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GVmanager_12_2013

Fotos: Kirchner, MAN GV-Manager des Jahres rem ritzentauglichen Fingernagel habe ich es gelernt, die Küche sauber zu halten.“ Der Provokateur Aller Kreativität zum Trotz, fühlte er sich im „Haifischbecken“ der Sternegastronomie auf Dauer nicht wohl. So war es ihm – dem Förderer von Slow Food – zuwider, „Trends“ wie Erdbeeren im Winter nachzujagen. Die Hofwirtschaft Nepomuk, die er mit dem Ex-Schwiegervater und der Ex-Frau auf-zog, ermöglichte es ihm schließlich, seine Interessen voll auszuleben: „Hier konnte ich Bauer, Metzger und Koch in einem sein.“ Gerhard Frauenschuh rekultivierte die alte gelbe Bete, schlachtete selbst und trug die halbe Sau unter Gemurmel durch den Biergarten in die Küche. „Provoziert habe ich schon immer gerne“, berichtet er schmunzelnd. Eine Eigenschaft, die er auch bei MAN pflegt, wohin er 2009 im Zuge ei-ner privaten Veränderung wechselte. Da-bei provozierte er das Küchenteam gleich zu Beginn, indem er ihm die Päckchenkost komplett „entriss“ und frisch kochen ließ. Viel liegt ihm daran, dass seine Gäste regelmäßig übers Essen reden, sei es dass sie sich über einen Skandal aufregen oder dass das Betriebsrestaurant im Gespräch ist. Für Furore sorgten z. B. Bilder von Kälbchen im Intranet, die dann als Schnitzel serviert wur- Sein erstes eigenes Fahrrad trägt eine Mitschuld daran, dass Gerhard Frauenschuh Koch wurde. Denn um sich dieses leisten zu können, begann er mit zehn Jahren im Betrieb seines Onkels als Spülhilfe während der Ferien zu arbei-ten. Später stieg er zum „Aushilfskoch“ auf. Daran fand er so viel Gefallen, dass er sich mit 14 Jahren, nach der Hauptschule, für eine Kochlehre entschied, „was damals in Österreich im Ansehen etwa mit einem Müllmann vergleichbar war“. Mit seinem Werdegang bewies er aber schnell, dass man auch als Koch etwas erreichen kann. Sterne-Ambitionen So erkochte er sich schon sechs Jahre nach der Lehre seinen ersten Stern und im Jahr darauf in einem anderen Restaurant den zweiten. Den Weg dafür bereitete der „ge-sündeste und erste Rausch“ seines Lebens. Denn eigentlich platzte sein Traum vom Stern schon kurz, nachdem die ersten Am-bitionen geweckt waren. So vermittelte ihn sein Lehrmeister in „das“ Haus Österreichs, um den Weg zum Sternekoch zu ebnen. Gerhard Frauenschuh war aber nicht auf den strengen Ton und den hohen Anspruch vorbereitet und wollte fast hinschmeißen: „Nach all dem Omelette-Braten in der Lehre fehlte mir einfach noch die fachli-che Basis“, erinnert er sich. Eine Flasche Cognac und einige Stunden Plädoyer pro Sternegastronomie später, hatte der Kü-chenchef seinen Ehr-geiz neu entfacht. „In diesem Haus habe ich erst so richtig ko-chen gelernt“, gibt Gerhard Frauenschuh rückblickend zu. „Im Lehrbetrieb habe ich dafür gelernt zu ar-beiten.“ Genau ge-nommen feierte er da-mals auch sein Debüt in der GV. Bereits am ersten Lehrtag muss-te er mehrere 1.000 Eier für die Touristen, die busweise eingefal-len sind, aufschlagen. „Noch heute habe ich davon ein Omelette- Trauma“, berichtet er. 3.000 bis 4.000 Essen produzierte das Ho-telrestaurant pro Tag. Das hatte noch einen positiven Nebeneffekt: „Unter dem Drill der Senior-Chefin und ih-den. „Voll cool“ findet es Ger-hard Frauenschuh, wenn er die Gäste so zum Nachdenken bringt. „Dass Marketing der Schlüssel zum Erfolg ist, habe ich bei MAN gelernt“, erzählt der Leiter Betriebsgastrono-mie. So hat er ein Marke-tingkonzept entwickelt, das die Betriebsgastro-nomie als eigene Marke herausstellt. Um einen Benchmark zu schaffen, nahm er die Kesselzerti-fizierung in Angriff. „Im Nachhinein schätze ich die Methode aber vielmehr als Instrument der Mitarbeitermotivation und Teambil-dung und als Schutz vor Betriebsblindheit“, erläutert Gerhard Frauenschuh, der die Vorurteile seiner Kollegen derartigen Zer-tifizierungen gegenüber missbilligt. „Ich habe – im Gegensatz zu manchen Kollegen – kein Problem meine Zahlen offenzulegen, statt meinen Wareneinsatz mündlich zu be-schönigen“, konkretisiert er provokant die „Management-Lüge“ der Branche. Dennoch hat er großen Gefallen an der GV gefunden, auch wenn es mit dem „Aus-ruhen“ nichts geworden ist. Manchmal sitzt er noch um 22 Uhr im Büro, weil er die Zeit vergessen hat. „Die Arbeit ist nach wie vor mein Leben. Doch auch bei 24-stündigem Einsatz, hätte ich die Betriebsgastronomie ohne mein tolles Team nicht so weit gebracht“, betont der GV-Manager des Jahres. Die gemeinsame Leistung lässt sich sehen: Schon einen Monat nach dem Küchenumbau, in des-sen Endzügen Gerhard Frauenschuh zum Team stieß, war die Essens-zahl auf 400 verdoppelt. Heute kommen täglich bis zu 1.700 der rund 4.000 MAN-Mitarbeiter, was nur dank vier- bis fünffachem Platzwech-sel möglich ist. Stolz ist Gerhard Frauenschuh vor allem aber auf sein Team, das vom Augs-burger MAN-Vorstand bei der letztjährigen Kessel-Verleihung in Sachen Teamgeist als vorbildlich für das ge-samte Unternehmen an-geführt wurde. kir 12/2013 GVmanager 13


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