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Der Aufsteiger

Datum: 10.10.2013Quelle: MKG Hospitality

Wo steht der deutsche Hotelmarkt in Europa? Was läuft hierzulande besser und schlechter? Der European Hospitality Report 2013 von MKG Hospitality klärt auf.

Das kontinentale Europa ist aufgrund seines Zimmerangebots der größte Hotelmarkt weltweit. Allein in der EU gibt es insgesamt 145.000 Hotels und 5,4 Mio. Zimmer, wobei sich das Hauptangebot auf die fünf Länder Italien, Deutschland, Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich konzentriert. Das konstatiert der European Hospitality Report 2013 von MKG Hospitality, in dem 222 Hotelgruppen, 325 -ketten und 74 -kooperationen in der EU sowie 65 Hotelgruppen, 102 -ketten und 28 -kooperationen in Deutschland berücksichtigt wurden. Die Ketten stellen danach zum 1. Januar 2013 in der EU 1,5 Mio. Zimmer in 12.600 Hotels, was einem Marktanteil von 28 % entspricht. Dominiert von den Segmenten Midscale und Upscale, vollzieht sich in ihrem Bereich derzeit eine Dynamik in der Entwicklung der Segmente Budget und Economy, die einen Zuwachs von über 20.000 Zimmern verzeichnen. Accor, die ihre Marken neu unter die Flagge des Mega-Brands Ibis gestellt haben, bleibt die Hauptgruppe in der EU mit über 255.000 Zimmern, vor Best Western und IHG. Als dynamische Marken im Jahr 2012 gelten zudem Premier Inn sowie Travelodge, die weiterhin ihr Netzwerk im Vereinigten Königreich erweitern und somit eine Veränderung des Angebotsumfangs im Budgetsegment vorantreiben.

Doch bei aller Dynamik: Insgesamt ist die Hotelindustrie in Europa von der Konjunkturabschwächung auf dem Kontinent erfasst worden. Die Belegungsrate ging 2012 zurück, und eine leichte Erhöhung des RevPAR von +0,4 % in der EU ist durch die Erhöhung des Durchschnittspreises zu erklären. Zugleich nehmen die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern in Europa zu. Während die Performance der Hotelindustrie im südlichen Europa einen Rückgang erlebt, vollzieht sich in den westlichen und nördlichen Ländern eine positive Entwicklung. Gerade Deutschland und UK konnte die europäische Wirtschaftskrise nichts anhaben. Im Vereinigten Königreich lag die Belegungsrate weiterhin sowohl in London als auch in den umliegenden Regionen hoch. Unterstützt wird dies dort durch das schnelle Wachstum der Kettenhotellerie im Economy-Segment. Die Belegungsrate und der Durchschnittspreis, beide höher als der europäische Durchschnitt, haben sich 2012 auf diese Weise positiv entwickelt.

Frankreich nimmt durch die Senkung der Nachfrage und der gleichzeitigen Steigerung des RevPARs eine Zwischenstellung ein. Während in Paris eine besonders hohe Belegungsrate zu beobachten ist, geraten gerade die ländlichen Destinationen immer mehr unter wirtschaftlichen Druck. In Italien hat sich die Performance 2012 negativ entwickelt, indem seit fünf Jahren in Folge die Preise und der RevPAR fallen und die Performance Italiens auf den europäischen Durchschnitt absinkt. Eine wartende Position haben die spanischen Hotelbetreiber eingenommen: Nach Jahren eines Wachstums des Hotelangebots, welches dem Immobilienboom folgte, führt die schwächelnde Nachfrage zu niedrigen Belegungsraten und zu einem Rückgang der Hotelperformance. Lediglich Barcelona entwickelt sich eigenständig in eine andere Richtung.

