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Geld im Sparschwein gesichert durch Kette und Schloss.

Versicherungsschutz bei Corona

Datum: 23.03.2020Quelle: Inhalt: hotelsicherer.de | Fotos: Colourbox.de | Ort: Berlin

Selbst wer dachte, dank Versicherungen finanziell gegen den Ausfall seines Hotel- oder Gastronomiebetriebs gewappnet zu sein, erlebt dieser Tage eine böse Überraschung. In der Praxis sieht es so aus, dass viele Betriebsunterbrechungs- bzw. Betriebsschließungsversicherungen nicht leisten. Der Teufel steckt – wie üblich – im Kleingedruckten bzw. dem was ausnahmsweise nicht im Kleingedruckten steht.

Warum leistet die klassische Betriebsunterbrechungsversicherung nicht bei Corona?

  • In Sachversicherungen besteht generell ein Seuchenausschluss. Häufig sind nur die Bausteine Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel etc. versichert, in hochwertigeren Policen auch mal unbenannte Gefahren oder Allrisk.
  • Voraussetzung für eine Leistungspflicht der Betriebsunterbrechung ist aber immer ein vorausgehender bedingungsgemäßer Sachschaden am Versicherungsort. Dieser liegt mit Corona nicht vor.

Warum ist die Leistungspflicht der Betriebsschließungsversicherung wegen Seuchen nicht gesichert?

  • Hier ist das Kleingedruckte prüfen: zahlreiche Versicherer haben abschließende Aufzählungen vereinbart, die das Coronavirus noch gar nicht beinhalten. Im offenen Schreiben des BHG vom 20.3.20 an die Bayer. Staatskanzlei heißt es dazu auszugsweise: „…wir wissen, dass einige Versicherer wie die Allianz Schließungen durch Coronavirus nicht akzeptiert, weil Covid-19 nicht in den Versicherungsbedingungen steht“.
  • Seitens des Versicherers von hotelsicherer dagegen liegt eine schriftliche Bestätigung vor, dass das Coronavirus mitversichert ist.
  • Vorausgesetzt Coronaerkrankungen werden im Vertragswerk der Versicherung überhaupt ausdrücklich genannt, dann ist die behördliche Anordnung Voraussetzung für den Leistungsanspruch.
  • Im BHG-Schreiben vom 20.3. heißt es zudem: „andere Versicherungen tendieren dazu, Allgemeinverfügungen nicht zu akzeptieren, sondern erwarten Einzelschließungen für jeden einzelnen Betrieb“. Dieser Standpunkt wird auch von zwei großen Hotelmaklern vertreten. Auf Nachfrage hieß es dazu beim bayerischen Staatsministerium, Verfügungen der Länder bedürfen keiner Bekräftigung durch untere Behörden. Der Hotelmakler hotelsicherer vertritt diese Position ebenfalls.
  • Sonderfall Hotelschließung:
    Die bekannten Vertragswerke setzen voraus, dass die zuständige Behörde auf Basis IfsG beim Auftreten meldepflichtiger Krankheiten oder Erreger den versicherten Betrieb schließt.
    Doch laut der aktuellen Verfügungen aller Bundesländer (Stand 20.3.20) sieht kein einziger Erlass eine 100-prozentige Hotelschließung vor: eindeutig verboten sind Tagungen/Veranstaltungen und die Zurverfügungstellung touristischer Unterkünfte; die Beherbergung Geschäftsreisender ist jedoch erlaubt, in vielen Bundesländern unter bestimmten Vorgaben auch noch die allgemeine Gastronomie. Auch bevorstehende Schließungen der Gastronomie und Ausgangsbeschränkungen und -sperren schaffen für die Hotellerie keine eindeutigen Fakten.

Das Resümee von Versicherungsexperte Volker Begas von hotelsicherer: „Ich fürchte, dass diese Allgemeinverfügungen interessensbedingten Interpretationsspielraum zugunsten der Versicherer bieten. Ein kulantes Vorgehen ist angesichts der bundesweiten Schadensdimension und der Mitsprache von Rückversicherern nicht unbedingt zu erwarten.“

Hotel freiwillig oder teils schließen?

Riskiert man den Versicherungsschutz, wenn man weiterhin Geschäftsreisende beherbergt? Darauf kann Versicherungsexperte Volker Begas keine verbindliche Empfehlung geben, da die Versicherungsbedingungen keine Teilschließung vorsähen. Sein persönlicher Rat: „Sicherlich macht ein Hotelier auf keinen Fall etwas verkehrt, wenn er sein Haus schließt. Aber eine im Grunde dann freiwillige Schließung ist keine Garantie, dass Versicherer den Leistungsfall anerkennen.“

Besteht noch Hoffnung?

Nach Kenntnis von Volker Begas fanden mittlerweile intensive Gespräche zwischen Regierung und Versicherern statt und auch die Verbände engagieren sich in Kenntnis der beschriebenen Problematik nach besten Kräften. „Es bleibt zu hoffen, dass Lösungen zu Gunsten der Hoteliers gesucht wurden“, resümiert Volker Begas abschließend.

  • Wer zahlt, wenn Behörden Quarantäne für den Hotelbetrieb verhängen?
  • Was nützen Reisestorno-Versicherungen?
  • Mehr Fragen zum Versicherungsschutz in Hotels beantwortet Volker Begas auch in dem Beitrag Antworten zum Versicherungsschutz bei Coronavirus.

Fragen rund um das Thema Kurzarbeit beantworten wir in unserem FAQ zum Kurzarbeitergeld.

Claudia Kirchner / Redaktion Gastroinfoportal

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