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24_Stunden_Gastlichkeit_05_2013

Besser ist anders Wer besser sein will, muss anders sein – davon ist Dr. Günter Blaschke, Vorsitzender des Vorstands von Rational, überzeugt. Wir sprachen mit ihm über Führungsstile, Gleichungen und 40 Jahre Rational. Herr Dr. Blaschke, dieses Jahr haben Sie einen Vortrag mit dem Titel „Umsatz, Wachstum und Gewinn sind keine Ziele“ gehalten. Rational wächst seit Jahrzehnten. Was läuft in diesem Sinne schief? Natürlich nichts, aber es ist wichtig zu wissen, dass Umsatz immer nur das konsequente Er-gebnis aller unternehmerischen Aktivitäten ist. Diese beziehen sich insbesondere auf die Be-reiche Produkt, Dienstleistung und Marktkommunikation, aber auch auf die richtige Preis- und Distributionspolitik. Nur diese Aktivitäten sind vom Unterneh-men selbst gestaltbar, d. h. sie sind so etwas wie die unabhän-gige Variable einer Gleichung. Der Umsatz seinerseits spiegelt die Reaktion der Kunden auf das Gesamtaktivitätenspektrum des Unternehmens wider. Er ist somit die abhängige Variable der Gleichung, je attraktiver das Gesamtpaket für den Kunden ist, desto höher die Nachfrage und damit letztlich auch der Umsatz. Dies gilt aber natürlich auch umgekehrt. Sich auf den Umsatz zu konzentrieren, hat sich schon oft als Irrweg herausgestellt. Als Spezialist geht es uns darum, auf der Basis unseres tie-fen eigenen Wissens etwa alle zehn Jahre etwas wirklich Neu-es zu erfinden, das einen echten erlebbaren und unerwarteten Zusatznutzen liefert und damit unsere Kunden begeistert. Wir sind überzeugt davon, dass mit zunehmendem Kundennutzen die Attraktiviät und damit auch die Sogwirkung unseres Unternehmens steigt, weil immer mehr Kunden sich wünschen, mit diesem Gerät zu arbeiten. Dabei halten wir am Grundprinzip fest, ein besseres Produkt nicht zu einem höheren Preis zu verkau-fen, da ein höherer Preis keinem Kunden nützt. Unsere Teilnahme an Wettbewerben bestätigt uns in unserem Innovationsweg im-mer wieder. Auch nach 40 Jahren hält Rational an einem Produkt fest. Warum? Wir sehen uns nicht als „Kom-bidämpferspezialisten“, der sich nur auf ein Produkt fokussiert. Vielmehr konzentrieren wir uns, ganz nach der Leitlinie unseres Gründers und Unternehmers Siegfried Meister, auf eine ein-zige Zielgruppe – die Profiköche – und haben uns nur eine Schlüs-selaufgabe auf die Fahnen ge-schrieben: die Entwicklung von innovativen Systemen zur Über-tragung von Wärmeenergie auf Lebensmittel. Wir forschen dabei technologieübergreifend. Das verringert das Risiko der Spezi-alisierung, verhindert Komple-xität und bringt uns dem Kun-den immer näher. Nicht weniger als 70 Ingenieure, Elektroniker, Köche, Oecotrophologen und Le-bensmittelwissenschaftler tüfteln an neuartigen Kundenlösungen, die immer wieder traditionelle Nutzungs- und Arbeitsweisen in der Profiküche in Frage stellen und die tägliche Arbeit entscheidend er-leichtern. Wie hält der Sog im Alltag der Anwender in der Küche an? Durch einen ganz großen Strauß an kostenlosen Dienst-leistungen – nach dem Motto: Jeder Kontakt eines Kunden mit uns ist für ihn ein positives Erlebnis. So werden z. B. Profiköche, die sich für ein Gerät in-teressieren, zu unseren kosten-losen Garen Live-Trainings und in Betriebe eines Kunden einge-laden, um ihnen die höchstmög-liche Entscheidungssicherheit zu geben. Bestehenden Kunden selbst bieten wir kostenlose Ser-vices wie unsere Hotline oder den Club Rational, der mittler-weile rund 40.000 Mitglieder weltweit zählt und u. a. kosten-lose Software-Updates, interna-tionale Rezepte und Einkaufslis-ten bereithält. Kundenbindung schaffen wir auch, indem wir deren Anregungen bei der Wei-terentwicklung aktueller Geräte einfließen lassen. Wie gelingt es Ihnen in Landsberg am Lech Mitarbeiter zu akquirieren und zur stetigen Innovationsfreude zu motivieren? Unsere Mitarbeiter verstehen sich als Unternehmer im Unter-nehmen. Nehmen wir die Mon-tage als Beispiel: Jeder Mitarbei-ter montiert und verantwortet ein komplettes Gerät – vom Gehäuse bis zum Funktionstest. Für je-dermann sichtbar macht das Ganze sein Namensschild, das in das Typenschild seiner ge-bauten Geräte integriert wird. Auch im Controlling sind die Mitarbeiter für ganzheitliche Pakete verantwortlich statt nur für spezialisierte Einzelaufgaben. Dieser Grundsatz hat generell ei-nen enormen Qualitätsschub ge-bracht. Zudem praktizieren wir eine offene Lehr- und Lernkul-tur, denn nur aus Fehlern – die möglichst frühzeitig in der Kar-riere gemacht werden sollten – lernt man dazu. Nur so baut sich eigene Erfahrung auf und macht den Mitarbeiter gleich-zeitig immer wertvoller für das Unternehmen. Wie könnte die Zukunft des Kombidämpfers aussehen? Ob der Kombidämpfer künftig noch so heißen wird, weiß ich nicht. Aber dass man ihn deut-lich verbessern kann, davon bin ich überzeugt. Und wenn er nicht besser wird, dann wird er anders, d. h. andere Technologien wer-den ihn ablösen, natürlich wie-der von Rational. Das können Sie mir glauben. Vielen Dank für das Gespräch! kir/syk „Wir haben uns stets am Kunden und nicht am Wettbewerb orientiert.“ Dr. Günter Blaschke 10 24 Stunden Gastlichkeit 5/2013 Foto: Kirchner INTERVIEW


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