Fingerfood: Das liegt auf der Hand

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Care-Verpflegung Das liegt auf der Hand Ob Tomaten in Würfelform oder ein zum Löffel umfunktioniertes Chicorée-Blatt – mit Fingerfood lassen sich alters- oder krankheitsbedingte Hürden überwinden. Das bringt Lebensqualität und beugt Mangelernährung vor. Foto: Maria-Martha-Stift Pflege bedeutet mehr als nur zu füttern“, sagt Anke Franke, Geschäftsführerin des Maria-Martha-Stifts provokativ und zeigt sogleich die Alternative auf, die es in der Lindauer Senioreneinrichtung gibt: Fingerfood. Sie eignet sich für Menschen mit Demenz und Morbus Parkinson, aber auch für Patienten, die z. B. aufgrund eines Schlaganfalls motorisch eingeschränkt sind. Um Mangelernährung vorzubeugen und die Patienten bzw. Senioren in ihrer Selbstständigkeit zu fördern, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Darreichung. „Es ist wichtig, dass man auf die sich verändernden Bedürfnisse der Bewohner reagiert“, ergänzt Anke Franke. Im Maria-Martha-Stift werden die Bewohner daher animiert, selbstständig oder bei Bedarf unter Anleitung zu essen. Roger Reinholz, der die Ausbildung zum Heimkoch absolviert hat, setzt vor allem Obst und Gemüse als Fingerfood bei Haupt- sowie Zwischenmahlzeiten ein – kurz vorgekocht und in mundgerechte Stücke geschnitten. „Für Menschen, die nicht mehr mit Messer und Gabel essen können, gibt es die Gerichte des normalen Speiseplans in abgewandelter Form – als Kost in Form oder Fingerfood“, erläutert der Heimkoch. Wichtig ist, dass die Bewohner erkennen können, was sie essen. Deshalb werden alle Komponenten einzeln zubereitet. Ergänzend erklärt das Personal den Senioren, was sich auf ihrem Teller befindet. Auf Convenience- Produkte verzichtet das Maria-Martha-Stift weitgehend. „Wir bereiten alles frisch zu, fast immer mit regionalen Zutaten“, betont Roger Reinholz. Als Bindemittel setzt er ausschließlich Agar-Agar ein, auch beim Fingerfood. Speisen wie Obst oder Gemüse, aber auch Fisch und Fleisch werden püriert und mit dem Geliermittel kurz aufgekocht, damit sie sich binden. Die Nährstoffe bleiben so gut erhalten. Teilweise setzt er auch Sahne und Butter ein, obwohl Mangelernährung im Maria-Martha-Stift kein Problem ist. Zur Geschmacksentfaltung achtet der Heimkoch darauf, dass kalte Speisen raumtemperiert serviert werden. Einen besonderen Bezug zum Essen schaffen in der Einrichtung auch die regelmäßigen „Schnibbelgruppen“. Unter Aufsicht einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin und zusammen mit der hauswirtschaftlichen Präsenzkraft, die die Hygienebedingungen überwacht, schneiden die Bewohner der Wohngruppen hier Gemüse und Obst. Einmal in der Woche wird zudem vor den Augen der Senioren frischer Saft gepresst, der sie mit zusätzlichen Vitaminen versorgt. „Das zelebrieren wir, und die Senioren freuen sich über die erfrischende Abwechslung“, erzählt Anke Franke. Der Verein Ev. luth. Wichernstift, zu dem neben einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und einer Schule auch eine Altenhilfe gehört, geht ebenfalls mit Fingerfood auf die speziellen Bedürfnisse der Bewohner ein. Etwa 120 Bewohner leiden hier an Demenz. Jeweils acht bis zehn der noch mobilen Erkrankten leben gemeinsam Ob Fingerfood-Teller oder passierte und in Form gebrachte Menüs – das Maria-Martha-Stift in Lindau investiert viel Kreativität in die Seniorenverpflegung. 24 GVmanager 10/2013


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