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Sinn stiften

Datum: 04.12.2020Quelle: Branding Cuisine | Ort: Berlin

Nachhaltiges Wirtschaften ist nicht nur deswegen interessant, weil sich ethisches Handeln mit einer profitablen Bilanz kombinieren lässt. Bewussten Unternehmern kann die konsequente nachhaltige Ausrichtung als Instrument dienen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter glücklich, motiviert und leistungsfähig sind.

Laut einer Studie der Manpower Group Deutschland zur Jobzufriedenheit 2019 ist jeder zweite Mitarbeiter in Deutschland mit dem Arbeitsplatz unzufrieden.1 Neben dem Verdienst ist einer der wichtigsten Gründe die mangelnde Selbstwirksamkeit in vielen Angestelltenverhältnissen. Viele Mitarbeiter haben den Eindruck, dass ihr Beitrag und ihre täglichen Anstrengungen keine relevante Wirkung entfalten. Dies führt dazu, dass sich Menschen nicht anerkannt und dadurch irgendwann unsichtbar fühlen. Sie werden immer unzufriedener, verlieren ihren Antrieb und werden womöglich krank.

Studien zeigen auch, dass Unternehmer glücklicher und gesünder sind, als Angestellte.2 Ihr starker Antrieb ist darin begründet, dass ihre Anstrengungen in der Regel eine wahrnehmbare Auswirkung haben und in sozialer Anerkennung resultieren. Im Schaffen von Arbeitsplätzen, in der Realisierung von Dienstleistungen und der Produktion sowie Distribution von Produkten wirken Unternehmer in direkter Weise auf ihre Umwelt. Ihre hohe Anstrengung geht daher mit einer hohen Zufriedenheit einher.

Bei vielen Angestellten hingegen wird ihr Aufwand nicht mit sichtbaren Ergebnissen und sozialer Anerkennung belohnt. Diese Diskrepanz zwischen großer Anstrengung und geringer Anerkennung birgt das Risiko des Burnouts in sich. Erfahren hingegen Mitarbeiter Selbstwirksamkeit, so wirkt sich dies motivierend und positiv auf ihr Wohlbefinden aus; auch größere Belastungen werden so leichter ertragen.

Suche nach dem Sinn

Menschen suchen nach dem höheren Sinn und finden darin Halt. Viele Unternehmen bedienen sich dieser Suche in ihrem Marketing, wissend dass Menschen nicht Produkte kaufen, sondern den höheren Sinn dahinter.3 So ist es ein Statussymbol, ein iPhone zu besitzen. Zu Objekten der Begierde sind Apple-Produkte in den Achtzigern und Neunzigern dadurch geworden, dass das Unternehmen es verstanden hat, sich kreativ-rebellisch zu positionieren und das Credo, kreative Menschen könnten die Welt verändern, an seine Produkte zu binden. Generationen von Kreativen kauften die Laptops von Apple nicht nur wegen des schönen Designs und der intuitiven Benutzeroberfläche, sondern wegen des Glaubenssatzes, den sie mit Apple verbunden haben. Den Status quo neu denken und verwandeln zu können, hat Apple dann eindrücklich mit der Einführung des ersten iPhones 2007 bewiesen. Das „Neuerfinden“ des Telefons manifestierte im Produkt die Sinngebung von Apple, dass kreative Menschen die Welt verändern können.

Sinn stiften und wirksam sein

Eine Sinngebung dient sowohl als Kaufanreiz für Konsumenten als auch zur Motivation von Mitarbeitern. Der höhere Sinn ist also in der Perspektive nach außen wie nach innen relevant. Wer als Unternehmen nachhaltig agiert, trägt zu einer lebenswerten Zukunft bei. Diese ist der höhere Sinn allen ressourcenschonenden Handelns. Sie ist nachhaltigem Wirtschaften immanent. Allerdings liegt die Wirksamkeit für ressourcenschonende Entscheidungen viele Jahre in der Zukunft und vielleicht sogar auf der anderen Seite der Erde. Daher ist es umso wichtiger für Sie, die kleinen positiven Effekte Ihres nachhaltigen Handelns zu betonen und den Mitarbeitern zu vermitteln.

