x
Peter Haaber und Thomas Willms

„Wir brauchen mehr Frauen in der Führung“

Datum: 11.06.2019Quelle: Deutsche Hospitality| Ort: München

Unter CEO Thomas Willms erweiterte die Deutsche Hospitality ihr Portfolio mit Steigenberger Hotels & Resorts, IntercityHotel und Jaz in the City um die Marke Maxx by Steigenberger und jüngst die skandinavische Budgetmarke Zleep. Auf der Nordic Hotel Investment Conference in Kopenhagen wurde die Hotelgruppe für die erfolgreiche Übernahme von Zleep ausgezeichnet. Im Bild (v.l.n.r.): Peter Haaber, Gründer von Zleep, und Thomas Willms in Kopenhagen.

Herr Willms, Sie sind seit zwei Jahren Chef der Hotelgruppe Deutsche Hospitality. Wie empfanden Sie die Zeit dort bisher?

Ich war viele Jahre bei Starwood Hotels & Resort und habe dann die Möglichkeit bekommen, zur Deutschen Hospitality zu gehen. Das Angebot, CEO der Deutschen Hospitality zu werden, war unheimlich reizvoll, weil ich dort alles einbringen kann, was ich in den vergangenen Jahren gelernt habe: Internationalität, Marken, Qualität, Vertrieb und Kultur. Und diese Fähigkeiten kann ich nun in einem international gesehen recht kleinen Unternehmen einbringen. Bei Starwood hatten wir rund 1.400 Hotels, bei der Deutschen Hospitality sind es mit der Pipeline rund 150 Häuser. Das macht eine CEO-Tätigkeit natürlich angenehmer, weil man kürzere Entscheidungswege hat und somit auch ganz anders gestalten kann.

Wie beispielsweise auch den Relaunch der Steigenberger Hotels.

Wir nennen den Relaunch „Evolution“, denn wir wollen unsere traditionellen Werte erhalten. Befragt man Steigenberger-Gäste, dann merkt man, dass für sie in den Hotels immer unser Service und unsere Tradition, Perfektion und Kulinarik an erster Stelle stehen. Wenn man so eine wertvolle Marke mit einer solchen tollen Außenwirkung vertreten darf, dann schafft man sie nicht einfach ab, sondern erhält ihre Basis und baut darauf auf. So beginnt die Evolution.

Was braucht Steigenberger Neues?

Als ich zur Deutschen Hospitality kam, empfand ich den Auftritt von Steigenberger manchmal als etwas angestaubt, die Farben, das Logo etc. Aber ich wollte keinesfalls nur das Logo verändern. Das geht bei Hotels nicht. Man muss eine Marke schaffen, die erlebbar ist. Meine Vision ist folgende: Wenn der Gast in der Lobby eines Steigenbergers steht, dann soll er mit allen Sinnen spüren, dass er sich in einem Steigenberger befindet. Das gilt natürlich auch für unsere anderen Marken. Da spielen Musik und Geruch eine Rolle, genauso wie das Interior Design, die Uniformen der Mitarbeiter und die Ansprache der Gäste. Wir brauchen zusätzlich zu den neuen Logofarben auch eine zu unseren Werten passende Frühstückskultur sowie Welcome-Manager und Insider, die die Hotspots der Stadt kennen, die wissen wo Ausstellungen und welche Restaurant angesagt sind. Wir brauchen strategische Partner, wie die Firma Sixt für unseren Limousinen-Service. Daran arbeiten wir im Moment. Im letzten Jahr haben wir Maxx by Steigenberger gelauncht, ein Jahr zuvor gemeinsam mit Mattheo Thun der Marke IntercityHotel ein völlig neues Design gegeben. Dieses Jahr widmen wir der Marke Steigenberger.

So ein Name verpflichtet auch.

Schon vor 35 Jahren stand ich voller Ehrfurcht vor dem Frankfurter Hof. Die gesamte Bedeutung der Historie hinter dem Namen Steigenberger habe ich allerdings erst viel später verstanden. Der Grundstein wurde 1930 in Baden Baden mit dem Europäischen Hof gelegt. Wir sprechen also von fast einem Jahrhundert Geschichte, das ist schon etwas Besonderes. Nächstes Jahr wird Steigenberger 90 Jahre!

Wird der Europäische Hof zum Jubiläum seine Türen wieder öffnen?

Als ich vor einigen Monaten beim Richtfest in Baden Baden dabei sein durfte, konnte man überall spüren, wie sehr der Europäische Hof Teil dieser Stadt ist. Wie sich eine ganze Stadt, angefangen bei der Oberbürgermeisterin Margot Mergen auf die Wiedereröffnung dieses Grandhotels freut. Den Erwartungshaltungen werden wir gerecht werden. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob es Ende 2020 oder Anfang 2021 wird. Wichtig ist, dass die Gäste, die Stadt und wir mit dem Produkt zu 100 Prozent zufrieden sind.