Ketten legen zu

Der deutsche Markt ist weiterhin von inländischen Touristen dominiert, die nicht weniger als 82 % der Übernachtungen in Deutschland ausmachen. Das verdeutlicht der Hotellerie Report 2013 für die deutsche Hotelindustrie, den MKG Hospitality zum zweiten Mal als Teilbericht des European Hospitality Report 2013 herausgegeben hat. Doch zugleich stieg in den ersten elf Monaten des Jahres 2012 die Zahl der Übernachtungen internationaler Besucher um 8,1 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der internationale Tourismus ist in Deutschland besonders von Besuchern aus den Niederlanden geprägt, gefolgt von Russland, den USA und UK. Zudem wächst die Zahl der Besucher aus Osteuropa, insbesondere aus Russland (+18 %) und der Ukraine (+22,2 %). Bis 2015 wird schließlich China als der wichtigste asiatische Quellmarkt für den Tourismus in Deutschland gelten. Entsprechend steigt auch das Hotelangebot: Seit 2009 ist die Zahl der Zimmer um 8,6 % gestiegen (+62.300 Zimmer), womit Deutschland derzeit eine weitaus stärkere Dynamik hinsichtlich der Angebotsentwicklung erlebt als die anderen europäischen Länder. Laut MKG Hospitality wird dabei das Gesamtangebot vor allem durch die starke Positionierung der Budget- und Economy-Segmente geprägt.

Im Bereich Kettenhotellerie platziert sich Deutschland mit seinem Angebot in Europa hinter Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Spanien. Die 222.000 vorhandenen Zimmer machen 15 % des Gesamtangebots der Kettenhotellerie in Europa aus und stillen vor allem die hohe Nachfrage während Messen. Die durchschnittliche Kapazität der Kettenbetriebe in Deutschland liegt dabei bei 155 Zimmern, was rund sechsmal mehr als bei den unabhängig geführten Hotelbetrieben ist und 35 mehr Zimmer als der europäische Durchschnitt umfasst. Bleibt der Marktanteil mit 28,4 % niedriger als in vergleichbaren Ländern Westeuropas, so ist er in den letzten fünf Jahren bereits um 2,6 Punkte gestiegen. Allein seit 2000 verzeichnete das Angebot einen Zuwachs von 43 %. 2012 hat sich das Angebot der Kettenhotellerie um 3,4 % erhöht und wächst damit bedeutend schneller als im Rest Europas. Die Segmente Midscale und Upscale stellten 2012 82 % des Gesamtangebots (+3,1 %). Budget und Economy stiegen um 4,7 % (+1.800 Zimmer). Accor bleibt führender Anbieter auf dem deutschen Markt mit über 44.000 Zimmern und einem Zuwachs von fast 400 Zimmern (+0,9 %), gefolgt von Best Western (+2,3 %) und IHG. Auch Motel One erhöhte 2012 weiter seine Zimmeranzahl (+8,2 %). Doch insgesamt bleibt die Angebotsverteilung in Deutschland im Vergleich weniger konzentriert als in anderen europäischen Ländern.

