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Statt klassiche Bezahlung an einer Kasse, könnte in Betriebsrestaurants künftig die Bezahlung per App dominieren.

Bezahlung per App: Kassieren ohne Kasse

Datum: 06.03.2019Quelle: Inhalt: Redaktion GVmanager | Fotos: Colourbox.de, privat | Ort: München/Berlin

Wenn es nach Marcel Konrad, Geschäftsführer von Kamasys, geht, braucht es in GV-Betrieben künftig keine klassischen Bezahlvorgang mehr – stattdessen erfolgt die Bestellung und Bezahlung per App. Als klassischen Bezahlvorgang meint er diesen, bei dem die Gäste sich zunächst ihr Essen auswählen und dann mit ihrem gefüllten Tablett an einer Kasse mit Kassierer vorbei müssen, die einzelnen Speisen dort in die Kasse eingetippt werden und dann mittels Chipkarte oder bar bezahlt wird.

Insbesondere um die Mittagspause zu entzerren und unnötige Warteschlangen zu vermeiden, ist eine Abkehr von dem klassischen Konzept aus seiner Sicht unumgänglich. Weshalb das Unternehmen in 2018 das Modul Selfcheckout für seine Mittagstisch-App entwickelt hat. Wir haben daher mal genauer bei Marcel Konrad nachgehakt und Antworten auf unsere Fragen rund um die Bezahlung per App erhalten.

Herr Konrad, wie sieht für Sie der Besuch eines 
Betriebscasinos der Zukunft aus?

Die Gäste informieren sich vorab oder beim Gang ins Betriebsrestaurants in der App bzw. dem Webportal über den Tagespeiseplan, legen ihre Auswahl an Speisen und Getränk(en) in den Warenkorb und bezahlen dann bequem per SEPA, PayPal oder Kreditkarte – das geht mit wenigen Klicks. Anschließend erhält der Gast einen QR-Code aufs Smartphone, der an den jeweiligen Ausgabecountern gescannt wird. Das Küchenpersonal bereitet die Bestellung dann entsprechend zu und händigt sie dem Gast aus.

Marcel Konrad, Geschäftsführer von Kamasys, Berlin, im Interview über die Bezahlung per App.

Inwiefern sind GV-Betriebe offen für eine Bestellung und Bezahlung per App?

2015 war es mein Ziel, bis 2020 keine Kasse und keinen Aufwerter mehr verkaufen zu müssen. Das werden wir nicht schaffen, denn die Deutschen sind per se einfach nicht so entscheidungsfreudig bzw. sie sind skeptisch gegenüber Neuerungen. Der Generationenwechsel, der stattfindet, trägt dazu bei, dass Hürden hier seltener werden. Auch beim Launch unserer App haben wir im ersten Jahr die Erfahrung gemacht, dass viele diese super fanden, aber den Nutzen darin nicht erkennen konnten. Manches Mal braucht es einfach mehr Zeit: Ist man in seiner Branche mit einer Entwicklung zu früh, wird diese vielleicht noch nicht verstanden und daher zunächst abgelehnt.

Mit welchen Argumenten kann man einen GV-Betrieb für eine Bezahlung per App gewinnen?

Ein Faktor, der sich positiv auf den Betrieb auswirkt, ist z. B. die Kostenersparnis für die technische Ausstattung – da eine Lösung wie unsere, bestehend aus unter anderem Tablet, QR-Code-Scanner und Software, wesentlich günstiger ist als eine klassische Kasse aus Hardware, Monitor, Kartenleser, Aufwerter etc. Hier kann man mit etwa einem Viertel der Anschaffungskosten rechnen.

Darüber hinaus können die Mitarbeiter an den Kassen anderweitig eingesetzt werden, z. B. an den Ausgabetheken, an denen sie die Gäste rund um die verwendeten Lebensmittel informieren – das ist für mich persönlich eine sehr wertige Kommunikation, die so an den normalen Kassenplätzen gar nicht stattfinden würde.

Können Sie an einem Beispiel festmachen, warum der Gast den Kassiervorgang selbst in die Hand nehmen sollte?

Wartezeiten an den Kassen, die manches Mal nicht unerheblich sind, können komplett vermieden werden. Infolgedessen bleibt in der Mittagspause mehr Zeit für das Wesentliche – nämlich die Nahrungsaufnahme, die aufgrund der gewonnenen Zeit mehr Erholung bedeutet und damit weniger Stress. Die Mittagspause wird so zur Auszeit vom Berufsalltag.

Welche Haltung haben Sie persönlich gegenüber Self-Service und digitaler Bezahlung?

Ein Beispiel dafür, wie gut Self-Service funktionieren kann, ist McDonald‘s. Die Frage, warum an diesen Countern immer so viele Menschen stehen, ist für mich recht einfach beantwortet. Aus meiner Sicht fällt es vielen Menschen schwer, schnell Entscheidungen zu treffen – etwas, das bei der Bestellung vor Ort meist gewünscht ist. Nutzen diese aber den Self-Service bleibt mehr Zeit, die einzelnen Gerichte, Menüs und Co. durchzuschauen und eine Auswahl zu treffen. Das beobachte ich auch an mir selbst.

Übrigens ist es empirisch erhoben, dass man rund 20 % mehr ausgibt, wenn man selbst und in Ruhe auswählen kann, statt eine schnelle Entscheidung treffen zu müssen, bei der man dann nur das wählt, was einem als erstes in den Sinn kommt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wer noch mehr zur Bezahlung per App wissen möchte, schaut einfach in das ausführliche Interview in der aktuellen Ausgabe des GVmanager 3/2019, die Sie in unserem Heftarchiv finden. Im Beitrag beantwortet Marcel Konrad unter anderem die Fragen, welche Hürden eine Bezahlung per App darstellt, welche Rolle der Datenschutz dabei spielt und welches Zukunftsszenario er berfürchtet.

Sarah Hercht / GVmanager

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