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Interview: Hygiene beim Houskeeping im Fokus

Datum: 16.06.2020Quelle: Redaktion first class | Fotos: Kelly Sikkema on Unsplash, privat | Ort: Schmallenberg

Covid-19 stellt die Servicekräfte im Housekeeping-Bereich vor zusätzliche Herausforderungen. Margit Schreiter, erste Hausdame im Hotel Deimann, spricht im Interview über die Auswirkungen.


SchreiterZur Person:

Margit Schreiter (39) leitet seit zweieinhalb Jahren den Housekeeping-Bereich des Wellnesshotel Deimann im sauerländischen Schmallenberg. Die Quereinsteigerin ist gelernte Mediengestalterin, wollte aber weg vom Schreibtisch und so folgte sie ihrem langjährigen Wunsch, in die Hotellerie und Gastronomie zu wechseln.

 


Frau Schreiter, die Corona-Pandemie bringt neue, strengere Vorschriften in Sachen Hygiene und Reinigung mit sich. Wie wirkt sich das auf den Housekeeping-Bereich aus?

Bei uns besteht aufgrund des 5-Sterne-Standards von vornherein bereits ein sehr großer Reinigungsaufwand. Insgesamt gibt es jetzt natürlich noch mehr zu tun, aber das werden wir schon stemmen, da sehe ich kein Problem.
Unser Haus zeichnet sich durch starke Gastverbundenheit aus. Mit den ganzen Masken, Handschuhen und Abstandsregelungen leidet der zwischenmenschliche Kontakt. All das hat natürlich seinen Sinn, stellt uns aber vor eine große Herausforderung. Unser Ziel ist es, unseren Gästen den bestmöglichen Schutz und gleichzeitig die familiäre Atmosphäre zu bieten, die unsere Gäste gewohnt sind.

Was bedeuten die neuen Richtlinien konkret für Ihre Arbeit?

Erst einmal muss man sagen, dass sich die Verordnungen fast täglich ändern. Das macht es umso schwerer, sich auf die kommenden Wochen einstellen zu können. Bis vor ein paar Tagen war es z. B. so, dass wir jegliche Prospekte und Zeitschriften aus den Zimmern entfernen sollten. Das ist jetzt wieder anders.
Allgemein gilt momentan die Empfehlung, die Zimmer der Gäste bei Kurzaufenthalten erst bei Abreise zu reinigen. Das ist für unsere Gäste natürlich weniger schön, weil sie es anders gewohnt sind und es auch überhaupt nicht unserem Standard entspricht. Ansonsten muss natürlich viel mehr gereinigt und gewaschen werden. Es wird alles desinfiziert; wir müssen bei jeder Reinigung einen Mund-Nasen-Schutz sowie Handschuhe tragen.

Das macht die zusätzliche Arbeit nicht unbedingt angenehmer …

Genau. Für unsere Mitarbeiter ist es definitiv eine große Einschränkung, mit Mund-Nasen-Schutz zu arbeiten, den sie auch tragen müssen, wenn sie alleine im Zimmer sind. Gerade im Bad-Bereich können schon einmal tropische Verhältnisse herrschen. Das ist Knochenarbeit, da ziehe ich den Hut vor allen Mitarbeitenden. Was die Damen und Herren leisten ist wirklich enorm.

Wie gestaltet sich der Kontakt vom Housekeeping mit den Gästen?

Auch hier geht der persönliche Aspekt des Service leider etwas verloren. Normalerweise sind es die Gäste gewohnt, dass wir auch mal ins Zimmer kommen, wenn sie anwesend sind und uns um ihre besonderen Wünsche kümmern. Bei den langjährigen Stammgästen wissen wir genau, wie sie das Zimmer nach dem Frühstück vorfinden möchten, kennen ihre Vorlieben und können individuell auf die Gäste eingehen. Jetzt wird empfohlen, Kontakte zu vermeiden und die Zimmer nur zu betreten, wenn der Gast nicht anwesend ist.

Wie kommunizieren Sie den Gästen diese Änderungen?

Die Gäste bekommen bei Anreise eine Corona-Info, in der erklärt wird, welche Veränderungen es gibt und warum. Wo herrscht beispielsweise Maskenpflicht, wie sind die Abläufe beim Frühstück und Abendessen etc.
Wir können unsere Gäste aber auch immer aktuell über ein Info-Tablet auf den Zimmer informieren, wenn sich Neuerungen ergeben.

Abgesehen von den Zimmern: Gibt es im restlichen Haus zusätzliche Maßnahmen?

Es wird bei uns immer eine Person vom Housekeeping geben, die sich den ganzen Tag nur um die öffentlichen Bereiche kümmert. Der Mitarbeiter reinigt und desinfiziert alle Sanitärräume, Handläufe, Aufzugknöpfe und alles, was man so anfasst. All das wird gleichzeitig dokumentiert, damit man später nachweisen kann, wann und wo gereinigt wurde. Dann geht es wieder von vorne los. Für unsere Gäste ist das auch sehr wichtig – sie sehen, dass es eine Person gibt, die dauerhaft im Hotel unterwegs ist, um ihnen den bestmöglichen Schutz zu bieten. Das gibt ihnen Sicherheit.

Wie viele solcher Durchläufe wird es täglich geben?

Das hängt natürlich immer vom Verschmutzungsgrad ab, aber es wird weit über das hinaus gehen, was vorgeschrieben und empfohlen wird.

Halten Sie die neuen Vorschriften für sinnvoll?

Es ist eine enorme Menge an neuen Vorschriften und natürlich fragt man sich auch bei der einen oder anderen, ob das wirklich notwendig ist. Aber man möchte die Gäste und sich selbst natürlich auch schützen.

Gibt es von Seiten der Mitarbeiter Bedenken bezüglich der aktuellen Lage?

Wir waren jetzt alle ein paar Wochen raus, aber schon bevor der Shutdown kam, hat man gemerkt, dass die Mitarbeiter Respekt vor der Krankheit und einer Ansteckung haben. Ich denke, man wird in jedem Fall aufmerksamer arbeiten und auf sein Umfeld reagieren. Unsere Mitarbeiter sind mit allen Richtlinien und Schutzmaßnahmen vertraut, das gibt ihnen auch Sicherheit!

Wie nehmen Sie die allgemeine Stimmung im Haus Deimann aktuell wahr?

Die Stimmung unter den Angestellten ist sehr positiv. Alle haben Lust, wieder loszulegen, endlich wieder zu arbeiten und das Hotel mit Leben zu füllen. Die Familie hat sich uns gegenüber vorbildlich verhalten, immer informiert und unser Kurzarbeitergeld aufgestockt, sodass wir uns um unsere eigene Existenz keine Sorgen machen mussten. Außerdem sieht man den Rückhalt der Gäste – seit sie wieder buchen dürfen, klingelt das Telefon ununterbrochen. Die Leute möchten weiterhin kommen und bei uns Urlaub machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Benjamin Lemm / Redaktion first class

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