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Bleiben bei Schulcaterern die Teller leer als Resultat der Schulschließungen durch Corona?

Kita- und Schulschließungen: Folgen für Caterer

Datum: 24.03.2020Quelle: Inhalt: 3 Köche, Die PausenPiraten, Helden Catering, Luna / Foto: Colourbox.de Ort: diverse

Bleiben als Folge der Kita- und Schulschließungen ab sofort die Küchen bei Kita- und Schulcaterern kalt – und die Teller leer? Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, bleiben Schulen und Kitas vorerst bis zum Ende der Osterferien geschlossen, so die Entscheidung der Bundesregierung und den Regierungen der Bundesländer. Wie gehen Kita- und Schulcaterer mit dieser aktuellen Situation um und welche Auswirkung hat dies auf ihre Betriebe? Wir haben bei Mitgliedern des Verbands Deutscher Schul- und Kitacaterer (VDSKC) nachgefragt.

Statements von Kita- und Schulcaterern

Klaus Kühn, Geschäftsführer, 3 Köche, Berlin:

„Wir haben unseren Betrieb quasi geschlossen: Alle Aktivitäten sind auf eine Küche konzentriert. Mitarbeiter ohne Arbeit bleiben zuhause, zudem haben wir Kurzarbeit angemeldet. Ende der Woche sind unsere Aktivitäten damit auf 0,1 Prozent heruntergefahren. Um die finanziellen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, reduzieren wir alle Kosten auf das notwendigste Maß und warten auf die angekündigte Unterstützung der Verantwortlichen.“ (Stand: 18. März 2020)

Gregor Widynski und Frank Detlef Roick, Geschäftsführer, Die PausenPiraten, Potsdam:

„Von unseren 26 Betrieben sind aktuell acht Betriebe auf Wunsch der Kunden geschlossen, weitere Schließungen sind zu befürchten, etwa 30 Prozent sind betroffen. In den Betriebsrestaurants sind die Maßnahmen der Bundesregierung bzw. des Berliner Senats in Hinblick auf Distanz zueinander, Einschränkung der Anzahl der Sitzplätze, der Entnahme des Bestecks, keine offene Ware im Angebot und ähnlicher Dinge eingeleitet und umgesetzt worden. Das Personal wird vorrangig nach bestehenden Überstunden und altem Urlaub aus dem Jahr 2019 nach Hause geschickt, danach werden die Mitarbeiter prozentual nach tatsächlichem Bedarf in Kurzarbeit geschickt.

Die finanziellen Auswirkungen wollen wir durch die folgenden Maßnahmen in Grenzen halten:

  • Einschränkung von drei auf zwei Menülinien (im Extremfall auf eine Menülinie)
  • Schließung der Coffeebars
  • Einschränkung der zusätzlichen Angebote, wie Frühstück, Abendbrot, Konferenzversorgung
  • Zusammenlegung von Ressourcen (evtl. Produktion für zwei Objekte in einer Küche, nur Anlieferung.)” (Stand: 18. März 2020)

René Karsten, Geschäftsführer, Helden Catering, Stockelsdorf:

„Mein Betrieb läuft noch, allerdings produzieren wir aktuell nur noch Essen auf Rädern sowie Essen für die Flüchtlingsversorgung in Hamburg; die Versorgung eines Altenheimes in Travemünde kommt ab dem 1. April 2020 hinzu. Aktuell verbuchen wir so einen Umsatzeinbruch um 80 Prozent. Einer von mehreren autarken Betrieben wurde bereits geschlossen. Wir haben jetzt schon deutlich Stunden reduziert und bereiten Kurzarbeit vor – alle Mitarbeiter wurden in Betriebsversammlungen informiert und ziehen alle mit. Aktuell ändern wir gerade noch kurzfristig je nach Warenbestand die Menüpläne und werden den Wareneinsatz herunterfahren, um Ausgaben zu reduzieren. Wir haben zudem über 100 Altenheime und ambulante Dienste angeschrieben und Angebote abgegeben, um diese zu unterstützen, indem wir Speisen auch für den vorrübergehenden Bedarf bereit stellen. Das Angebot für unsere Essen auf Rädern-Kunden haben wir zudem mit Frühstück und Abendbrotpaketen aufgestockt und bieten dazu noch Dinge wie Getränke, Obst etc. an.“ (Stand: 19. März 2020)

Stimmungsbild der Branche

Rolf Hoppe, Vorsitzender des Verbands Deutscher Schul- und Kitacaterer und Geschäftsführer von Luna, Berlin, hat sich nun auch in einem Brief an Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, gewandt und reagiert damit auf die vorrübergehenden Kita- und Schulschließungen und den damit einhergehenden Maßnahmen zur Eindämmung und Ausbreitung des Coronavirus: „Für die Mitglieder unseres Verbandes der deutschen Schul- und Kitacaterer (VDSKC) und für viele weitere Caterer, die sich in der Schul- und Kitaverpflegung engagieren, hat dies weitreichende Konsequenzen. Die Auswirkungen sind noch gar nicht vollständig absehbar. Was jetzt allerdings schon fest steht: Viele Caterer können durch fehlende Liquidität bis hin zu Insolvenzen, die Struktur der Schul-und Kitaverpflegung nicht mehr aufrechterhalten. Die Zukunft vieler Unternehmen in der Schul-und Kitaverpflegung ist akut bedroht. Um aber die Versorgung der Schüler jederzeit sicherstellen zu können, ist es notwendig, die Mitarbeiter weiter zu beschäftigen und die Erhaltung der systemrelevanten Infrastruktur sicher zu stellen. Denn ein Bereitschaftsdienst muss aufrechterhalten werden, auch um im Notfall die Küchen für den Katastrophenschutz bereitstellen zu können. Die Preiskalkulationen und Rücklagen sind auf solche Notsituationen nicht ausgerichtet. