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Für Maria Hohenhausen und Edith Roebers ist das Gastgewerbe die schönste Branche der Welt. Mit ihrer Wirteschule wollen sie auch andere davon überzeugen.

„Wer was wird, wird Wirt!“

Datum: 10.08.2020Quelle: Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit; Bilder: Die Wirteschule | Ort: München

Die Gastronomie ist mitunter kein Zuckerschlecken. Nicht immer wird leistungsgerecht bezahlt, die Arbeitszeiten sind schwierig mit Familie und Freizeit in Einklang zu bringen und die Arbeit an sich ist körperlich hart und oftmals psychisch herausfordernd. Trotzdem ist das Gastgewerbe für die Gründerinnen der Wirteschule, Maria Hohenhausen und Edith Roebers, die schönste Branche der Welt. Den Satz „Wer nichts wird, wird Wirt!“ können die beiden deshalb nicht bestätigen. Trotzdem ist dieser Satz der fortwährende Beweis dafür, dass die Branche trotz aller Bemühungen immer noch kein sonderlich hohes Ansehen in der Gesellschaft genießt.

Maria Hohenhausen und Edith Roebers glauben, dass das Motto „Wer was wird, wird Wirt! Wir wissen wie!“ mit einem Vorurteil spielt, das man nicht totschweigen darf.

Die Wirteschule stellt sich vor

Wir haben mit den beiden über das Konzept der Wirteschule, das (noch) negative Image der Branche und mögliche Zukunftsvisionen gesprochen.

Edith Roebers hatte ihren ersten Job in der Gastro mit 14 Jahren in einer Frittenbude in ihrer Heimat Holland.

 Edith, was verbirgt sich hinter eurer Wirteschule?

Edith: Die Wirteschule ist eine Beratungsagentur für das Gastgewerbe. Wir unterstützen berufserfahrene Wirte und Hoteliers, aber auch Gründer und Branchenneulinge dabei, erfolgreich zu werden. Marias Steckenpferde sind alle Fragen rund ums Marketing, Social Media und Personalrecruiting, während ich mich um die betriebswirtschaftlichen Themen kümmere.

Zusätzlich bieten wir in unserer Akademie qualifizierte Fachseminare und Online-Kurse an.

Und welches Ziel verfolgt ihr?

Edith: Wir finden, dass dem Gastgewerbe sehr oft ein negatives Image angedichtet wird. Es gibt natürlich wie in jeder Branche schwarze Schafe, aber ein erfolgreicher Wirt oder Hotelier zu sein, ist eine echte Herausforderung. Wir möchten uns den Betrieben und Menschen zuwenden, die von ganzem Herzen Gastgeber sind. Wir glauben, dass man die Branche nur attraktiver machen kann, wenn die Menschen, die in ihr arbeiten, mit Herz und Sachverstand dafür einstehen.

Maria Hohenhausen studierte eigentlich Jura, jobbte nebenbei in der Gastro und fand so ihre Berufung.

Wie wollt ihr dieses Ziel erreichen?

Maria: Wir glauben daran, dass man vor allem ein Verständnis für die vielseitigen Herausforderungen schaffen muss, denen sich ein Gastronom täglich gegenübersieht. Es ist schlichtweg falsch, dass man keinerlei Qualifikation braucht, um im Gastgewerbe zu arbeiten. Wir beide haben den mitunter harten Weg der Ausbildung hinter uns, haben für unseren Erfolg gearbeitet; wir wissen, wovon wir reden und kennen Wohl und Weh des Gastronomen aus allen Blickwinkeln.

Ihr habt das schlechte Image der Branche bereits angesprochen, wie geht ihr persönlich damit um?

Maria: Als wir uns zusammensetzten, um unsere CI zu entwickeln, war einer der wichtigsten Punkte: Wir wollen dabei helfen, die Branche wieder attraktiv zu machen. Als ich vor fast einem Jahrzehnt von der Juristerei auf die Gastronomie umgesattelt habe, hielt sich die Begeisterung meines Umfeldes in Grenzen. Alle waren sich sicher, dass ich mir meine Zukunft mit so einer „brotlosen Arbeit“ nur verbaue. Immer wieder traf ich gerade zu Beginn meiner Karriere als Servicekraft auf überhebliche Gäste, die mir zu verstehen gaben, dass ich an meinem Beruf doch „selber Schuld sei“. Das Vorurteil „Wer nichts wird, wird Wirt“ hält sich eben hartnäckig. Daran wollen wir arbeiten und dabei helfen, Gastronomen für eine erfolgreiche Karriere in der schönsten Branche fit zu machen, denn Erfolg bringt Kritiker erfahrungsgemäß am besten zum Schweigen.