Das Jahr 2013 läuft

Die Belegungsrate in Deutschland lag in der Vergangenheit immer unter dem europäischen Durchschnitt. 2012 änderte sich dies, indem sie mit 66,3 % den höchsten Wert seit 2000 erlangte. Der Durchschnittspreis (inkl. MwSt.) ist in Deutschland zwar gestiegen, konnte jedoch nicht das Niveau von 2008 erreichen. Die hohe Senkung der Mehrwertsteuer von 19 % auf 7 % im Jahr 2010 beschränkt zumindest mittelfristig das Wachstum des Preises (unter Einbezug der Mehrwertsteuer). 2012 lag der Durchschnittspreis (inkl. MwSt.) bei 93,20 € (+ 4 % im Vergleich zum Vorjahr) – bei einem durchschnittlichen Anstieg von 1,5 % in Europa. Trotz Senkung der Mehrwertsteuer, verzeichnete die deutsche Hotelindustrie 2012 den höchsten RevPAR (61,80 €) in den letzten zehn Jahren. Der RevPAR (inkl. MwSt.) ist in Deutschland seit 2009 um 17,4 % gestiegen und somit höher als der RevPAR (inkl. MwSt.) in Europa (14,5 %). Dieser Trend ist besonders auf die gute Performance im Jahr 2012 zurückzuführen, indem ein schnelleres Wachstum (+5,5 %) als im Vorjahr verzeichnet werden konnte. Das Niveau des RevPARs (inkl. MwSt.) von 2008 konnte 2012 erreicht und sogar übertroffen werden. Alle Segmente erlebten in Deutschland seit 2009 ein starkes Wachstum – sogar ein höheres Wachstum als der europäische Durchschnitt, wobei der größte Zuwachs im Midscale-Segment zu finden ist (+20,1 %). Das allgemeine Wachstum des RevPARs ist insbesondere auf die erhöhte Belegungsrate in allen Segmenten zurückzuführen. Eine Besonderheit auf dem deutschen Hotelmarkt liegt in den starken Schwankungen der Durchschnittspreise über das Jahr hin betrachtet. Die hohe Variabilität bei den Preisen ist den temporären Kongressen und Messen, zuzuordnen.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Konjunktur steht das deutsche Gastgewerbe besser da als seine europäischen Nachbarn, besonders dank des hohen Niveaus der Durchschnittspreise. Beim Blick auf das laufende Jahr verbuchte das deutsche Beherbergungsgewerbe in den ersten fünf Monaten mehr Übernachtungsgäste denn je. 91,4 Mio. und damit 1,1 % mehr haben im Vergleich zum Vorjahr in Hotels, Hotels garnis, Gasthöfen und Pensionen übernachtet. Mit einem Plus von 4,2 % stieg die Anzahl der Übernachtungen ausländischer Gäste in der Hotellerie erneut deutlich stärker als die inländischer Gäste (+0,2 %). Jedoch konnten die Umsätze des Beherbergungsgewerbes mit den gestiegenen Übernachtungszahlen nicht Schritt halten, so dass hier inflationsbereinigt ein Rückgang um 2,2 % verzeichnet wurde.

Positive Zahlen für die deutsche Hotellerie meldet die Bundesagentur für Arbeit: Von Dezember 2011 bis Dezember 2012 entstanden 7.257 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, was einem Anstieg von 2,8 % entspricht (Gesamtwirtschaft +1,2 %). „Die deutsche Hotellerie hat die Senkung der Mehrwertsteuer erfolgreich genutzt“, betonte Fritz G. Dreesen, Vorsitzender des Hotelverbandes Deutschland (IHA), bei der Verkündung des IHA-Hotelkonjunkturbarometers Sommer 2013 im August. „Das erneut deutliche Plus an Übernachtungen ausländischer Gäste belegt unsere international verbesserte Wettbewerbsposition und die Attraktivität unseres Preis-Leistungsverhältnisses.“ Auch bei den hotelspezifischen Kennziffern konnten insgesamt Zuwächse erreicht werden. Die Hotellerie in Deutschland erzielte in den ersten sechs Monaten laut STR Global eine durchschnittliche Zimmerauslastung von 64,2 % (+0,8 %) und steigerten ihren RevPAR um 1,2 % auf 61 E gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Netto-Zimmerpreis blieb mit 95 € nahezu konstant (+0,4 %). Besonders die Hotellerie in deutschen Großstädten konnte im ersten Halbjahr ihre Zimmerauslastung um 1,7 % auf 68,1 % verbessern und die durchschnittlichen Netto-Zimmerpreise um 0,9 % erhöhen, während die Auslastung der Hotellerie in mittleren und kleineren Städten um 2,1 % bzw. 0,5 % zurückging. Auch die durchschnittlichen Zimmerpreise sanken in mittleren Städten um 0,7 %, in kleineren Städten um 1,6 %. Insgesamt scheint der Trend nach bisherigen Beobachtungen nicht in den nächsten Monaten abzuebben. Doch die Beschlüsse der neuen Regierung nach der Bundestagswahl im September in Deutschland werden zeigen, inwiefern sich die Branche ggf. auf neue Umstände wie eine Rücknahme der Mehrwertsteuerreform einstellen muss.

Foto: © peshkova / Fotolia.com
Gafiken: MKG Hospitality © first class

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