Food - Dr. Kurt Schmidinger, Future Food: Fleisch ohne Fleisch

GVmanager_08_2013

Fotos: © jpgon – Fotolia.com, © lenka – Fotolia.com Tierisches Fleisch zu erzeugen – ganz ohne Tiere züchten zu müssen, geschweige denn zu töten – das soll in einigen Jahren bereits Wirklichkeit sein: per Labor und 3D-Drucker. Wie das geht und was es bringt, hat uns Dr. Kurt Schmidinger von wäre natürlich tierfreundlicher und müsste nicht zuletzt gesünder sein, z. B. indem man bei der Zusammensetzung den Gehalt ge-sättigter Fettsäuren und von Cholesterin re-duziert und z. B. Fleisch mit mehr Omega- 3-Fettsäuren schafft. Das wird aber sicher noch 20 bis 30 Jahre dauern. Fleisch ohne Fleisch Die Zukunft konnte Anfang August bereits verkostet werden – voraus-gesetzt, sie war einem 325.000 £ wert. So viel kostete der Burger mit fettfreiem Rindfleisch-In-vitro-Patty, den Dr. Mark Post von der Maas-tricht University aus 20.000 im Labor gezüchteten Muskel-strängen hergestellt hat. Di-verse Verbesserungsansätze, wie die Kosten, mal ausge-klammert, sollte damit ge-zeigt werden, dass In-vitro- Fleisch machbar ist. Dafür haben die Wissenschaftler im Schlachthof Stammzel-len aus Kuhnacken ent-nommen und daraus u. a. mithilfe von Kälberserum als Nährmedium Fleisch „gewonnen“. Möglich macht dies Tissue Engineering, eine Technik aus der medizinischen Forschung, die darauf abzielt, menschliche Organe im Labor aus Stammzellen herzustellen. Dr. Kurt Schmidinger sieht diese Ent-wicklung zwiegespalten – obwohl er mit seiner Internetinitiative Future Food von Wien aus die weltweite Verbreitung von Alternativen zu tierischen Produkten vo-rantreibt. Dennoch ist für ihn klar, dass „echtes“ Fleisch kaum Zukunft hat. Herr Dr. Schmidinger, Sie sind Veganer und Lebensmittelwissenschaftler – würden Sie trotzdem oder gerade deswegen In-vitro- Fleisch essen? Ich sehe In-vitro-Fleisch als eine Alternati-ve, die man gehen kann, aber nicht muss. Ich würde es sicher kosten, wenn die der-zeitigen Probleme komplett gelöst sind und wenn das Produkt damit klare Vorteile gegenüber echtem Fleisch aufweist. Das heißt, es muss ökologischer sein und unsere Welternährungssituation entlasten, indem es effizienter hergestellt werden kann. Es Future Food erzählt. Was sind derzeit noch die größten Herausforderungen bei der Produktion von In-vitro- Fleisch? Es gibt noch viele technologische Probleme, z. B. den künstlichen Transport der Nährstoffe zu den Zellen, den im Organismus Kapillarsysteme über-nehmen. Auch Wachstumsmedien zu finden, die frei von tierischen Inhaltsstoffen sind, ist noch eine zu lösende Aufgabe. Ich denke dennoch, dass es irgendwann gelingen wird, da die Medizin bereit ist, viel Geld und Know-how in die Erforschung dieser Technologie zu investieren. Es ist leicht vorstellbar, dass Men-schen eines Tages bereit sind, für eine neue Niere aus den eigenen Stammzellen sagen wir mal 50.000 E zu bezahlen. Aber für 1 kg Hähnchenfleisch aus dem Labor müsste der Preis auf 2 E/kg runtergehen, um mit Produk-ten aus Massentierhaltung konkur-rieren zu können. Die große Frage ist, ob Laborfleisch zu einem so konkurrenzfähigen Preis produzierbar sein wird. Wie unterscheidet sich demgegenüber Fleisch aus dem Drucker? Bio-Printing ist eine andere Form von In-vitro- Fleisch. Sie basiert auf einer ähnlichen Technologie, mit dem Unterschied, dass die Fasern nicht auf eine künstliche Struk-tur gezüchtet werden, sondern Schicht für Schicht sozusagen aufeinander gedruckt werden. Ob diese Produkte allerdings von der Konsistenz her irgendwann an richtiges Fleisch herankommen, ist fraglich. Gerade bei Fleischfans ist die Skepsis ge-genüber pflanzlichen Fleischalternativen wie Tofu groß. Glauben Sie, dass Produkte aus dem Reagenzglas oder dem Drucker mit weniger Kritik aufgenommen werden? Nein, eher im Gegenteil! Selbst wenn die „Pro 7 kcal, die an Tiere verfüt-tert werden, kommt im globalen Durchschnitt nur 1 kcal raus – das ist extrem ineffizient.“ Dr. Kurt Schmidinger Nachhaltige Foodkonzepte 16 GVmanager 8/2013


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