Ergebnisse transparent machen

Die Wirkung des Einzelnen auf die Welt kann als nicht existent empfunden werden, weil sie in der Regel nicht direkt wahrnehmbar ist. Zu klein ist der Einzelne gegenüber der Hyperkomplexität der Welt mit knapp acht Milliarden Menschen. Gastronomie- und Lebensmittelunternehmen können aber auf eine Reihe von Werkzeugen zurückgreifen, um ihre Ergebnisse in Bezug auf Nachhaltigkeit transparent zu machen. Die meisten guten Taten können bereits heute einfach gemessen werden, denken wir nur an das Zählen von geretteten Lebensmittel durch Too Good To Go oder an das transparente Darstellen von eingespartem CO2, Wasser und Land durch Eaternity. Eine konsequente nachhaltige Unternehmensausrichtung geht dabei naturgemäß der Kommunikation voraus. Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern bildhaft und verständlich, wie Ihr Unternehmen die Welt von heute und morgen verbessert, so werden sie dadurch Selbstwirksamkeit erfahren. Machen Sie Erfolge transparent und lassen Sie Ihre Mitarbeiter an diesen Erfolgen teilhaben. Es ist ein gemeinsamer Erfolg.

Paradigma des Miteinanders

Einer der beachtenswerten Aspekte des Klimawandels ist, dass wir uns allmählich dessen bewusst werden, wie wir einen Einfluss auf das große Ganze, auf globale Systeme haben. Das Paradigma, Menschen würden getrennt voneinander und der Umwelt handeln, wird immer mehr durch das Verständnis ersetzt, dass wir alle gemeinsam denken, empfinden und handeln, und dass wir in der Summe eine hohe Wirksamkeit entfalten: Wir sind selbst das System, das wir transformieren. Jeder Einzelne ist auch das Kollektiv. Jeder Einzelne ist relevant. Jedes Unternehmen kann in einer Weise gestaltet werden, wie wir uns die Welt als Ganzes wünschen. Für die meisten von uns macht diese wünschenswerte Welt Gesundheit, Nachhaltigkeit, Mitgefühl und die Gleichberechtigung aller aus. Verkörpert Ihr Unternehmen diese Welt oder macht es sich auf den Weg dahin, so ist jeder einzelne Mitarbeiter im Unternehmen auch ein Beitrag zu einer besseren Welt.

Ob Unternehmer oder angestellt – uns alle treibt der Wunsch nach Selbstwirksamkeit an. Ihr Beitrag als nachhaltiges Unternehmen ist hochrelevant. Der Beitrag der Mitarbeiter ist unerlässlich. Wir alle sind wichtig, wenn es um die Realisierung einer lebenswerten Zukunft geht, denn jeder Beitrag zählt.

Der Autor

Balázs Tarsoly studierte Kommunikations-Design in Wiesbaden und Los Angeles und arbeitete als Designer in London. Neben seiner Begeisterung für Food, Storytelling und Design bringt er 13 Jahre Erfahrung in der Markenentwicklung im Bereich der Systemgastronomie mit. Balázs ist Gründer und Geschäftsführer der auf Food und Nachhaltigkeit spezialisierten Kreativ-Agentur Branding Cuisine. Mit Branding Cuisine ist er zudem Veranstalter des WeltverbEsserer-Wettbewerbs für nachhaltige Food- und Gastro-Konzepte.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Schreiben Sie an tarsoly@brandingcuisine.com.


Literaturhinweise

(1) Research: Entrepreneurs Are Happier and Healthier Than Employees https://www.inc.com/jessica-stillman/research-entrepreneurs-are-happier-and-healthier-than-employees.html

(2) Zufrieden mit dem Job? https://www.manpowergroup.de/fileadmin/manpowergroup.de/Studien/MPG_190923_Jobzufriedenheit_2019.pdf

(3) Simon Sinek: Start with Why: How Great Leaders Inspire Everyone to Take Action

 

Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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