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Das DNSV hat bei einigen Verantwortlichen aus der Schulverpflegung nachgehakt, wie sich die aktuelle Situation in ihren Küchen gestaltet: René Karsten, Anja Köchermann, Stefan Gerhardt und Uwe Sachse stehen Rede und Antwort.

SV-Verantwortliche äußern sich zur Krise

Datum: 08.05.2020Quelle: B&L Mediengesellschaft; Bilder: Michael Polster, privat | Ort: Berlin

Auch der Verein Deutsches Netzwerk Schulverpflegung e.V. (DNSV), welcher in der ganzen Bundesrepublik Deutschland tätig ist, bekommt die Folgen der Coronakrise mit. Immerhin steht er im engen Austausch mit seinen Mitgliedern und vertritt deren Interessen. Erst kürzlich wendete sich Dr. Michael Polster, Vorsitzender des DNSV, in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer, um an diese bzgl. der prekären Lage der Kita- und Schulcaterer zu appellieren (gastroinfoportal.de berichtete am 23. April 2020).
Aber wie gestaltet sich die Lage in der Branche eigentlich? Welche Auswirkungen bekommen die Verantwortlichen zu spüren? Das DNSV hat bei einigen Verantwortlichen aus der Schulverpflegung nachgehakt, wie sich die aktuelle Situation in ihren Küchen gestaltet: René Karsten (Titelbild), Anja Köchermann, Stefan Gerhardt und Uwe Sachse stehen Rede und Antwort.

DNSV fragt nach aktueller Situation

René Karsten, Geschäftsführer Helden Catering

Herr Karsten, wie hoch ist aktuell der Umfang der Schulessenproduktion in Prozent?

Derzeit versorgen wir nur ein paar Notbesetzungen in Kitas, da reden wir von ungefähr 100 Essen. Schulen verpflegen wir derzeit gar nicht.

Wie erfolgt aktuell die Auslieferung und Ausgabe?

Eine Ausgabe finde zur Zeit gar nicht statt.

Wurden Sie in den Planungsprozess der schrittweisen Schulöffnung einbezogen?

Nein, in den Planungsprozess wurde ich nicht einbezogen. Ich gehe aber davon aus das der Schulbetrieb dieses Schuljahr schrittweise startet, jedoch der Mensabetrieb hinten angestellt wird und wir dort erst wieder im neuen Schuljahr beginnen dürfen.

Welches sind Ihre dringendsten Problemen?

Ich glaube, wie bei allen anderen auch, die finanzielle Lage. Selbst wenn Sozialbeiträge gestundet werden, schiebt man die Zahlungspflicht nur vor sich her. Was machen dann die Mitarbeiter? Wie lange können diese die Kurzarbeit aushalten? Sonst bin ich guter Dinge und wir bemühen uns, weiterhin andere Kundenkreise zu gewinnen, was auch schon geglückt ist. Natürlich darf der Lockdown nicht mehr zu lange anhalten, nicht nur aus Unternehmersicht. Jeder filtert aus den Medien die für sich am besten zu verstehenden Informationen und Meinungen heraus und legt diese als seine Sicht der Dinge aus.

Anja Köchermann, Stadt Göttingen Fachbereich Schule, Leiterin Fachdienst Küchenbetriebe

Anja Köchermann äußert sich zu Auswirkungen der Coronakrise auf die Schulverpflegung.Frau Köchermann, wie hoch ist aktuell der Umfang der Schulessenproduktion in Prozent?

Zur Zeit haben wir keinen Ganztagsbetrieb in den Schulen. Daher gibt es auch kein Mittagessen und die Schulmensen sind in Niedersachsen geschlossen. Schulkioske dürfen aber unter Einhaltung der Abstandsregelung und der Hygienemaßnahmen betrieben werden. Es gilt ein Verzehrverbot im Umkreis von 50 Metern. Man darf also nicht direkt an der Ausgabe speisen.

Wurden Sie in den Planungsprozess der schrittweisen Schulöffnung einbezogen?

Ja.

Welches sind Ihre dringendsten Problemen?

Der Einsatz des Personals in anderen kommunalen Fachbereichen und Schulen zu Umsetzung der Hygieneregeln.

Anmerkung der Redaktion: Die Küchenbetriebe der Stadt Göttingen betreiben an drei Schulzentren Produktionsküchen mit eigenen Fach- und Küchenpersonal und stellen die Mittagsverpflegung in den städtischen Kitas und an allen städtischen Ganztagsschulen sicher. Zur Auswahl stehen eigentlich täglich mindestens zwei Hauptgerichte, davon ist eines immer ein vegetarisches Speisenangebot. Täglich ergänzen frische Salat-, Rohkost- oder Obstangebote das Speisenangebot. Die Küchenbetriebe der Stadt Göttingen sind EU-zertifizierte Betriebe und auch Ausbildungsbetriebe. Im Jahr 2008 hat die Stadtverwaltung ein Qualitätsentwicklungskonzept nach den Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erstellt.

Stefan Gerhardt, „GV-Manager des Jahres 2016“

Stefan Gerhardt, „GV-Manager des Jahres 2016“Stefan Gerhardt betreibt seit 2012 die Schulmensa in der Wilhelm-Bracke Gesamtschule und seit 2014 die Mensa IGS Sassenburg. Zudem bereitet er normalerweise etwa 300 Essen täglich im Cook-and-Chill-Verfahren für Gifhorner Grundschulen zu.

Herr Gerhardt, wie hoch ist aktuell der Umfang der Schulessenproduktion in Prozent?

Unsere Schulessenproduktion beträgt zur Zeit null Prozent. Dies wird bis zu den Sommerferien auch so bleiben, das bestätigt ein Erlass des Ministeriums. Nach den Sommerferien werden wir wahrscheinlich nur von 50 Prozent Auslastung sprechen, da die Hälfte der Schüler zuhause bleibt.

Wurden Sie in den Planungsprozess der schrittweisen Schulöffnung einbezogen?

Wir wurden nicht in die Planung einbezogen.

Welches sind Ihre dringendsten Problemen?

Am schlimmsten ist, dass die Kinder kein warmes Essen bekommen.

Uwe Sachse, geschäftsführender Gesellschafter Menü GmbH

Uwe Sachse, geschäftsführender Gesellschafter Menü GmbHMit rund 50 Mitarbeitern betreibt das Unternehmen vier Betriebsrestaurants und zwöf Essenausgabestellen in den Landkreisen Riesa-Großenhain und Elbe/Elster. Die Bewirtschaftung von Schulküchen in Ganztags- und Bildungseinrichtungen zählt ebenfalls zu den angebotenen Leistungen. In normalen Zeiten verlassen täglich über 2.500 Essen seine Produktionsküche.
„Informationen aus den Schulen fließen sehr spärlich“, betont Uwe Sachse gegenüber dem DNSV. „Die Einbeziehung bei der Planung gestaltet sich unterschiedlich. Manche Gemeinden kümmern sich darum, andere nicht. Wir produzieren zur Zeit zehn Prozent unserer Schulessen. Ausgeliefert wird in Menüschalen. Es erfolgt keine Essenausgabe durch uns. Wenn die Serviceleistung wieder erforderlich wird, tragen wir täglich Geld in die Schulen, weil einfach die Portionszahlen zu gering sind“.

Michael Polster

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