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Im Interview spricht Daniel Simon von OpenTable u. a. über die Digitalisierung und wie sich die Gastro-Branche seiner Meinung in Zukunft verändern wird.

Starke digitale Präsenz notwendig

Datum: 07.10.2020Quelle: Redaktion Gastroinfoportal, OpenTable | Ort: München, Frankfurt am Main

Daniel Simon ist seit 2014 als Country Manager und Vice President Global Sales & Services für OpenTable in Deutschland tätig und verantwortlich für die operative Leitung sowie den Bereich Sales & Restaurant Relations. Im Interview teilte er uns seine Gedanken zur aktuellen Situation mit und erzählte von der „Dine Local“-Initiative, die OpenTable während der Corona-Zeit gestartet hat.

Herr Simon, wie stehen Sie dem Shutdown der Gastronomie gegenüber?

In den letzten Monaten wurde die Branche stark in Mitleidenschaft gezogen. Wir wissen, dass der Weg zur Erholung schwierig sein wird. Das Gastgewerbe steht jetzt vor beispiellosen Herausforderungen und muss sich an die neue Normalität anpassen. Wir konzentrieren uns nach wie vor auf die fast 60.000 Restaurants in unserem Netzwerk. Restaurants arbeiten mit sehr knappen Margen, deshalb gehen wir an diese Krise mit einer unternehmensweiten Anstrengung heran, die sich auf durchdachte und wirkungsvolle Lösungen konzentriert. Diese sollen unseren Partnern helfen, diesen Sturm zu überstehen. Eine solche Initiative ist etwa unser Open Door-Programm, das bis Ende 2020 für alle Restaurants, die sich für unsere Basic-, Core- oder Pro-Pläne anmelden, auf die OpenTable-Gästenetzwerk-Gebühren und Grundgebühren der OpenTable-Technologie verzichtet.

Was denken Sie, nimmt die Gastro-Branche aus der Krise mit?

Sicher ist, dass das Thema Hygiene auch in Zukunft einen hohen Stellenwert einnehmen wird. Wir können mit großer Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass viele Restaurants die Berührungspunkte mit den Gästen reduzieren werden, um die Effizienz zu steigern und das Infektionsrisiko zu senken. Das kann beispielsweise die Bestellung über Apps, kontaktlose Bezahlung, vorverpacktes Besteck, oder ähnliches sein. Rund 56 % der Gäste gaben in einer kürzlich durchgeführten OpenTable-Umfrage an, dass sie inzwischen viel bewusster auf Hygienemaßnahmen im Restaurant achten. Besonders über die Abstandsregelungen im Betrieb möchten Gäste informiert werden, dies erklärten rund 68 % der Befragten.

Sind Sie der Meinung, dass die Gäste aufgrund der Auflagen die Lust am Essen gehen verlieren oder denken Sie, dass das Erlebnis künftig eine noch größere Bedeutung bekommt?

Unsere Daten und unsere Erfahrung zeigen, dass viele Menschen das Erlebnis, in einem Restaurant zu essen, während des Shutdowns wirklich vermisst haben und ungeduldig darauf gewartet haben, wieder essen gehen zu können. In besagter Umfrage erklärten 76 % der Deutschen, dass sie sich bei der Wiedereröffnung der Restaurants am meisten darauf freuten, wieder die leckeren Gerichte probieren und genießen zu können. Darüber hinaus verfolgen wir weltweit die Anzahl von platzierten Gästen über Online- sowie Telefonreservierungen und Walk-Ins auf unserem Dashboard zur Lage der Branche von Mitte Februar bis heute. Wir haben festgestellt, dass diese Zahl in Deutschland seit der Wiedereröffnung ziemlich kontinuierlich gestiegen ist. Ein Restaurantbesuch ist somit ein wunderbares Erlebnis, dass die Menschen nur schwer missen möchten.

Die Digitalisierung bekommt durch die aktuelle Situation einen neuen Stellenwert, was raten Sie Gastronomen in Bezug auf digitale Sichtbarkeit?

Gerade momentan ist eine starke digitale Präsenz unabdingbar. Reservierungen können so angenommen und Gäste über Hygienemaßnahmen, besondere Angebote und Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten werden. Auch erleichtert es dem Restaurant die Reservierungsplanung und damit die Einhaltung der aktuellen Richtlinien. Gute Kommunikation, beispielsweise über eine aktuelle und gut gepflegte Webseite oder Social Media-Kanäle, ist gerade in Ausnahmezeiten essentiell, um dem Gast ein sicheres und gutes Gefühl zu geben. Ein ansprechender Online-Auftritt mit Fotos wirkt zudem attraktiv auf Neukunden, ohne dass dies großen Marketingaufwand erfordert.

Wie entstand der Gedanke, die „Dine Local“-Initiative zu gründen?

Die „Dine Local”-Initiative, die den ganzen August hindurch lief, zielte darauf ab, Restaurants bei ihrer Erholung zu unterstützen und ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Sie ermutigte Menschen dazu, lokale Restaurants zu besuchen. Die Läden konnten zeitlich begrenzte Sonderangebote anbieten, um ihre Speisekarte zu präsentieren und Stammgäste sowie Neukunden aus der Gegend anzuziehen. Die teilnehmenden Restaurants profitierten außerdem von einer integrierten Marketingkampagne auf den OpenTable-Kanälen, die ebenso zum Ziel hatte, eine lokale Nachfrage zu schaffen und die Gäste in Restaurants in der Nähe zu locken.
Restaurants in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München nahmen an der Kampagne teil. Und in den vergangenen Wochen konnte man sehen, wie die Menschen sich hier beteiligten und lokale Restaurants im ganzen Land unterstützten.

Was sind Ihre Prognosen, wie es für die Gastronomie weitergeht und wie sich die Branche in Zukunft entwickeln wird?

Wir werden uns mit Sicherheit an diese „neue Normalität” gewöhnen müssen. In der Gastronomie erfordert das sowohl von den Mitarbeitern als auch von den Gästen viel Umdenken, Geduld und Ausdauer. Denn besonders im Restaurant sind Hygienemaßnahmen und die damit verbundenen Einschränkungen und Herausforderungen spürbar. Auch organisatorisch müssen sich die Betriebe nun neu ausrichten, um den Richtlinien gerecht zu werden. Läden, die früher keine Reservierungen angenommen haben, müssen das jetzt vielleicht tun. Auch suchen sie jetzt nach Möglichkeiten, ihre Kapazitäten und Tischbelegungen effizienter zu planen. Eine eindeutige Prognose, wie die Zukunft aussehen wird, ist in der gegenwärtigen Situation für jede Branche dennoch schwer abzugeben. Schließlich ändern sich die Umstände fast täglich.

Vielen Dank für das Gespräch!

Martina Kalus / Gastroinfoportal

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