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„Wir schaukeln das ganz gut“

Datum: 25.09.2020Quelle: Rebional Ort: Herdecke

Die meisten Caterer in Deutschland haben − je nach Ausrichtung − seit Beginn der Corona-Pandemie Umsatzeinbußen von 30 bis 100 Prozent.  Dies gilt insbesondere für alle, die sich auf Events, Schulen und Kitas spezialisiert haben. Ungefähr 85 Prozent der Mitarbeitenden befinden sich seit Monaten in Kurzarbeit. Gekündigt wurden deutschlandweit bisher rund zwanzig Prozent – eine beängstigende Entwicklung. Und doch gibt es Unternehmen, die ohne staatliche Unterstützung und Kündigungen auskommen. Rebional steuert mit Ruhe und neuen Konzepten durch den Sturm. Klaus Richter und Oliver Kohl aus der Unternehmensleitung erklären im Interview, wie das geht.

Wie gut hat Rebional die Coronakrise bisher überstanden?

Oliver Kohl: „Wir haben frühzeitig Maßnahmen eingeleitet und sehr schnell ein Pandemie-Konzept entwickelt, Kurzarbeit angewendet und vor allem ganz intensiv mit unseren Mitarbeitenden ehrlich sowie klar kommuniziert. Von daher haben wir bisher die Krise relativ gut gemeistert.“

Klaus Richter: „Als wir plötzlich von jetzt auf gleich in unserer Zentralküche in Herdecke von 6.500 Essen auf 400 pro Tag oder in Hamburg von 5.800 Schulessen auf 0 runtergefahren sind, war das natürlich erst mal heftig und eine Art Schockzustand. Wir waren der Situation einfach gnadenlos ausgeliefert und konnten nur noch wenig steuern. Wir konnten uns aber schnell fangen und legten ganz klar ein Ziel fest: keine Kündigungen und dafür einfach alle Hebel in Bewegung setzen. Und das klappt bis heute: Wir mussten niemanden entlassen und brauchten keine zusätzlichen Staatshilfen in Anspruch nehmen.“

Wie gehen Sie mit dem Umsatzverlust um?

Klaus Richter: „Verlorenen Umsatz in der Gastronomie holt man nie wieder auf, aber wir haben versucht, mit neuen Konzepten neuen Umsatz zu generieren. Aber das reicht natürlich nicht. Deswegen ging es sehr um Einsparungen und Umdenken. Wir haben darum gebeten, Mieten zu senken oder zu stunden, die Kurzarbeit wurde bei fast allen Mitarbeitenden – auch in der Unternehmensleitung – eingeführt. Was wir aber von vornherein ausgeschlossen haben: zu Lasten der Qualität unseres Essens zu sparen.“

Warum gibt es keine Kündigungen?

Oliver Kohl: „Mitarbeitende sind in andere Bereiche gegangen: Küchenmitarbeitende haben Rezeptionsdienste, Grünanlagen-Pflege, Unterhaltsreinigung oder Maskenkontrolle vor Ort in unseren Betrieben übernommen. Die Bereitschaft dazu ist natürlich auch nicht selbstverständlich, aber das hat super funktioniert.“

Klaus Richter: „Außerdem haben unsere knapp 200 Mitarbeitenden und wir in der Unternehmensleitung freiwillig einen Urlaubstag gespendet. Das fanden wir wirklich toll. Diese Maßnahmen und das Kurzarbeitergeld haben Kündigungen verhindert.“

Wie werden Sie das Unternehmen für die nächsten Monate stärken?

Klaus Richter: „Wir entwickeln weiterhin neue Produkte und Dienstleistungen, die zu unserer Unternehmensphilosophie passen. Ein sehr spannendes Projekt wird gerade geprüft und unser neuer Lieferservice für Einzelportionen läuft auch ganz gut. Wir haben gottseidank tolle Bestandsbetriebe, die uns treu bleiben. In Hamburg sind die Essenszahlen sogar derzeit höher als vor Corona. Einzig Krankenhaus- und Seniorenheim-Cafeterien schwächeln noch ziemlich − aber auch da werden wir durch kreative Herangehensweise eine bessere Lösung finden.“

Welche neuen Ansätze haben sich durch Corona ergeben?

Oliver Kohl: „Seit jeher sind Home-Office, digitale Meetings und flexible Arbeitszeiten bei uns Normalität. Das bleibt auch so, denn hier spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle für uns: Emissionen und Ressourcen sparen, Stress im Team reduzieren, familienfreundlich agieren. Durch Corona wurde unser Anspruch an Nachhaltigkeit nur noch verstärkt, denn das macht uns aus.“

Was wünschen Sie sich von der Regierung für die Zukunft?

Klaus Richter: „Gerade zu Beginn der Krise hat die Politik die Gastronomen inklusive der Gemeinschaftsverpflegung bei den Förderpaketen schlichtweg vergessen. Es wurde zwar nachgesteuert, aber die gesamte Gastro-Branche leidet natürlich extrem − und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Wir fragen uns: Was sind die Konzepte für 2021? Außerdem haben wir erlebt, dass die Prozesse der Behörden nach wie vor recht schwerfällig sind und die Struktur des Kurzarbeitergeldes nicht für jeden verständlich ist. Das könnte wirklich verbessert werden. Trotzdem wurde rückblickend doch sehr schnell und besonnen gehandelt. Aber am Ende weiß man natürlich immer mehr.“

Fazit

Oliver Kohl: „Die letzten Monate haben uns als Unternehmen extrem zusammengeschweißt. Darauf sind wir sehr stolz. Schimpfen hilft nicht viel, wir müssen alle Geduld haben und Ruhe bewahren“.

Klaus Richter: „Wir sind dankbar und glücklich, dass die gesamte Mannschaft an einem Strang gezogen hat. Das ist nicht selbstverständlich und hat uns für die Zukunft gestärkt.“

 

Redaktion Gastroinfoportal

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