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Energie auf dem Prüfstand (GVmanager 8/13)

Datum: 06.08.2013Quelle: HKI, Foto: vege - Fotolia.com

Wie energieeffizient ist Großküchentechnik im Vergleich? Aufschluss geben soll das Internettool HKI Cert Großküchentechnik. Zehn Hersteller haben hier bisher die standardisiert erfassten und zertifizierten Daten von rund 100 Modellen veröffentlicht. Wir haben gefragt, warum sie diesen Vergleich nicht scheuen.

 

HINTERGRUND

Anhand technischer Datenblätter der Hersteller lässt sich Profiküchentechnik bisher nicht vergleichen, da die Messverfahren frei wählbar sind und sich daher oft unterscheiden. Eine bessere Transparenz soll HKI Cert Großküchentechnik schaffen. Die Datenbank verfolgt den Anspruch, nach einem standardisierten Verfahren, freiwillig ermittelte energieverbrauchsrelevante Daten offenzulegen. Die Basis dafür bilden die nationalen Normen für Großküchengeräte der Normenreihe DIN 18873, die sich bisher aus 13 Normen und einem Entwurf zusammensetzt. Produkte, die danach geprüft und zertifiziert sind, dürfen auch das „Certified by HKI Cert“-Logo tragen.

 

Welche Daten gibt es?

Neben den Basisdaten wie Hersteller, Eintragsdatum, Anschlussleistung und Prüfjahr steht in der Online-Datenbank der Gesamtenergieverbrauch als eigentlicher Kernwert, je nach Gerätetyp werden zusätzlich aber noch weitere Messwerte verlangt und angegeben. Bei Fritteusen z. B. wird auch der Gesamtenergieverbrauch pro kg TK-Pommes frites ermittelt, bei Heißluftdämpfern u. a. der Wasserverbrauch unter Last im Heißumluft- und Dampfbetrieb und bei Heißgetränkebereitern der Energieverlust pro Tag mit und ohne Energiesparoption.

 

Hersteller und Gerätetypen

Die Daten lassen sich nach den Herstellern (Carimali/Coffema, Eloma, Franke, Frima, Jura, Melitta SystemService, MKN, Rational, Schaerer, WMF) sortieren oder nach den sechs Gerätetypen (Fritteusen, Heißgetränkebereiter, Milchkühlschranksysteme, Heißluftdämpfer, Kippbrat-/Standbratpfannen, Kipp-/Stand-Druckgarpfannen. Frima hat sich dabei bisher als einziger Hersteller mit den Gerätetypen Fritteusen, den Brat- und den Druckgarpfannen zertifizieren lassen. Einige Hersteller haben bereits ihr gesamtes Portfolio prüfen und zertifizieren lassen, wie Frima und Melitta SystemService angeben, WMF hat die gängigen Standardvarianten sämtlicher Kaffeespezialitäten-Maschinen gemeldet. MKN und Rational haben sich bisher auf die meistverkauften Gerätetypen und -größen beschränkt, planen aber weitere Tests. Bei Schaerer erfolgte die Auswahl der Modelle passend zur Zielgruppe Großküche. Coffema International hat aktuelle Maschinen gewählt, Jura hat zunächst die Vollautomaten der aktuellen Giga Professional- bzw. XJ Professional-Linien sowie die Impressa-Geräte des Classic-Sortiments prüfen lassen und will auch künftige neue Modelle ergänzen.

 

Warum haben sich die Hersteller prüfen und zertifizieren lassen?

Eloma schätzt an HKI Cert, dass eine Verknüpfung von Normung und Standardisierung mit Forschung und Entwicklung sichergestellt wird, die eine Neutralität gewährleistet: „Besonders im Hinblick auf eine Umsetzung der Lose im Rahmen der ErP-Richtlinie, welche die Energieeinsparpotenziale in den Großküchen zum Inhalt haben, sind abgestimmte europäische Normen, in Form von Methoden zur Bestimmung des Energieverbrauchs von Großküchengeräten, anzuwenden“, ergänzt Guido Giesselmann. Dass „standardisierte Prüfnormen das Marktangebot ein Stück transparenter machen und die Kaufentscheidung erleichtern“, wie es Gerhard Kramer von Rational formuliert oder dass sie „eine Entscheidung unter objektiven Gesichtspunkten ermöglichen“, wie Diana Mink von Frima anführt – diesem Tenor schließen sich auch die anderen an. Anja Halbauer von MKN ergänzt den Aspekt, dass sich dadurch auch die Gruppe der Premium-Anbieter gegenüber weniger energieeffizienten Her¬stellen, z. B. aus dem Ausland, abgrenzen könne. „Wichtig ist beim Vergleich aber, dass nur Geräte der gleichen Leistungsklasse gegenübergestellt werden“, betont Frank Göltenboth von WMF und gibt ein Beispiel zur Veranschaulichung: „Je höher das Leistungsvermögen einer Kaffeemaschine, desto höher sind die Energieverluste, was z. B. aufgrund größerer Boiler unvermeidlich ist.“

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:

www.grosskuechen.cert.hki-online.de

 

 

STATEMENTS der HERSTELLER

Lesen Sie im Folgenden, was die Modelle der Hersteller über einen geringen Energieverbrauch hinaus noch bieten. Welche Daten bei der Auswahl berücksichtigt werden sollten und wie die Hersteller diese liefern.

