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E-Fahrzeuge E-Mobilität Auto Tank & Rast Gastromenü und Gastroevents

E-Mobil außer Haus

Datum: 02.12.2020Quelle: B&L MedienGesellschaft | Bilder: Gastromenü/Gastroevents, Tank & Rast | Ort: München

Nicht nur in Parkhäusern, sondern auch vor Fastfood-Restaurants, Hotels oder gar Metzgereien finden sich vermehrt Stellplätze mit Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge – als Kundenbindungsmaßnahme oder Bestandteil der Nachhaltigkeitsphilosophie.

Nach Meinung von Georg Maier, Inhaber, Das Grüne Hotel zur Post, Salzburg ist E-Mobilität ein „Must Have“ in der Hotellerie:

„Es wird immer wichtiger, Gästen eine Lademöglichkeit anbieten zu können. Auch wenn dieses Angebot zurzeit noch relativ selten wahrgenommen wird, bin ich davon überzeugt, dass die Nachfrage in Zukunft steigt. Gäste, die mit einem E-Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, erhalten bei uns einen Nachlass von 10 Prozent auf den Zimmerpreis.“

Die Metzgerei Parzen in Bayreuth verfügt gar über vier eigene Ladesäulen, eine für die private Nutzung, zwei für die Lieferfahrzeuge und eine für die Kunden. Inhaber Helmut Parzen sieht darin daher sowohl eine Kundenbindungs- als auch Kundengewinnungsmaßnahme:

„Bei uns können Kunden während des Einkaufs kostenlos bis zu einer Stunde auf dem Kundenparkplatz laden. Das ist für uns eine sehr gute Werbung, da die E-Mobilisten per Navigationsgerät an unsere Ladepunkte geführt werden.“

Zwei Beispiele für den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge

Thomas Eifert, Geschäftsführer, Gastromenü und Gastroevents, Ulm

Der Gastro-Unternehmer betreibt in Ulm eine Manufaktur-Großküche, um möglichst viele regionale Zutaten – selbst verarbeitet – in seinen gastronomischen Geschäftsfeldern einsetzen zu können. Das Portfolio reicht vom Hotel über klassische Restaurants und ein Sternerestaurant bis hin zu diversen Teilbereichen der Gemeinschaftsgastronomie (Care-, Kita- und Schul- sowie Betriebsverpflegung und Catering).

E-Mobilität ist für Thomas Eifert ein konsequenter Baustein seiner Nachhaltigkeitsphilosophie. Mehr dazu hat er uns im Interview verraten:

Von Anfang an arbeiten wir bei Gastromenü und Gastroevents ökologisch orientiert – begonnen bei der Nutzung von regenerativer Energie, dem Bau von KfW40-Gebäuden oder der Einbindung von Blockheizkraftwerken und Wärmepumpen. Für unser Engagement erhielten wir bereits 2008 auch den Umweltpreis der Stadt Ulm. Sich auf E-Mobilität zu konzentrieren, ist für uns daher ein logischer Schritt.

Es ist eigentlich surreal, dass wir Öl über die Weltmeere verschicken, um es hier als Brennstoff zu nutzen. Und das obwohl wir hierzulande ausreichend Energie über Wind, Wasser und Sonne erzeugen könnten, um E-Fahrzeuge zu betreiben.

Gerade im Bereich der Transporterfahrzeuge ist es in Deutschland noch schwierig, etwas Passendes zu finden. Opel ist von der Entwicklung im Bereich der Nutzfahrzeuge, sprich Kleinbusse und Sprinter, aktuell führend und bringt das erste mit einer Reichweite von 300 km auf den Markt. Alle anderen Hersteller hinken noch hinterher.

Es gibt mittlerweile den Begriff Cradle to Cradle – von der Wiege zur Wiege – der Cradle to Grave, sprich zur Bahre, abgelöst hat. Das heißt so viel wie: Wir müssen versuchen, diese Welt nicht so zu verlassen, dass sie nur ausgebeutet wurde. Jeder Ansatz, der dazu beiträgt, ist richtig und wichtig.

Dies bezieht sich auch auf den Rohstoff Kobalt, der in der E-Mobilität bald ersetzt werden wird – hier müssen wir gegen die zu starke Ausbeutung und Ausnutzung arbeiten. In die Entwicklung der Batterietechnik wird aktuell viel Geld investiert, sodass Ersatzstoffe für das Kobalt gefunden werden.

Ich selbst fahre einen Porsche Taycan und kann nur sagen, wenn Sie das Auto einmal gefahren sind, dann vermissen sie das klassische Auto nicht mehr. Ich finde das Fahrgefühl überwältigend. Wobei ich nichts verteufle, ich bin auch ein großer Fan von Dieselfahrzeugen – es wird sicherlich noch etliche Jahre beides geben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

E-MobilitätJörg Hofmeister, Leiter Elektromobilität, Tank & Rast, Bonn

Das Raststätten-Unternehmen Autobahn Tank & Rast ist führender Anbieter von Gastronomie, Einzelhandel, Hotellerie und Kraftstoff auf den Autobahnen in Deutschland.

Seit einigen Jahren forciert das Unternehmen auch den Ausbau von Schnelladestationen für Elektrofahrzeuge an seinen Raststätten.

