Food - Gentechnik: Gentechnik erkennen

GVmanager_06_07_2014

Gentechnik erkennen Foto: © sharpness71 – Fotolia.com Wenn Lebensmittel aus gen-technisch veränderten Or-ganismen (GVO) herge-stellt wurden bzw. diese enthalten, muss das laut EU-Gesetzgebung bereits seit 2004 gekennzeichnet sein (Mit Gentechnik-Kennzeich-nung). Das betrifft z. B. auch hoch verarbeitete Produkte wie Pflanzenöl, das aus gentechnisch veränder-ten (gv) Sojabohnen gewonnen wurde, auch wenn diese im Endpro-dukt meist nicht mehr nachweisbar sind. Auch Großküchen, die dieses im Großhandel oft erhältli-che Öl einsetzen, unterliegen der Kennzeichnungspflicht. Darüber hinaus hat die EU festge-legt, dass Lebensmittel, die nur mit Hilfe von gv-Organismen herge-stellt wurden, diese im Endprodukt aber nicht mehr enthalten sind, keinen „Mit Gentechnik“ Hinweis tragen müssen. Lücken der EU-Kennzeichnung Die Regel, dass nur „direkt“ ent-haltene Gentechnik vermerkt sein muss, wird vielfach kritisiert. So gelangen laut des Verbands Le-bensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG) fast alle gentechnisch veränderten Pflanzen über den Umweg des Tierfutters in die Nah-rungsmittelkette, was laut EU nicht zu kennzeichnen ist. Betroffen sind vor allem Milch, Eier und das Fleisch von Hühnern, Kühen und Schweinen. Da-rüber hinaus werden laut EU-Recht teils geringe Mengen gentechnisch veränderter Bestandteile toleriert (Schwellenwert 0,9 % je Zutat), z. B. En-zyme oder Vitamine. Deutscher Lückenfüller Die Lücke schließen soll in Deutschland die freiwil-lige „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung, die auf ei-nem Gesetz der Bundesregierung (EG-Gentechnik- Durchführungsgesetz) aus 2008 basiert. Gedacht ist die Kennzeichnung für alle Lebensmittel pflanz-licher und tierischer Herkunft, bei deren Herstel-lung der Einsatz von Gentechnik möglich ist, wie bei Schokolade, die Sojalezithin enthalten kann. Die Unterschiede zur europäischen Lösung haben wir vereinfacht in der Tabelle dargestellt (s. S. 17), wobei zu beachten ist, dass die deutsche Lösung „Ohne Gentechnik“ kennzeichnet, die europäi-sche „Mit Gentechnik“. Das Siegel, das nach einer Prüfung durch die Le-bensmittelüberwachungsbehörden durch den Ver-band VLOG vergeben wird, ist jedoch noch selten. Alexander Hissting, Geschäftsführer des VLOG, geht von rund tausend Produkten aus, die das offi- zielle Siegel tragen und vorwiegend im LEH er-hältlich sind. „Es gibt nur einzelne Anbieter von Ei- oder Milchprodukten, die ,Ohne Gentechnik‘-Pro-dukte speziell für den Großhandel bereitstellen“, erläutert Alexander Hissting. „Das Interesse am Thema ist bisher sehr gering“, so die Erklärung von Matthias Minister, Inhaber von Neuland-Fleisch Süd. Dennoch ist der Neuland Verein Mitglied im VLOG und verpflichtet sich damit, dass das Tierfut-ter nicht gentechnisch verändert ist. Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) geht sogar noch einen Schritt weiter und kenn-zeichnet all ihre Fleisch- und Wursterzeugnisse „Ohne Gentechnik“, weil dies ihr Grundstan-dard ist. So sind alle 1.450 Mitgliedsbetriebe gentechnikfrei. „Wir haben unsere Produktions-stätte komplett auf ,Ohne Gentechnik‘ umgestellt.“ Matthias Klumpp, Alb-Gold Im Zuge des Freihandelsabkommens mit den USA könnte auch der Weg für Klonfleisch oder Genmais auf deutsche Teller bereitet werden. Doch selbst jetzt kann in manchem Lebensmittel Gentechnik stecken – es sei denn, es trägt die freiwillige Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“, die teils auch im Großhandel zu finden ist. 16 GVmanager 6-7/2014


GVmanager_06_07_2014
To see the actual publication please follow the link above