 

Der Energieverbrauch ist bei der Auswahl von Großküchentechnik nur ein Aspekt von vielen. Welche weiteren Daten sollten berücksichtigt werden und wie machen Sie diese vergleichbar bzw. wie stellen Sie diese dem Planer bzw. Anwender zur Verfügung?

 

Leif Nilsson, Geschäftsführer, Coffema International:

In der DIN 18873-2 für Gewerbliche Heißgetränkebereiter sind nur diese Kriterien vorgesehen und von daher vergleichbar. Für weitere Kriterien müssten ebenfalls Normen geschaffen werden. Die Frage ist, ob dies Sinn macht.

 

Guido Giesselmann, Geschäftsleitung Vertrieb, Eloma:

Wir als Mitglied des HKI Verbandes haben ein sehr starkes Interesse daran, dass sich die Methodik gemäß der HKI CERT Großküchentechnik durchsetzt. Die Daten sind umfassend, neutral und weisen ein größtmögliches Maß an Objektivität auf, was durch die Verwendung von Normen als Prüfgrundlage sichergestellt wird.

 

Diana Mink, Produktmanagerin, Frima:

Ganz klar tragen auch die Köche dazu bei, höchste Garqualität zu erzielen. Mit einer präzisen und dynamischen Temperatursteuerung können wir hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. Das zeigen wir gerne in unseren Frima CookingLive Veranstaltungen.

Produktivität wird außerdem in allen Bereichen immer wichtiger. Durch die Schnelligkeit und Power unserer Geräte und die Möglichkeit, auch ohne Überwachung zu kochen, kann die Produktivität deutlich gesteigert werden. Das bestätigen unsere Kunden immer wieder.

Die Multifunktionalität unserer Geräte ermöglicht das Kochen, Braten, Frittieren und Druckgaren, was dem Koch eine bisher nicht verfügbare Flexibilität in der Anwendung der Geräte bringt. Viele Geräte für Einzelanwendungen, die wertvollen Platz beanspruchen, sind nicht mehr Stand der Technik.

Bei der Konstruktion unserer Geräte achten wir auch auf die Ergonomie. Auch die einfache, intuitive Bedienung der Geräte liegt uns am Herzen.

Der Service beim Kunden auch nach dem Kauf der Geräte, wie die Anwendungsberatung, Benutzerseminare oder kostenlose Softwareupdates stellt für uns einen wichtigen Kundenservice dar.

Ein reduzierter Ressourcenverbrauch wird zukünftig immer wichtiger werden. Wir zeigen auf, wie wenig Wasser z. B. bei der Reinigung der Geräte verbraucht wird. Durch das automatische Ausheben von Garkörben aus dem Wasser kann dieses für mehrere Chargen verwendet werden. Dies spart nicht nur Wasser, sondern auch Zeit und Energie.

Dies alles fassen wir unter dem Begriff „Multificiency“ zusammen.

 

Oliver Schiller, Strategischer Serviceleiter, JURA Gastro Vertriebs-GmbH:

Neben den aufgeführten Energiewerten und Angaben zur Performance bietet der HKI in Zukunft dem Anwender den Zugriff auf die Datenblätter unserer Maschinen. Ein Klick auf den entsprechenden Link gibt Einsicht in alle weiteren herstellerspezifischen Angaben.

 

Ralf-D. Gnewkow, Bereichsleiter Vertrieb und Techn. Kundendienst, Melitta SystemService:

Schauen Sie in die Datenbank: Dort finden Sie zum Beispiel auch standardisierte Angaben zur Stundenleistung der jeweiligen Kaffeemaschinen, zur Ausstattung und zum Zubehör.