Ein Grandhotel mit derart langer Historie ist ja irgendwann auch Teil der Stadtgeschichte.

Das ist das Schöne bei Steigenberger. Denken Sie an den Frankfurter Hof, das Belvedere in Davos oder das ehemalige Gästehaus der Bundesregierung, den Bonner Petersberg. Auf dem Petersberg hat schon Adenauer gestanden und seine Arbeit begonnen. Breschnew hat in der Einfahrt des Hotels den Mercedes kaputtgefahren, den Willy Brandt ihm geschenkt hat. Das sind besondere Anekdoten. Das ist Steigenberger. Wobei die neue Generation der Steigenberger-Hotels oftmals keine Grand- sondern Businesshotels sind. Diese wachsen auch und werden Teil der Stadtgeschichte, wie das Steigenberger Berlin Kanzleramt. Aber das braucht Zeit und wir gehen an diese Hotels anders heran als an die klassischen Grandhotels. Man kann ein Grandhotel nicht einfach kopieren, es lebt von seiner Geschichte. Wir haben 90 Jahre gebraucht für 90 Hotels und wir wollen im Jahr 2024 250 Hotels haben, über alle fünf Marken.

Jüngst haben Sie die familiengeführte Kette Zleep Hotels gekauft.

Wir haben Zleep zu 51 Prozent erworben und so den Einstieg sowohl in den Budgetmarkt als auch in den skandinavischen Markt geschafft, der ja immer sehr schwierig ist. Wir sind jetzt mit 16 Häusern in Schweden und Dänemark präsent. 11 davon sind bereits geöffnet und fünf befinden sich noch im Bau. Es ist sehr langwierig so eine Marke zu kreieren, und wir hatten das Glück, dass wir einen Partner gefunden haben, der über die Grenzen Skandinaviens hinaus expandieren wollte. Peter Haaber, der Gründer der Marke, bleibt auch weiterhin CEO. Er wird die Geschäfte dort führen, denn er kennt die Gäste und Investoren. Wir lernen von ihm, wenn wir Zleep nach Deutschland bringen.

30 Hotels für die Deutsche Hospitality befinden sich gerade in der Entwicklung. Neue Häuser benötigen ja auch neue Mitarbeiter…

Das ist eine unserer größten Herausforderungen. Man kann derzeit den Eindruck gewinnen, dass Gäste leichter zu bekommen sind als Mitarbeiter. So attraktiv beispielsweise die Stadt München ist, so teuer ist sie auch. Selbst für uns, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hochattraktive Angebote machen, wird es immer schwieriger, gute Leute zu finden. Denken Sie an die kommenden Expansionen, da werden wir einige tausend neue Mitarbeiter brauchen.

Gibt es bei Ihnen eine Frauenquote?

Ich hätte gerne 50 Prozent Frauen in Führungspositionen, aber dieses Ziel haben wir noch nicht ganz erreicht. Deswegen fördern wir Frauen auch stärker und bieten ihnen mehr Chancen. So werden es kontinuierlich mehr Frauen in Führungspositionen: Das Intercity in Dubai managt beispielsweise eine Frau, die aus dem Intercity Darmstadt kommt, wir haben zwei sehr gute General Area Managerinnen, etc.

Was tun sie noch?

Wir bieten Programme, in denen wir Flüchtlinge aufnehmen und sie an die deutsche Sprache und beispielsweise Tätigkeiten im Housekeeping-Bereich heranführen. Wir werben auch junge Menschen aus südeuropäischen Ländern an, wo es eine hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt, wie in Spanien, Griechenland oder Italien. Wir begleiten sie durch Sprachschulungen und versuchen sie in einem dualen Ausbildungssystem unterzubringen.

Herr Willms, Herzlichen Dank für das Gespräch.
 

 

Nina Schinharl / Gastroinfoportal

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neues IntercityHotel Amsterdam Airport Die Deutsche Hospitality treibt ihr Engagement in den Niederlanden weiter voran. Jüngster Familienzuwachs ist das IntercityHotel Amsterdam Airport, da...
Deutsche Hospitality übernimmt Zleep Hotels Ausbau der Wettbewerbsposition: Mit einem Investment von 51% in die familiengeführten Zleep Hotels nimmt die Deutsche Hospitality eine fünfte Hotelmar...
Maxx by Steigenberger startet Die Deutsche Hospitality stellt eine neue Hotelmarke vor: Maxx by Steigenberger soll sich künftig neben den Steigenberger Hotels and Resorts, Jaz in t...
Artikel mit Bildern drucken Artikel ohne Bilder drucken

Newsletter

Immer die aktuellsten Informationen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.
Zum Datenschutz

Send this to friend