffe, die unter dem 0,9 % Schwellenwert bleiben. Solange die Konsequenzen von gv-Pflanzen für die Gesundheit ungewiss sind, wie das Umwelt-institut München warnt, wird die Ablehnung bestehen blei-ben. Ein Blick in die USA, wo Gentechnik seit Jahren prakti-ziert wird, gibt erst recht zu den-ken. Dort hat sich seit Mitte der 90er Jahre die Zahl der Ameri-kaner, die an mindestens drei chronischen Krankheiten lei-den, nahezu verdoppelt. Einer der Gründe könnte Gentechnik sein, wie die Dokumentation „Der Gen-Food Wahnsinn“ er-schreckend zeigt. Fazit Sicher ist, je globaler unse-re Rohstoffe, umso größer ist die Gefahr unvermeidba-rer gentechni- Lesen Sie online mehr über die „Ohne Gentech-nik“- ➘ Kennzeichnung in Großküchen sowie gängige gv-Rohstoffe: www.gastroinfoportal.de/genfood „Eine Kennzeich- nung ganzer gen-technikfreier Speisen in Großküchen ist zu komplex.“ Alexander Hissting, VLOG Gentechnik 6-7/2014 GVmanager 17


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