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Restart

Restart Teil 3: Die Hotellerie spricht

Datum: 19.5.2020Quelle: Redaktion first class, Fotos: Finn Hackshaw on Unsplash, Orania.Berlin, 25hours Hotels | Ort: München

Das Gastgewerbe läuft langsam wieder an. Allerdings sind die Auflagen in den einzelnen Bundesländern hart: erhöhte Hygieneanforderungen, Mindestabstand, weniger Gäste und damit weniger Umsatz. Wie geht es der Branche mit diesen Maßnahmen? Sind sie überhaupt umsetzbar? Wir haben Verantwortliche aus Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung zu dem Restart der Branche befragt.

Stimmen aus der Hotellerie

Restart im Orania.Berlin

Auch in der Hotellerie ist man froh, dass die Häuser nach so langer Zeit wiedereröffnen dürfen. Zwar konnten einige Hotels die Zeit mit Angeboten für Geschäftsreisende und Zwischenlösungen als Longstay-Konzepte oder Homeoffice-Ersatz überbrücken, vielen blieb aber nichts anderes übrig, als den Betrieb vorläufig ganz einzustellen. So erging es auch Jennifer Vogel, Hotelmanagerin im Luxushotel Orania.Berlin. Sie freut sich auf die Wiedereröffnung am 25. Mai, ist aber auch skeptisch, was die nächsten Monate angeht:

Jennifer Vogel
Jennifer Vogel

„Die große Reisewelle wird in diesem Jahr ausbleiben“, ist sich die gebürtige Münchnerin sicher.  „Obwohl ich eigentlich ein positiver Mensch bin, schaue ich doch eher negativ in das nächste halbe Jahr. Wir sind froh, wenn wir es über das Jahr gesehen jetzt noch auf eine Auslastung von 50 % schaffen würden. Das läge zwar deutlich unter dem Vorjahr und natürlich auch hinter dem Budget, aber es wäre den Umständen entsprechend ein Ergebnis, mit dem wir leben könnten. Wenn wir Pech haben, kann es aber auch deutlich weniger werden. Gerade hier in der Stadt wird es schwer. Wir rechnen damit, dass auch die Inlandstouristen die großen Städte als Verbreitungsorte eher meiden und den Urlaub dieses Jahr lieber auf dem Land verbringen.“

In den vergangenen Wochen haben Jennifer Vogel und ihr Team die gästefreie Zeit dazu genutzt, umfassende Renovierungsmaßnahmen im Hotel zu ergreifen, die sonst bei laufendem Betrieb so nicht möglich gewesen wären. Der Lockdown hatte also auch sein Positives. Dennoch – die finanziellen Verluste wiegen schwer.

„Wirtschaftlich gesehen ist es eine Katastrophe. Es ist kein so gutes Gefühl als Unternehmer, wenn man den Eigentümer des Hotels kein Geld zahlen kann, sondern umgekehrt nach finanzieller Zuwendung fragen muss.“

Mehr über Jennifer Vogel und das Orania.Berlin lesen Sie in der kommenden Ausgabe unseres Hotelfachmagazins first class.

Restart im 25hours The Trip / The Goldman

Auch Benedikt Roos, General Manager der beiden Frankfurter 25hours Häuser The Trip und The Goldman, blickt auf turbulente Wochen zurück:

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Benedikt Roos

„Die vergangenen Wochen haben tägliche neue Herausforderungen mit sich gebracht. Eines meiner Hotels hat direkt Anfang März geschlossen, das andere haben wir mit Minimal-Besetzung weiterhin betrieben. Um die finanziellen Einbußen so gering wie möglich zu halten, haben wir Kurzarbeit angemeldet und mit den Verpächtern Gespräche bezüglich Mietnachlass oder -stundung geführt.“

In den kommenden Wochen soll dann wieder mehr Normalität einkehren. In Sachen Hygienekonzept ist das Team um Benedikt Roos anscheinend schon bestens vorbereitet. „Wir haben ein auf die Ländervorschriften angepasstes Hygienekonzept. Dieses ist zu 99% im geöffneten „The Trip“ bereits umgesetzt. Für die Wiedereröffnung meines zweiten Hauses – voraussichtlich erst im September – bereiten wir uns allerdings noch nicht konkret vor. Bis dahin gibt es sicherlich wieder neue Regeln auf die wir uns einstellen müssen.”

