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Datum: 22.08.2000Quelle: Ort: London

London. Paul Starnes Arbeitstag beginnt um 6.00 Uhr morgens und endet um 18.00 Uhr. Wenn alles gut geht. Gibt es noch ein Dinner vorzubereiten oder eine Cocktailparty, kommt er nicht vor 22.00 Uhr aus seiner Küche. Ohne seine beiden Computer würde alles noch viel länger dauern, davon ist er überzeugt.

Paul Starnes ist Chefkoch in einer Londoner Citybank, 48 Jahre alt und begeisterter Computernutzer. Als die Firma vor fünf Jahren begann, das computergestützte Kochen einzuführen, hat er sich sofort für die Idee interessiert. Daraufhin wurde er von Sodexho, dem größten britischen Caterer, auf verschiedene Schulungen geschickt, um Grundkenntnisse zu erwerben. Das meiste hat Paul sich jedoch Schritt für Schritt selber angeeignet.

Schwer ist das nicht – so Starnes Einschätzung – denn Sodexho`s hauseigene Programme sind nutzerfreundlich, leicht zu bedienen und haben gute Suchroutinen. Suchen kann man allerdings – wie überall im Internet – nur nach dem, was vorher eingespeist wurde. Und das war anfangs – das gibt der symphatische Koch bei aller Begeisterung zu – ein hartes Stück Fleißarbeit. Über 600 Menüs hat er inzwischen eingegeben. Täglich kommen neue Gerichte dazu. Damit ist genau dokumentiert, wie jedes Gericht zubereitet wird.

Sollte sich die Zahl der Essen von sechs auf acht oder zwölf ändern, schlägt sich das automatisch in den Spalten Gewichtsangaben und Preis nieder. Gehen die Preise hoch oder runter, wird das von einer Mitarbeiterin in eine separate Produkttabelle eingearbeitet. Alle Tabellen sind miteinander vernetzt, so dass die veränderten Preise automatisch in die Menüpreise einfließen.

Langes Suchen oder sogar Kalkulieren gehört durch die Hilfe des Computers der Vergangenheit an. In Sekundenschnelle werden durch die Suchroutine „Preis“ alle Gerichte in der gewählten Preisgruppe aufgelistet. Und gesucht werden kann in jeglicher Kombination.Zum Beispiel nach Vorspeisen. Kaum ist das Wort angetippt, erscheint die Auswahl: kalt oder warm. Hat man auf warm getippt, geht es weiter mit der Frage Fisch oder Fleisch. Tippt man auf Fleisch, kann man zwischen Gebratenem oder Geschmortem wählen. Es wird immer mehr eingegrenzt, bis man genau auf die Liste der Rezepte gelangt, die von Interesse ist.

Natürlich bemüht sich jeder Koch um ein abwechslungsreiches Essen, häufige Wiederholungen sollten vermieden werden. Dennoch gibt es sie natürlich. Und auch da ist der Computer ein guter Gehilfe. Paul Starnes kann genau sagen, was er am 16.September 1999 angeboten hat und kann in diesem Herbst per Mouseclick erneut auf dieses Menü zurückgreifen.Doch nicht nur das Kochen läuft inzwischen in der Londoner Citybankküche computergestützt, auch die Kommunikation des Kochs von „Directors Table“ läuft statt über das Telefon immer mehr per eMail. Kommt Starnes morgens früh zur Arbeit, geht er nicht als erstes in die Küche, sondern an seinen Computer. Dort warten im Durchschnitt an die zwölf Meldungen auf ihn: Delegationszusammensetzungen haben sich verändert und deshalb müssen drei Portionen für das geplante gemeinsame Mittag mehr gekocht werden. Uhrzeiten für Dinnerpartys werden vor- oder zurückgeschoben. Alles ist Schwarz auf Weiß dokumentiert. Verwechslungen, die über Telefon leichter passieren können, treten seit dem Beginn der eMail-Ära kaum noch auf.

Und auch alle Statistiken, die leider ebenfalls gemacht werden müssen, werden automatisch erfasst: Wie viel Frühstück wurde zubereitet, wie viele Sandwiche, wie viele Mittagessen, wie viele Kanapees. Der Computer übernimmt alle diese Aufgaben, genau werden somit der Tagesrapport, die Wochen- und Monatsübersicht ausgeworfen. Der Papierkram erledigt sich damit fast wie von selbst. In Schnelligkeit und Effektivität ist der Computer einfach nicht zu schlagen, so Starnes abschließendes Urteil.

Und Verbesserungen sind immer noch möglich und durchaus denkbar. So hat Paul Starnes bisher per Computer keine Kontrolle darüber, inwieweit sein Lager aufgebraucht ist und Bestellungen von Zwiebeln oder Mehl erfolgen müssten. Das passiert immer noch manuell. Auch hat er keinen Einfluss auf den Preis der Gerichte. Die Zulieferer werden zentral von Sodexho ausgewählt. An die muss sich Starnes halten, selbst in dem Fall, dass andere Anbieter günstiger wären.

Möglicherweise wird das eines Tages auch in seiner Firma geändert werden. Das jedoch will genau überlegt sein, so der Kommentar seines Kollegen, Simon Knight. Letzendlich gehört auch im Computerzeitalter der Koch vor allem an den Herd und nicht an den Computer. Paul Starnes ist offen für jede Neuerung. Bisher hat der Computer definitiv dazu beigetragen, dass er sich mehr in der Küche aufhalten kann und weniger im Büro.

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