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Martin Smura: Talente als größtes Kapital

Datum: 16.06.2020Quelle: Redaktion first class, Foto: Kempinski Hotels Ort: München

Wie die Kempinskihotels in die zweite Jahreshälfte starten, erzählte Martin R. Smura, CEO und Vorstandsvorsitzender der Kempinski Hotels, der Redaktion first class im Interview.


Herr Smura, die Hotels in Deutschland sind jetzt wieder geöffnet. Wie schwer hat die Corona-Krise die Kempinski-Gruppe getroffen?

Martin R. Smura: Das Gastgewerbe und die Reisebranche sind von dem Virus, der die Weltwirtschaft über Nacht auf Eis gelegt hat, hart getroffen worden. Wie jedes andere Unternehmen gilt das auch für die Kempinski Hotels. Da die Hälfte unseres internationalen Portfolios aufgrund von Regierungsentscheidungen irgendwann schließen musste, wurden wir mit einer Unterbrechung unserer Geschäftstätigkeit und einem raschen Einbruch unserer Einnahmen konfrontiert. Inzwischen sehen wir einige Anzeichen einer Erholung, insbesondere in China, wo unsere Hotels schon im Mai vollständig wiedereröffnet wurden und wo das Inlandsgeschäft allmählich wieder in Schwung kommt. In den anderen Teilen der Welt geht es Schritt für Schritt voran und hängt von den Entscheidungen der jeweiligen Behörden ab. Unser unmittelbares Anliegen ist nun die Sicherung des Ertrags und des Cash-Flows und somit auch die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter. Eine positive Rolle spielt dabei unsere relativ kleine Größe im Vergleich zu den riesigen Hotelketten. Sie gibt uns die Agilität und Flexibilität, in der Krise schneller zu reagieren und die Auswirkungen auf unser Geschäft und unsere Mitarbeiter zu mildern.

Konnten alle Stellen erhalten bleiben?

Unsere Priorität ist es, unsere Talente so weit wie möglich zu behalten. Sie sind unser größtes Kapital, und wir werden sie brauchen, wenn unsere Gäste wiederkommen. Wo immer es möglich war, haben sich unsere Hotels für die von den jeweiligen Ländern angebotenen Subventionspläne entschieden und so zum Beispiel, wo möglich, Kurzarbeit angemeldet. Dies ist vor allem in Europa möglich, wo die Regierungen stark involviert sind und zahlreiche Initiativen umgesetzt wurden, um die Wirtschaft und die Beschäftigung zu sichern und den Cash-Flow zu schützen.

Darüber hinaus stehen wir in engem Kontakt mit jedem einzelnen Hotelbesitzer, um verschiedene Vorgehensweisen zu erörtern, mit denen der finanzielle Druck gemildert, die Einnahmen verbessert und die Betriebskosten gesenkt werden sollen, um möglichst viele Mitarbeiter halten zu können.

Auch hier spielt es zu unseren Gunsten, dass wir ein privates kleines Luxus-Hotelunternehmen sind. Unsere Eigentümer sind nicht nur “Zahlen”. Sie haben direkten Zugang zu jedem Teammitglied der Kempinski Geschäftsleitung, die sich ihnen gegenüber stark engagieren. Wir kennen jeden einzelnen persönlich und können so gemeinsam den besten Ansatz zur Krisenbewältigung finden.

Mehr denn je stehen wir unseren Eigentümern, aber auch Gästen, Mitarbeitern und der jeweiligen lokalen Community zur Seite und unterstützen diese. Unsere Kempinski-Werte wie  Einfühlungsvermögen, Respekt und außergewöhnliche Fürsorge machen gerade in schwierigen Momenten den echten Unterschied aus.

Sie haben letztes Jahr angekündigt, dass Kempinski bis 2021 auf mehr als 100 Hotels wachsen will. Können diese Ziele trotz der Pandemie erreicht werden?

Die aktuelle Lage bremst derzeit unsere Expansionspläne. Das ist eine Tatsache. Unsere Entwicklungsstrategie ist davon jedoch weniger betroffen, da die Investoren im Allgemeinen auf eine langfristige Perspektive ausgerichtet sind. Daher sind die Entwicklungsteams bei der Aushandlung neuer Geschäfte recht aktiv. Zwar werden sich einige Hoteleröffnungen verzögern, aber wir können für 2020 eine große Zahl neuer Hotelabschlüsse verbuchen. Trotz der Krise sind wir weiterhin motiviert und kommen unserem Ziel von 100 Hotels als Teil unserer langfristigen Strategie sehr nahe.

Welche Sicherheitsmaßnahmen hat Kempinski in den Hotels getroffen, um der Ansteckungsgefahr entgegenzuwirken?

Die Sicherheit und das Wohlergehen aller unserer Gäste und Mitarbeiter weltweit hat für uns seit jeher zu jeder Zeit höchste Priorität. Aus diesem Grund haben wir kürzlich die Initiative “Kempinski White Glove Service” ins Leben gerufen. Sie umfasst viele Maßnahmen und Schritte, unter anderem Sanitizing-Stationen in allen öffentlichen Bereichen, Gesichtsmasken und Handdesinfektionsmittel, die in allen Zimmern und Suiten vorhanden sind oder Richtlinien für das Vorgehen in den Restaurants und Bars. Neu können unsere Gäste die Option “Betreten Sie mein Zimmer nicht” wählen, was bedeutet, dass unsere Mitarbeiter während des gesamten Hotel-Aufenthalts das Zimmer nicht betreten werden und Zimmerservice-Lieferungen, Hilfe beim Gepäck und andere Dienstleistungen vor der Zimmertür stattfinden.  Unsere Maßnahmen beschränken sich natürlich nicht auf den Gästeservice, sondern beziehen sich auch auf alle Bereiche “hinter den Kulissen” wie z.B. Büros, Küche, Mitarbeiterrestaurant oder Umkleideräume.
Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sich unsere Gäste sicher fühlen und gleichzeitig luxuriösen Service à la Kempinski genießen können.

Was sind die spezifischen Unterschiede zwischen den Ländern?

Das von uns für den “Kempinski While Glove Service” entwickelte Handbuch bietet unseren Hotelteams umfassende Richtlinien, um in einer sicheren Umgebung arbeiten zu können, ohne unsere qualitativ hohen Standards für professionellen Luxus-Service zu beeinträchtigen.

Wir halten uns streng an die Empfehlungen der globalen und lokalen Gesundheitsbehörden und passen unsere Standards entsprechend an. So haben wir beispielsweise in China zusätzlich zu den Maßnahmen Temperaturkontrollstationen am Eingang unserer Hotels und Restaurants in Anlehnung an die lokalen Behörden eingerichtet.

Herr Smura, herzlichen Dank für das Gespräch.

Nina Schinharl / first class

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