Restart im Romantik- & Wellnesshotel Deimann

Hoteldirektor Andreas Deimann vom Wellness- und Romantikhotel Deimann im sauerländischen Schmallenberg spricht im Interview über die vergangenen Wochen der Schließung und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.

Romantik- & Wellnesshotel Deimann_Familie Deimann_©Friederike Hegner
Andreas Deimann (links) und Familie

Herr Deimann, wie haben Sie die vergangenen Wochen seit der Schließung des Hotels erlebt?

Sowohl für unsere Familie als auch für unsere Mitarbeitenden war das schon eine noch nie da gewesene, ungewohnte Extremsituation, die uns alle vor ganz neue, große Herausforderungen gestellt hat. Da in jeder Krise aber auch ein Stück Chance steckt, haben wir sehr schnell die Initiative ergriffen und so gut es uns möglich war, „die Not zur Tugend gemacht“. Wir haben an vielen Stellen im Haus verschönert und renoviert, lärmende Um- und Anbaumaßnahmen, die Urlaubsgäste sonst beeinträchtigen, vorgenommen und so die Weichen für die Zukunft gestellt. Langweilig ist uns daher nicht geworden, zumal natürlich auch viele Dinge in Zusammenhang mit der Schließung organisiert und abgewickelt werden mussten.

Welche Maßnahmen haben Sie getroffen, um die finanziellen Einbußen so gering wie möglich zu halten?

Unnötige und ohne negative Auswirkungen verschiebbare Ausgaben haben wir natürlich vermieden, teilweise Stundungsangebote genutzt und das Mittel der Kurzarbeit für einen Großteil unserer Mitarbeitenden eingesetzt. Dennoch bleibt ein erheblicher Kostenblock auch bei Komplettschließung des Betriebes bestehen. Da es über das Kurzarbeitergeld hinaus bisher keinerlei echte Hilfen aus Staatsmitteln für Betriebe unserer Größe gibt, die Betriebsschließungsversicherungen eine Verweigerungshaltung eingenommen haben und ihren Verpflichtungen aktuell noch nicht oder völlig unzureichend nachkommen, müssen wir die enormen Kosten aktuell vollständig selbst schultern.

Wie bereiten Sie sich auf die Wiedereröffnung vor?

Auf die Wiedereröffnung freuen wir uns natürlich trotz aller Widrigkeiten sehr! Außerdem ist es natürlich auch für unsere Mitarbeitenden wichtig, dass es endlich wieder losgeht und „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen ist. Aktuell wird das Haus herausgeputzt und es werden alle Vorkehrungen zum Schutz von Gästen und Mitarbeitenden getroffen. In der kommenden Woche wird es dann noch intensive Schulungen bezüglich der neuen Regelungen für alle geben und dann sind wir am 29.5. pünktlich startbereit und sehnen uns danach, endlich wieder unserer Passion als Gastgeber nachgehen zu dürfen.

Wie sehen Sie die nahe Zukunft des Hotel Deimann unter den verschärften Hygieneregeln?

Das ist schwer zu sagen! Wir verspüren seit der Bekanntgabe unseres Wiedereröffnungstermins am 29.5. eine sehr gute Nachfrage. Wir sind dankbar und froh, dass uns so viele Gäste auch in dieser Zeit ihr Vertrauen schenken und trotz der einschränkenden Vorgaben ihren Urlaub bei uns verbringen wollen. Andererseits müssen wir einen wesentlich erhöhten Aufwand bei durch die Abstands- und Kontaktregelungen deutlich eingeschränktem Geschäft hinnehmen. Wirtschaftlich lässt sich das unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht machen. Aber eventuell können die hohen Verluste mit laufendem Geschäft zumindest etwas reduziert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Was Sie für den Neustart wissen müssen

Für ein verantwortungsvolles Wiederhochfahren der Betriebe in Zeiten der Corona-Pandemie müssen einige Kriterien beachtet werden. Verschiedene Checklisten und Praxishilfen leisten dabei Hilfestellung und geben Tipps für einen erfolgreichen Restart. Wir geben Ihnen hier einen Überblick und zeigen, wo Sie welche Checkliste finden.

Benjamin Lemm

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