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Im Brandfall sicher

Datum: 13.05.19Quelle: Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit | Foto: Arny Mogensen on Unsplash | Rocketpixel/Freepik || Ort: München |

Wenn es im Betrieb brennt, kann das rechtliche Folgen für den Betreiber nach sich ziehen. Vor allem dann, wenn das Brandschutzkonzept nicht ordnungsgemäß umgesetzt ist. Doch was gibt es dabei zu beachten?

Individuelle Brandschutzkonzepte sind für jede Art von Gebäude verpflichtend, seit im Jahr 2000 die brandschutztechnische Bauvorlagenverordnung deutschlandweit eingeführt wurde. Viele Einrichtungen und Betriebe führten ein entsprechendes Konzept nachträglich ein. Der TÜV Nord warnt, dass es häufig falsch oder nur unzureichend umgesetzt wurde – Schuld daran ist mangelndes Verständnis. Die Folge: Das Risiko eines Brandes steigt und kann ernste Konsequenzen für den Betreiber haben. Für viele Brände sind fehlerhafte elektrische Installationen, Überhitzung oder menschliches Fehlverhalten die Ursache. „Ein korrekt erstelltes und umgesetztes Brandschutzkonzept könnte diese Ursachen drastisch reduzieren. Die notwendige Schulung der Mitarbeiter scheint für viele Unternehmer aber in erster Linie Kosten ohne direkt sichtbaren Mehrwert zu bedeuten. Hier liegt das größte Problem“, beschreibt Wolfgang Friedl, beratender Ingenieur für Brandschutz und Referent der TÜV Nord Akademie, die Situation.

Umsetzung zwingend notwendig

Grundlage für ein Brandschutzkonzept sind mehrere gesetzliche Verordnungen, darunter die Bauvorlagenverordnung, das Arbeitsschutzgesetz, die Betriebssicherheitsverordnung und diverse andere. Sie alle beinhalten Maßnahmen, die eine Brandentstehung und -ausbreitung verhindern und deren Folgen möglichst geringhalten können. Der Aufbau ist, mit Ausnahme weniger Einzelfälle, in der Regel gleich strukturiert: Zu Beginn steht die Gebäudebeschreibung mit Informationen zu den Nutzungen, Abmessungen und den verwendeten Materialien. Basierend darauf schließt sich die baurechtliche Einordnung an. Hier werden genehmigungspflichtige Abweichungen, Angaben zu Sonderbauten und Ähnliches dokumentiert. Passend zum jeweiligen Gebäude werden am Ende jedes Brandschutzkonzepts bauliche, anlagentechnische und organisatorische Brandschutzmaßnahmen festgelegt. Ausschließlich Fachplaner, wie Bauingenieure, Feuerwehrleute des gehobenen Dienstes oder Brandschutzingenieure sind befugt, ein entsprechendes Konzept zu erstellen und bei der Baubehörde einzureichen.

Sobald ein Brandschutzkonzept erstellt wurde, ist der Betreiber verpflichtet, die darin festgelegten Brandschutzmaßnahmen auch umzusetzen. Falls er dies nicht tut, kann es sich bereits um eine Ordnungswidrigkeit handeln. Kommt es dann bei einem Brand zu einem Personenschaden, könnte er sogar wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung angeklagt werden, da er seiner Garantenstellung als Betreiber nicht nachkam.

Garantenstellung: Wer nichts unternimmt, um eine vermeidbare Gefahr zu verhindern, macht sich strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat, dass der Tatbestand nicht eintritt. Diese Verpflichtung zum Tätig-werden wird als Garantenpflicht bezeichnet. Der Betreiber einer Gastronomie tritt somit in die Garantenstellung.

Schulung der Mitarbeiter

Zudem müssen alle Mitarbeiter jährlich auf die Brandschutzordnung, die aus dem Brandschutzkonzept entsteht, unterwiesen werden. Das richtige Verhalten und der Umgang mit Lösch- und Hilfseinrichtigung muss durch geeignete Ausbilder – im Auftrag des Arbeitgebers – geschult werden. Die Unterweisung sollte tunlichst mit einer entsprechenden Löschübung verbunden werden. Das Brandschutzkonzept legt außerdem fest, welche Löschmittel z. B. in einer Küche vorhanden sein müssen – hier ist wieder der Betreiber gefragt, diese bereitzustellen. Als Präventivmaßnahme für einen sicheren Umgang mit Brandschutzkonzepten bietet die TÜV Nord Akademie Seminare an, z. B. für Brandschutzbeauftrage, Brandschutz- oder Räumungshelfer oder auch Workshops wie „Maßnahmen gegen Brände“.

Hotline für Fragen

Für Problemfälle und Unklarheiten bietet der Dehoga Bayern in einer Kooperation mit dem Werkfeuerwehrverband Bayern eine Hotline sowie eine E-Mailadresse. „Diese Angebote werden auch durchaus gut angenommen. Zwar ist die Spitze der Anfragen gelöscht, aber es besteht weiterhin Bedarf“, weiß Frank-Ulrich John, Geschäftsführer Kommunikation des Dehoga Bayern. Das größte Problemfeld ist für ihn die Übernahme alter Betriebe. Früher sei oft angebaut und aufgestockt worden, die Genehmigungen dafür gingen im Laufe der Zeit verloren. „Ohne den Nachweis, dass der An- oder Aufbau genehmigt worden ist, stellen diese Bauten faktisch Schwarzbauten da. Und für diese gilt dann der Bestandsschutz nicht“, erklärt er. Für diese Einzellfälle fordert der Dehoga individuelle Lösungen. Der Brandschutz müsse mit gesunden Menschenverstand angegangen werden.

Doch egal, ob nun Übernahme oder Neubau: Ein Brandschutzkonzept zu haben und dies umzusetzen ist die Pflicht eines jeden Betreibers. Regelmäßige Mitarbeiterschulungen und -einweisungen helfen zudem, die Lage im Ernstfall zu entspannen und sowohl die Gäste, als auch die Mitarbeiter zu schützen. Denn nur wenn das Personal ruhig bleibt und sich richtig verhält, können auch die Gäste beruhigt werden und somit der Brandfall hoffentlich ohne Personenschaden überstanden werden.

Eva Fürst / Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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