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Caterings wie die von Ricarda Farnbacher finden während Corona nicht wie gewohnt statt.

Die Politik soll Wort halten

Datum: 09.06.2020Quelle: Redaktion GVMANAGER | Fotos: Aneta Pawlik on Unsplash, Mirjam Knickriem | Ort: Berlin

Mit ihrem Cateringunternehmen gehört Ricarda Farnbacher zur Spitze der deutschen Caterer und gibt mit ihrem 20-köpfigen Team stets Vollgas. Während der Coronakrise wird aber auch ihr Betrieb ausgebremst. Wir haben bei ihr nachgefragt, wie sich ihr Geschäft durch die Covid-19-Pandemie entwickelt hat.

„Ich kann leider keine Sorge tragen, dass jeder gesund auf eine Veranstaltung kommt und wirklich niemand angesteckt wird. Ich kann mich nur an die Vorschriften halten.“

Catering während Coronakrise möglich?

Frau Farnbacher, Großveranstaltungen bleiben nach wie vor aus – in welcher Form können Sie Ihrer Tätigkeit dennoch (vielleicht in abgewandelter Form) nachgehen? Wie viele Ihrer Mitarbeiter sind hierfür im Einsatz?

Ricarda Farnbacher, Inhaberin des gleichnamigen Berliner Cateringunternehmens
Ricarda Farnbacher, Inhaberin des gleichnamigen Berliner Cateringunternehmens

Wir feilen gerade an einem Konzept, wie wir auch mit den vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregelungen ein spannendes und nachhaltiges Catering anbieten können.
Aktuell setzten wir auf unsere neu konzipierte Feinkostlinie „Farnkost“. Hier bieten wir nachhaltige, regionale Feinkost auf dem Kollwitzmarkt am Prenzlauer Berg in Berlin an und verkaufen auch Dinner- und Geschenkboxen zum Abholen. Das Konzept soll langfristig ins Catering integriert werden. Auch denkbar ist, dass unsere Kunden die Wochenendboxen für ihre Mitarbeiter buchen. Hier sind wir schon mit einigen unserer Unternehmen im Gespräch. Es arbeiten gerade noch fünf Personen für unser Catering, in Spitzenzeiten sind es 20.

Wann rechnen Sie wieder damit, auch größere Cateringaufträge für Hochzeiten und Co. ausrichten zu können?

Es stehen ja viele Lockerungen an und da wird man immer wieder optimistisch. So recht kann ich aber noch nicht dran glauben, dass bald wieder größere Events stattfinden, denn kein Unternehmen will in der aktuell unsicheren Situation einen Fehler machen.
Bei dieser Berichterstattung, in denen Einzelfälle und Infektionsketten an den Pranger gestellt werden und sogar Namen der Veranstalter oder Berufsstand der Gäste öffentlich gemacht werden, denke ich nicht, dass irgendwer Interesse hat, solch ein Risiko auf sich zu nehmen.
Ich kann leider keine Sorge tragen, dass jeder gesund auf eine Veranstaltung kommt und wirklich niemand angesteckt wird. Ich kann mich nur an die Vorschriften halten. Und so werden es auch die Kunden sehen und erstmal keine großen Veranstaltungen machen.

Wie viele Aufträge wurden bislang storniert? Wie hoch ist der Umsatzverlust für Sie dadurch?

Es wurden bereits 60 Veranstaltungen abgesagt und dann kommen noch etliche Veranstaltungen hinzu, für die gar nicht mehr angefragt wurde.
Ich denke am Schluss ist der Umsatzverlust im mittleren sechsstelligen Bereich.

Inwieweit fühlen Sie sich von der Politik allein gelassen? Was wünschen Sie sich hier konkret als Unterstützungsmaßnahmen?

Die Politik hat sehr schnell reagiert und für die betroffenen Branchen viele Hilfspakete geschaffen. Auch das neu verabschiedete Konjunkturpaket ist gigantisch. Dennoch ist schlussendlich immer fraglich, was einem wirklich zusteht.
Außerdem herrscht Unsicherheit, ob man später das Geld teilweise zurückbezahlen muss. Hier ist mehr Klarheit wichtig, um im „Heute“ die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Dazu würde ich mir konkret wünschen, dass das garantierte Kurzarbeitergeld auch zu der versprochenen Summe gezahlt würde. Ich habe Löhne vorausbezahlt, und nun erhalte ich für die letzten Monate von der Arbeitsagentur Bescheide, dass sie aus diversen Gründen doch weniger auszahlen wollen. Nun darf man sich mit den Behörden streiten. Hier wünsche ich mir, dass die Politik ihr Wort hält.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

So trifft Corona Cateringbetriebe

Zwei weitere Cateringunternehmen geben einen Einblick, wie sich die Coronakrise auf ihren Betrieb auswirkt. René Linke von Linke Catering und Margret Stockheim von Stockheim Catering im Gespräch über Umsatzeinbußen und ergriffene Maßnahmen, lesen Sie im Beitrag „Wie Corona Cateringbetriebe trifft“.

Ricarda Farnbacher im Interview

Unter der Rubrik Starthilfe unseres Fachmagazins 24 Stunden Gastlichkeit hat Ricarda Farnbacher im Interview u. a. verraten, wie sie zum Cateringgeschäft kam und was sie Newcomern raten würde. Mehr dazu lesen Sie in Ausgabe 5/2019 (Seite 16.f) der 24 Stunden Gastlichkeit.

Sarah Hercht / Redaktion GVMANAGER

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