Edith: Die geringe Einstiegshürde in die Branche hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Quereinsteiger (mit wenigen Ausnahmen) ihr Unwesen treiben konnten. Hinzu kam, dass viele Arbeitgeber ihre Teammitglieder nicht gut behandelt haben. Aber auch gesellschaftlich hat sich vieles verändert: viele Menschen essen heutzutage mehrfach pro Woche außer Haus, haben dabei aber einen geringen Anspruch.

„Alles in allem wissen wir, dass Gastronomen sehr gute Unternehmer sein müssen und viel mehr Wertschätzung verdienen.“

Gott sei Dank ändert sich viel: Wir erleben viele junge Menschen, die Lust haben, andere Menschen zu verwöhnen – mit gutem Essen und Trinken, aber auch mit „Quality-Time“. Wir unterstützen sie dabei, strategisch an ihre Unternehmensgründung heran zu gehen. Dabei spielt es keine so große Rolle, ob sie Profis oder Quereinsteiger sind. Und die Wirte, die schon lange im Geschäft sind, unterstützen wir dabei, sich persönlich, aber auch ihr Unternehmen weiterzuentwickeln, um den neuen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und den wachsenden Qualitätsansprüchen der Gäste gerecht zu werden.

Alles in allem wissen wir, dass Gastronomen sehr gute Unternehmer sein müssen und viel mehr Wertschätzung verdienen.

Wie entstand die Idee zur Wirteschule?

Edith: Wir haben uns im Jahr 2015 im Dehoga-Förderverein für Aus- und Weiterbildung kennen gelernt. Wir verstanden uns gleich gut und blieben in Kontakt. Mitte 2019 trafen wir uns für ein Interview für Marias Podcast und da knisterte es gewaltig. Schnell war klar, dass sich unsere Vorstellungen deckten und wir sie als Team besser erreichen können.

Was würdet ihr euch für das Gastgewerbe der Zukunft wünschen?

Edith: Ich würde mir wünschen, dass wir als Branche selbstbewusster werden und uns besser verkaufen. Es sollte für unsere Gäste selbstverständlich sein, den Wert von einem Besuch im Restaurant angemessen zu bezahlen. Außerdem würde ich mir wünschen, dass das Arbeitszeitgesetz flexibler wird. Es ist schlecht, wenn in einer so anstrengenden und entbehrungsreichen Branche vom Mitarbeiter nicht selbst entschieden werden kann, wie viel und wann er arbeiten möchte und kann. Das demotiviert.

Maria: Ich würde mir auch wünschen, dass Dumpingpreise keine Chance mehr haben. Aber gerade in der Coronakrise hat man viele Verzweiflungstaten beobachten könne. Da wurde aus Angst beispielsweise das Schnitzel weit unter Wert verkauft. Das ist meiner Meinung nach aber der falsche Ansatz: Es wird schwierig, dem Gast nach der Krise einen höheren Preis aufzubürden und man zieht sich dann auch einfach die falsche Klientel heran. Essen kostet. Gutes Essen kostet mehr. Als erstes muss das der Wirt verstehen – sonst kann es nicht beim Gast ankommen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Versuchsküche in Planung

Übrigens: Maria Hohenhausen und Edith Roebers haben für ihre Wirteschule gerade ein besonderes Highlight in der Planung: Die Versuchsküche. Dahinter verbirgt sich eine vollausgestattete Location, in der Gründer ihr Konzept für zwei bis drei Monate auf Herz und Nieren testen können. „Nach dieser Zeit haben sie wertvolles Wissen über ihre Fähigkeiten als Gastgeber gesammelt, wissen, an welcher Stelle es noch hakt und haben fundierte Zahlen, mit denen sie Investoren und Banken überzeugen können“, so der Gedanke der beiden Gründerinnen. Mehr Infos dazu gibt es auf der Website.

Jeanette Lesch / Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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