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hen sein, also die Gehalte an Fett, Eiweiß, Kohlenhydraten sowie der Brennwert. „In GV-Einrichtungen, in denen der Gast an Ort und Stelle verzehrt, würde die sogenannte Kladdenlösung ausreichen, also ein Ordner, in dem der Gast selbst nachschlagen kann, wenn er darauf aufmerksam gemacht wird“, erläutert Nicola Conte-Salinas. Die Big 4 sind dabei laut Nährwertkennzeichnungs- Verordnung (NKV) immer anzugeben, so-bald § die nährwertbezogene Angabe einen der Big 4 zum Inhalt hat, also den Fett-, Ei-weiß- oder Kohlenhydratgehalt oder Brenn-wert. Analog sind die Big 8 (Fett-, Eiweiß-, Kohlenhydratgehalt, Brennwert, Gehalt an Zucker, gesättigten Fettsäuren, Ballaststof-fen und Natrium) aufzulisten, sobald sich die nährwertbezogene Angabe auf Zucker, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe, Natri-um oder Kochsalz bezieht. Die Angabe der Big 4 bzw. Big 8 ist aber nichts Neues und bereits seit 1994 geregelt. Dieses Erfordernis zur Nährwertdeklaration entfällt jedoch mit der Geltung der VO (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittelinformations- VO) Ende 2014 für den Fall, dass für nicht vorverpackte Ware – also auch Speisen in GV-Betrieben – nährwertbezogene Anga-ben gemacht werden. Bei der Verwendung gesundheitsbezogener Angaben ist bereits jetzt die Angabe einer Nährwertdeklaration (Big 8) entbehrlich. Relevante Gesetzestexte ◗ NKV – Nährwertkennzeichnungs-Verordnung ◗ VO (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel ◗ VO (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern Nährwertbezogene Angaben Anbei ein kleiner Überblick, welche spezifischen Voraussetzungen (neben den allgemeinen Anforderungen der Health Claims-Verordnung) gegeben sein müssen, damit folgende Angaben erlaubt sind: Fettarm ◗ Wenn das Produkt im Fall von festen Le-bensmitteln weniger als 3 g Fett je 100 g ◗ oder im Fall von flüssigen Lebensmitteln weniger als 1,5 g Fett je 100 ml enthält. (Ausnahme: 1,8 g Fett pro 100 ml bei teilentrahmter Milch). Leicht ◗ Hier müssen dieselben Bedingungen erfüllt sein wie bei der Angabe „reduziert“; ◗ die Angabe muss außerdem mit einem Hinweis auf die Eigenschaften einherge-hen, die das Lebensmittel „leicht“ machen. Von Natur aus/Natürlich ◗ Erfüllt ein Lebensmittel von Natur aus die in diesem Anhang aufgeführte(n) Bedingung(en) für die Verwendung einer nährwertbezogenen Angabe, so darf dieser Angabe der Ausdruck „von Natur aus/ natürlich“ vorangestellt werden. Zuckerarm ◗ Wenn das Produkt max. 5 g Zucker/100 g bei festen Lebensmitteln oder ◗ max. 2,5 g Zucker/100 ml bei flüssigen Lebensmitteln enthält. Fettfrei/ohne Fett ◗ Wenn das Produkt nicht mehr als 0,5 g Fett pro 100 g oder 100 ml enthält. ◗ Angaben wie „X Prozent fettfrei“ sind verboten. Arm an gesättigten Fettsäuren ◗ Wenn die Summe der gesättigten Fettsäu-ren und der trans-Fettsäuren bei einem Produkt im Fall von festen Lebensmitteln 1,5 g pro 100 g oder 0,75 g pro 100 ml nicht übersteigt. ◗ In beiden Fällen dürfen die gesättigten Fettsäuren und die trans-Fettsäuren insge-samt nicht mehr als 10 % des Brennwerts liefern. Quelle von Omega-3-Fettsäuren ◗ Wenn das Produkt mind. 0,3 g Alpha-Lino-lensäure pro 100 g und pro 100 kcal ◗ oder zusammen mind. 40 mg Eicosapentaensäure und Docosahexaenoidsäure pro 100 g und pro 100 kcal enthält. Die komplette Liste und die Gesetzestexte finden Sie online auf: www.gastroinfoportal.de/healthclaims ➘ Vorsicht bei Fitness und Wellness Wirklich heikel wird es bei Begriffen wie „Wellness“ oder „Fitness“. „Es besteht das Risiko, dass derartige Bezeichnungen als allgemeine Verweise auf die Gesundheit oder das gesundheitsbezogene Wohlbe-finden eingestuft werden“, warnt Nicola Conte-Salinas. Bei Verwendung eines all-gemeinen Verweises muss eine konkrete zugelassene gesundheitsbezogene Angabe beigefügt werden. Nach einem Urteil des BGH dürfte diese Verpflichtung jedoch erst dann greifen, wenn sämtliche Listen ge-sundheitsbezogener Angaben vollständig erstellt sind. „So müsste die Bezeichnung Fitness-Salat um eine zugelassene gesund-heitsbezogene Angabe ergänzt werden, die im Zusammenhang mit körperlicher Leistungsfähigkeit steht“, ergänzt sie. „Be-wirbt man ein Gericht als gesund, ist die Auswahl gesundheitsbezogener Angaben selbstverständlich größer.“ Etwas, das auch ausgenutzt werden könnte, wie Verbrau-cherschützer kritisieren. So könnte auch ein Lebensmittel mit enorm hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt als gesund bewor-ben werden, da derartige Maximalmengen nicht festgelegt sind. Risiko der Beanstandung Wie groß ist nun das Risiko, dass Großkü-chen wegen derartiger „Werbung“ wirk-lich Ärger mit der Lebensmittelkontrolle bekommen? „Wir wissen derzeit von noch wenigen Beanstandungen“, berichtet Nicola Conte-Salinas. Sie befürchtet aber, dass derartige Beanstandungen zunehmen wer-den, da Verstöße relativ einfach festzustel-len seien. Sicherlich wird es auch davon abhängen, ob der Kontrolleur auf Biegen und Brechen etwas finden will oder nicht. Wenn derartige Speisen nur im Rahmen von Aktionen, z. B. im Januar, zwei bis drei Tage lang beworben werden, besteht zwar unter Umständen ein faktisch geringeres Risiko, dass der Kontrolleur ausgerechnet dann vor der Tür steht. „Dennoch rate ich zur Vor-sicht“, resümiert die Rechtsanwältin. Kein Missbrauch Keinesfalls anwenden sollte man derartige Werbeaussagen zudem, um bestimmte Speisen zu beschönigen. Diesen Miss-brauch der Health Claims kritisieren der-zeit viele Verbraucherschützer. So sei es schick geworden, Vitamine oder Minerali-en zuzusetzen, um z. B. vor Fett triefende Fertigprodukte als gesund bewerben zu können. Tipp Wer sich nun nicht ganz hat abschrecken lassen, für den haben wir ausgewählte nährwertbezogene Begriffe im Kasten l. zu-sammengestellt. kir Vitale Küche 26 GVmanager 12/2013


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