 

Anja Halbauer, Marketing, MKN:

MKN differenziert sich beim Combidämpfer in sehr vielen Bereichen. Hierzu zählt unter anderem das Thema Kapazität. Denn unser FlexiRack® Konzept nutzt den Garraum optimal aus und bietet somit erhebliche Kapazitätsvorteile. Aufgrund dieser erhöhten Kapazität kann in einzelnen Fällen sogar ein kompletter Garvorgang entfallen und somit natürlich Energie gespart werden. Außerdem gibt es den MKN Combidämpfer in verschiedenen Größen, die dem Anwender eine immer wirtschaftliche Auswahl gemäß seinen Nutzungsanforderungen ermöglichen. Solche Alleinstellungsmerkmale können in einem Bewertungsmodell wie HKI Cert nicht berücksichtigt werden, sind aber dennoch relevant, um eine wirkliche Vergleichbarkeit zu erreichen. Im Bereich der Premium Combidämpfer haben sich die Hersteller in den letzten Jahren massiv weiter entwickelt. Die Geräte werden immer effizienter und sind heute schon auf einem hohen Niveau. Was zwingend hinzu kommen muss ist eine effiziente Nutzung durch den Anwender. Dort ist noch sehr viel Potenzial. MKN löst dies durch intensive Praxisschulungen beim Kunden und einen fachlichen Austausch mit den Planern.

 

Gerhard Kramer, Produktmanager, Rational:

Der Energieverbrauch der Küchentechnik ist heute schon ein wichtiger Aspekt und wird sicher in den nächsten Jahren noch wichtiger werden. Trotzdem ist es weit bedeutender, dass mit Profigeräten eine optimale Speisenqualität bei kürzesten Garzeiten möglich ist. Außerdem Aspekte sind Lebensdauer, Zuverlässigkeit und Verarbeitungsqualität der Geräte von entscheidender Bedeutung bei Geräteauswahl. Die Transparenz schaffen wir damit, dass wir Planern durchschnittliche Verbrauchswerte zur Verfügung stellen, die während eines durchschnittlichen Kochzykluses gemessen werden. Außerdem informieren sich die meisten Küchenplaner regelmäßig über die Garleistung von Geräten. Und schließlich überzeugen sich Küchenplaner immer persönlich, wie zufrieden Kunden mit der Gerätetechnik sind. Letztendlich haben führende Hersteller wie Küchenplaner den gleichen Anspruch – sie möchten einen begeisterten Kunden!

 

Hansjürg Marti, Geschäftsführer, Schaerer Deutschland:

Grundsätzlich gilt: Eine Kaffeemaschine sollte stets zur Betriebsgröße, dem konkreten Einsatzbereich und den Ansprüchen der Betreiber passen. Hierbei ist neben der Tassenleistung beispielsweise der Funktionsumfang entscheidend. Es kommt darauf an, den bestmöglichen Kompromiss zwischen den Wünschen der Konsumenten und den eigenen Anforderungen hinsichtlich Betriebs- und Reinigungsaufwand oder Investitionssumme zu finden. Die Betrachtung des Energieverbrauchs kann dabei durchaus das Zünglein an der Waage sein, wenn alle anderen relevanten Auswahlkriterien von mehreren Modellen gleichermaßen erfüllt werden. Die „harten“, also messbaren Parameter unserer Produkte sind für Interessenten vielfach abrufbar – sei es über Datenbanken wie die des HKI, unsere Broschüren, Datenblätter oder die Webseite. Darüber hinaus suchen wir jedoch auch regelmäßig den Kontakt zu Planern oder Kunden zum Informationsaustausch. Gerade die Servicementalität spielt in diesem Zusammenhang in meinen Augen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Schaerer stellt hier traditionell sehr hohe Qualitätsansprüche an sich selbst und bietet neben dem technischen Know-how im Umgang mit den Kaffeemaschinen auch tiefgreifendes Wissen zur Kaffee- und Milchzubereitung, was viele unserer Partner und Kunden zu schätzen wissen.

 

Frank Gölthenboth,Leiter Entwicklung Kaffeemaschinen und Mitglied der Geschäftsbereichsleitung, WMF:

Die HKI Cert-Datenbank erlaubt den Herstellern, auch die Ausgabeleistung ihrer Produkte nach standardisierten Vorgaben zu veröffentlichen (vgl. auch Normverbrauch bei PKWs). Dies hilft unseren Kunden wiederum bei der Produktauswahl, denn ohne ein standardisiertes Messverfahren ist ein ehrlicher Vergleich nicht möglich. Zug um Zug wird zumindest ein Teil der Hersteller die Angaben zu Energieeffizienz und Stundenleistung nach DIN 18873-2 (Methoden zur Bestimmung des Energieverbrauchs von Großküchengeräten – Teil 2: Gewerbliche Getränkebereiter) in die Verkaufsunterlagen und technischen Daten übernehmen. Dann sind aus unserer Sicht die letzten wesentlichen Voraussetzungen für objektive Vergleichbarkeit geschaffen.

Dies wird jedoch nichts daran ändern, dass ein qualifiziertes Beratungs- und Verkaufsgespräch erforderlich ist. Es gibt noch eine Reihe von „weichen“ Kriterien (wie z.B. die Eignung einer Maschine für die Selbstbedienung), die bei der Maschinenauswahl berücksichtigt werden sollten.

 

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