Pari proJob, Stadthagen: Nah am Menschen, nah am Markt

GVmanager_10_2013

EXTRA Konzepte mit System Nah am Menschen, nah am Markt Foto: Kopsa Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass bei Pari proJob etwas anders ist, als in anderen Großküchen. Dass es hier nicht nur ums Geldver-dienen geht, sondern auch darum, Menschen mit einer Behinderung einen Job zu geben, erschließt sich erst im Gespräch. Denn Pari pro- Job ist eine 100%ige Tochter der Paritätischen Lebenshilfe Schaum-burg- Weserbergland (PLSW). In der Großküche und in den benachbar-ten Werkstätten finden Menschen mit einer geistigen oder körperli-chen Behinderung Arbeit, und da-mit Aussicht auf eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft. Die GmbH ist eine geförderte Ein-richtung und wird hauptsächlich von der PLSW sowie ferner von der Aktion Mensch und vom Integrationsamt finanziert. Neben dem 16-köpfigen Küchen- und Bistroteam sowie den zwölf Fahrern zur Essensauslieferung sind hier acht sogenannte Integra-tionskräfte beschäftigt. Ihre Löhne werden in den ersten drei Jahren über einen Lohnzuschuss vom In-tegrationsamt mitfinanziert. Dass das Arbeiten mit den Integrations-kräften grundlegend anders ist, lassen die Pari proJob-Köche nicht gelten. Wenn einer ihrer Schützlinge etwas langsamer sei, würden ihm Arbeiten anvertraut, die zu be-wältigen seien, sagt Küchenleiter Uwe Gruschinski. „Ich versuche nur zu koordinieren, dass in der Küche trotzdem alles glatt läuft.“ Potenziale gehoben Die Pari proJob-Küche wurde im Dezember 2011 nach 15 Monaten Bauzeit eröffnet, wobei sich die Baukosten auf ca. 3,5 Mio. € be-laufen haben – allein die Küchentechnik hat 1,5 Mio. € verschlun-gen. Kaum jemand habe bei Eröff-nung mit dem durchschlagenden Erfolg gerechnet, berichtet der Be- triebsleiter Jörg Vogt: „Wir haben die Ziele unseres 5-Jahres-Plans schon nach sechs Monaten er-reicht.“ 2012 hat allein die Cook & Chill-Küche 1,35 Mio. € Umsatz gemacht und fast 400.000 Essen gekocht – bis zu 2.500 Essen am Tag für 60 Kunden, darunter Krip-pen, Kindergärten, Horte, Ganz-tagsgrundschulen, weiterführende Schulen, Altenpflegeheime und die eigenen Werkstätten. „In diesem Jahr würden wir gerne auf einen Umsatz von 1,5 Mio. € kommen“, erläutert Jörg Vogt. Auch das Bistro al Pari hat sich prächtig entwickelt und verkauft im Schnitt 150 Essen am Tag an Anwohner des Gewerbegebiets – statt der ursprünglich angepeil-ten 50 Essen. Die Gäste holen sich das Essen von der SB-Theke und räumen ihren Tisch selbst ab. Im Sommer sorgen Bierzeltgarni-turen für zusätzliche Plätze. Die Bistro-Gäste kommen aus dem Einkaufszentrum nebenan, viele auch aus dem Industrie- und Ge-werbegebiet. Offenbar entspricht das Preis-Leistungs-Verhältnis dem Geldbeutel der Besucher. Jeden Tag sind drei warme Gerichte mit Nachtisch für jeweils 4,50 € im Angebot. „Wir haben das Bistro mit 48 Sitzplätzen geplant, und uns er-träumt, dass wir es einmal am Tag vollkriegen. Heute verkaufen wir jeden Tag das Dreifache. Wir hätten es also mindestens doppelt so groß bauen können“, erzählt Jörg Vogt. Beim Cook & Chill-Essen sieht Jörg Vogt schon wegen des seit August gültigen Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz weiteres Entwicklungspo-tenzial. Zurzeit ist er gerade dabei, Werbung bei den Kitas im Liefer-radius für seine Essenslieferungen zu machen. Außerdem sollen noch in diesem Jahr Satellitenküchen in den Betreuungseinrichtungen und Schulen aufgebaut werden, um nä-her am Ort des Geschehens zu sein Eine Verpflegungslücke erfolgreich geschlossen und Wachstum quasi vorprogrammiert – das hat die Pari proJob GmbH mit ihrer Kombination aus Cook & Chill- Zentralküche und angegliedertem Bistro in einem Gewerbegebiet von Stadthagen erreicht.


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