Kundenbindung im gastronomischen Sinne spielt dabei (noch) eine untergeordnete Rolle. Mehr dazu lesen Sie im folgenden Interview:

Bereits vor rund fünf Jahren haben wir in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie weiteren Partnern aus der Wirtschaft mit dem Ausbau von Schnellladestationen an unseren Raststätten begonnen. In den letzten Jahren entstand so das größte zusammenhängende Schnellladenetz in Deutschland. Aktuell stehen unseren Kunden im Servicenetz von Tank & Rast entlang der deutschen Autobahnen an über 360 Tank- und Rastanlagen rund 800 Ladesäulen mit Leistungskapazitäten zwischen 50 und 350 kW Ladeleistung zur Verfügung. Diese ausgerüsteten Standorte unterstützen die gängigen Ladestandards CCS, Typ 2 sowie CHAdeMO. Damit bieten wir unseren Kunden nicht nur heute bereits eine langstreckentaugliche Ladeinfrastruktur an. Wir leisten damit auch einen wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz der Elektromobilität in Deutschland. Die Ladeinfrastruktur werden wir konsequent ausbauen.

Wir bieten an unseren deutschlandweiten Standorten viele Angebote und Services für alle Reisenden – von Familien über Berufspendler bis hin zu Busreisegruppen und Lkw-Fahrern. Dazu zählen selbstverständlich auch E-Mobilisten. Spezielle Rabatte für diese Zielgruppe in der Gastronomie bieten wir nicht an. Wir setzten hier auf faire Angebote für alle unsere Kunden, egal mit welchem Fahrzeug sie vorfahren.

Grundsätzlich sind die Ladezeiten abhängig von unterschiedlichen Faktoren wie beispielsweise Leistung der jeweiligen Ladestation, Größe der Batterie oder Ladetechnik des Autos. Nehmen wir als Beispiel ein Elektrofahrzeug der modernsten Generation. An einer Schnellladesäule mit einer Leistung von 150 kW lädt ein E-Mobilist in gut 30 Minuten die Batterie eines solchen Fahrzeugs zu 80 Prozent auf. Diese Ladung reicht dann für weitere 350 bis 400 Kilometer.

Genau! Wie gut Elektromobilität in Deutschland bereits funktioniert, zeigt die „ID.3 Deutschlandfahrt“. Das ist eine Marathonfahrt mit dem vollelektrischen VW ID.3 quer durch Deutschland, die wir mit unserem Schnellladenetz unterstützen. Bislang hat der Wagen bereits über 10.000 Kilometer abgespult, ohne auch nur einmal stromlos stehenzubleiben

Was für alle anderen Kunden gilt, trifft selbstverständlich auch für E-Mobilisten zu. Kunden sollen bei uns vor allem eines machen können: Eine entspannte Pause, in der sie ihre eigenen „Batterien“ für die Weiterfahrt aufladen. Kunden finden an unseren Raststätten ein reichhaltiges Angebot unterschiedlicher Speisen und Getränken vor, passend für einen kurzen oder eben einen längeren Stopp. Hier nur zwei Beispiele: Frisch nach der Bestellung zubereitete Speisen erhalten Kunden bei unserer Marke Tabilo. Skandinavische Köstlichkeiten und viele Kaffeevariationen finden sich bei Wayne’s Coffee. Wer während des Ladevorgangs seines Fahrzeugs mobil arbeiten möchte, kann dies entspannt tun. An den meisten unserer Standorte finden Reisende kostenfreies WLAN.

Die Akzeptanz von Elektromobilität in der Gesellschaft wächst. Wir beobachten, dass der Stellenwert von Elektromobilität für das Reisen generell stark zunimmt. Diesen veränderten Kundenbedürfnissen kommen wir nach. Jüngst haben wir unseren neuen Standort Werratal Süd an der A4, rund 80 Kilometer westlich von Erfurt, eröffnet. Die Besonderheit: Die Schnellladestationen befinden sich direkt neben den Zapfsäulen der klassischen Kraftstoffarten. Damit ist Werratal Süd der erste deutsche Standort auf der Autobahn, an dem alle Antriebsarten unter einem Tankstellendach vereint sind. Elektromobilität und klassische Kraftstoffe begegnen sich mehr und mehr auf Augenhöhe.

Derzeit liegen Herausforderungen vor allem noch bei der Verbesserung des Kundenerlebnisses für E-Mobilisten sowie einheitlichen Tarif- und Bezahlmodellen. Hier arbeiten wir – genau wie die Branche auch – an Lösungen, die den Zugang und die Nutzung der Ladeinfrastruktur verbessern. So werden beispielsweise in unserem Netz neben Apps und Ladekarten zunehmend auch Kreditkarten als Ad-hoc-Bezahlmöglichkeit für das Laden akzeptiert. Gleichzeitig werden in einigen Pilotprojekten Überdachungen erprobt, die die Kunden auf der einen Seite beim Laden ihrer Fahrzeuge vor den Widrigkeiten des Wetters, wie Wind und Regen, schützen und auf der anderen Seite die Auffindbarkeit der Ladeinfrastruktur verbessern. Auch wenn heute ein klares Überangebot an Lademöglichkeiten besteht, werden wir auch zukünftig in den Ausbau des Ladenetzes investieren. Wir sehen uns mit unseren Kooperationspartnern (EnBW, E.ON, E-Wald, Innogy, IONITY) und dem bereits gut ausgebauten Netz für den Markthochlauf gut gerüstet.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Thomas Eifert geht nicht nur in Sachen Mobilität neue Wege, seine gastronomischen Betriebe und Kunden beliefert er auch mit großteils in der eigenen Manufaktur hergestellten Produkten – von Pasta bis Fleischwaren. Das und vieles mehr über den kritischen Unternehmer lesen Sie hier.

Interessiert an weiteren nachhaltigen Themen? Dann besuchen Sie unser Onlinespecial von #spürbargrün!

Claudia Kirchner / Redaktion GVMANAGER

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