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Das Team zusammenzuhalten, gewinnt im erneuten Lockdown an Bedeutung. Uwe Ochott über die Führung von Gastro-Teams in Krisenzeiten.

Kein Abstand zum Team!

Datum: 29.10.2020Quelle: B&L MedienGesellschaft, Uwe Ochott | Bilder: Colourbox, privat | Ort: Stuttgart, München

Abstandhalten lautet das Gebot der Corona-Stunde – nicht jedoch, was die Führung in Krisenzeiten angeht – wie Uwe Ochott betont. „Mitgefühl und Zuhören braucht keinen Abstand“, begründet das Vorstandsmitglied der deutschen Kniggegesellschaft, Senator im Senat der Wirtschaft und Verantwortlicher für die disziplinarische und fachliche Führung der Betriebsgastronomie eines Konzerns. Ganz im Gegenteil: „Nähe zu festigen, vielleicht neu aufzubauen und Kontakt zu halten, ist jetzt umso wichtiger, gerade in dem Moment wenn die Mitarbeiter sich in Kurzarbeit oder Homeoffice befinden!“ Er geht sogar soweit zu sagen:

„Die Wirtschaftlichkeit sollte in der momentanen Zeit nicht über einem einfühlsamen und ehrlichen Umgang als Instrument stehen.“

Denn wer nur über Zahlen schimpfe und Negativität ausstrahle, könne keine Mitarbeiter motivieren. Wie Führungskräfte stattdessen in Krisenzeiten agieren sollten, hat uns Uwe Ochott im Interview berichtet:

Uwe Ochott weiß, wie Führungskräfte in Krisenzeiten agieren sollten.

Herr Ochott, die Existenzängste vieler gastronomischer Betriebe sind aktuell groß, viele wissen nicht, ob sie einen Lockdown nochmal überstehen. Nichtsdestotrotz fordern Sie, dass Führungskräfte den Blick weg von den reinen Zahlen, hin zu den Mitarbeitern lenken sollen. Das wird mancher anders sehen …

So platt das alles klingt, aber trotz allem, muss man gerade nach vorne schauen. Irgendwann ist dieses Thema durch. Die Corona-Einschränkungen werden uns, meiner Meinung nach, nicht ewig begleiten. Ich sage ja nicht, dass man die Wirtschaftlichkeit komplett außer Acht lassen soll, doch wenn die Zahl zum fünften Mal umgedreht ist, wird sie auch nicht besser. Es ist wichtig, das Kräfteverhältnis zu beachten. Wenn ich den Mitarbeiter jetzt vergesse, wer steht mir denn dann in der Zeit danach zur loyal Seite?

Wie gelingt es Kontakt zu halten, zum Beispiel trotz Kurzarbeit?

Indem man neue Kommunikationsstrukturen und Rituale etabliert. Wichtig ist es jedoch vorab, sich das Einverständnis zu holen, den Mitarbeiter privat kontaktieren zu dürfen. Und die gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Kurzarbeit zu beachten, denn bei 100-prozentiger Stufe darf ja nicht gearbeitet werden.

Nichtsdestotrotz gibt es diverse Möglichkeiten sozusagen in der Freizeit in Kontakt zu bleiben, von einem individuellen Telefonat, über einen WhatsApp-Chat des Teams bis hin zu Videocalls. Als Führungskraft kann man so durchaus mal Impulse setzen. Beispielsweise das gemeinsame Betrachten eines YouTube-Videos über einen neuen Kombidämpfer oder Warenwirtschaftssysteme vorschlagen – mit begleitender Diskussion im Team. Im Anschluss können auch private Themen angesprochen werden: Wie geht es euch zuhause? Wie macht ihr es mit den Kindern? Hier können sich die Teammitglieder gegenseitig Ratschläge geben. Und das stärkt nebenbei das Gemeinschaftsgefühl.

Eine offene und agile Gesprächskultur über alle Ebenen gewinnt an Bedeutung. Wie erzeugt man eine solche Dynamik trotz der örtlichen und vermehrt auch emotionalen Distanz, und entsprechend lethargischer Stimmung?

Ein schlaues Kind hat mal zu einem bekannten Psychologen gesagt: Motiviere nicht mich, sondern motiviere dich! Das bedeutet, aktuell ist es an den Führungskräften, sich zu beweisen; all das hervorzukramen und anzuwenden, was sie auf  teuren Schulungen gelernt haben; das Erlernte so zu platzieren, dass sich die Mitarbeiter gestärkt und motiviert fühlen. Dazu gehört zum Beispiel auch alte Ideen von Mitarbeitern wieder auf die Agenda zu setzen und zu betrachten.

Ohne gegenseitige Unterstützung können wir uns nicht entwickeln. Dabei ist die Weiterentwicklung aktuell elementar! Wir müssen neue Ansätze zulassen und ihnen Raum und Zeit geben, um gemeinsam im Team – dynamisch – ausgefeilt zu werden. Mut-Ausbruch statt Wut-Ausbruch lautet die Devise!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Tipps für eine wertschätzende Führung in Krisenzeiten

  1. Verlässliche Kommunikation und Rituale etablieren
  • Einverständnis der Mitarbeiter zu privater Kontaktaufnahme abfragen
  • Digitaler Austausch im erweiterten Team per Skype, FaceTime, Telefonie, WhatsApp-Chatgruppe
  • Persönliche Kaffeepause mit einzelnen Mitarbeitern per Videocall
  • Rücksprachen auch mal an der frischen Luft
  1. Aktives Gemeinschaftsgefühl durch Werte im Umgang miteinander
  • Gut zuhören, Ehrlichkeit, Wertschätzung und Respekt als Ritual für jeden Tag
  • Vertrauen neu definieren: Vertrauen beginnt da, wo Kontrolle aufhört – und dazu zählt auch das Arbeiten im Homeoffice; unter Misstrauen durch Führungskräfte leidet die Mitarbeiterbindung
  • richtigen Moment erfassen
  • Körpersprache mehr einsetzen
  1. Analoge und digitale Werkzeuge zur Bindung nutzen
  • Anteilnahme, Gespräche auf persönlicher Ebene
  • Messenger-Dienste für Gruppenchats und die schnelle und breite Information
  • Skype, Zoom o. ä. nutzen, um durch die Videoübertragung stärkere Nähe zu erzeugen und um Emotionen besser zu transportieren
  1. Kurzarbeit zur Qualifizierung nutzen
  • Webinare oder Präsenzschulungen
  • Gezielte Vorauswahl interessanter Youtube-Beiträge oder Podcasts
  • interaktive Gruppendiskussionen
  • Homeoffice und Digitalisierungsvorgänge festigen, überarbeiten und anpassen

Uwe Ochott hat sich auch kritisch zum zweiten Lockdown für Gastro-Betriebe geäußert. Warum er den Verbänden Versagen vorwirft, und wie er sich und sein Team rüstet, lesen Sie hier.

Claudia Kirchner / Redaktion GVMANAGER

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