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Plastikbeschichtete Einwegbecher enthalten gesundheitsschädliche Chemikalien wie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen PFAS

Gesundheitsgefahr durch Einwegbecher

Datum: 31.07.2020Quelle: Deutsche Umwelthilfe | Ort: Radolfzell |

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt vor gesundheitsschädlichen Chemikalien, die beim Konsum von Getränken aus plastikbeschichteten Einwegbechern in den Organismus gelangen können. Eine aktuell veröffentlichte Studie des Umweltbundesamtes bestätigt die Verwendung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in kunststoffbeschichtetem Einweggeschirr. Diese Stoffe reichern sich im Organismus an.

Was sind PFAS?

  • Chemisch sind PFAS im weiteren Sinn organische Verbindungen verschiedener Kettenlängen, bei denen die Wasserstoffatome durch Fluoratome ersetzt sind – vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert). Im engeren Sinn bezeichnet PFAS fluorierte organische Verbindungen mit einer funktionellen Gruppe wie einer Säure- oder einer Alkoholgruppe.
  • Die bekanntesten Vertreter sind PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) und PFOA (Perfluoroktansäure)
  • Seit einiger Zeit werden vermehrt andere PFAS verwendet. Dazu gehören polyfluorierte Stoffe, die auch Vorläuferverbindungen oder Präkursoren genannt werden, weil sie in der Umwelt zu den stabilen perfluorierten PFAS umgewandelt werden.
  • PFAS der neuesten Generation sind z. B. ADONA und GenX, sogenannte Perfluorether, bei denen die fluorierte Kohlenstoffkette Brücken aus Sauerstoffatomen enthält.
  • Über die meisten neueren PFAS haben Behörden und Wissenschaftler kaum Informationen zu den genauen chemischen Strukturen, zu den Verwendungen, zum Verhalten der Stoffe in der Umwelt und zu den Wirkungen auf Mensch und Umwelt.

Warum sind PFAS schädlich?

Im menschlichen Körper können manche PFAS an Proteine in Blut, Leber und Niere binden. Im Vergleich zu anderen Chemikalien werden einige PFAS sehr langsam ausgeschieden und können sich deshalb im Körper anreichern. Erhöhte Konzentrationen von PFOA und PFOS im menschlichen Blut können Wirkungen von Impfungen vermindern, die Neigung zu Infekten erhöhen, zu erhöhten Cholesterinwerten führen und bei Nachkommen ein verringertes Geburtsgewicht zur Folge haben. Die DUH fordert deshalb, ebenso wie das Umweltbundesamt, ein Verbot des Einsatzes von PFAS in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt und rät Verbrauchern für die Gesundheit unbedenkliche und klimafreundliche Mehrweglösungen zu nutzen.

„Die Chemikaliengruppe der PFAS ist weitgehend unreguliert und wurden im Blut von vielen Jugendlichen und Kindern nachgewiesen. Wer auf Nummer sicher gehen und seinen Tee, Kakao oder Kaffee ohne Chemikalien genießen will, der sollte das aus Mehrwegbechern, z. B. aus Edelstahl oder Porzellan, tun. Aber auch lebensmittelechte Mehrweg-Kunststoffbecher aus Polypropylen sind unbedenklich“, erklärt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer.

DUH fordert flächendeckendes System

Auf Grundlage der Europäischen Einwegkunststoffrichtlinie hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze die Möglichkeit, kunststoffbeschichtete Einwegbecher zu verbieten – hierzu fordert die DUH die Umweltministerin auf. Große Coffee-to-go-Ketten, Bäckereien und Betreiber von Betriebsrestaurants sollten dazu verpflichtet werden, ein flächendeckendes System mit Mehrwegpfandbechern aufzubauen.

„Pro Minute fallen in Deutschland 5.300 Einwegbecher für Kaffee, Tee und andere Heißgetränke an. Über das gesamte Jahr ergibt dies einen Abfallberg aus 2,8 Mrd. Bechern. Das ist nicht nur bedenklich für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit der Verbraucher. Sie laufen Gefahr, gesundheitsschädigende Chemikalien mit dem Getränk aufzunehmen. Angesichts des ungebremsten Anstiegs von To-go-Verpackungen für Speisen und Getränke und der möglichen Gesundheitsgefahren ist es notwendig, das vom Bundeskabinett beschlossene Verbot für Einweg-Kunststoffprodukte auch auf Einwegbecher und -essensboxen aus kunststoffbeschichteter Pappe auszuweiten. Noch ist die Verbotsregelung nicht im Bundestag beschlossen worden. Die Bundestagsabgeordneten sollten sich daher für eine Ausweitung des Einwegverbots einsetzen“, sagt die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH, Barbara Metz.

Als Alternative zu Einwegbechern können Verbraucher ihren Kaffee klassisch vor Ort aus einer Tasse trinken, ihren eigenen Mehrwegbecher zur Wiederbefüllung mitbringen oder das Getränk aus einem Mehrwegbecher mit Pfand genießen, den viele Coffee-to-go-Anbieter gleichermaßen nutzen. Weil bislang zu wenig große Coffee-to-go-Ketten, Bäckereien, Tankstellen und Gastronomiebetriebe an Mehrwegbechersystemen teilnehmen, sollten diese durch die Festlegung einer gesetzlichen Mehrwegquote dazu verpflichtet werden.

Martina Kalus / Gastroinfoportal

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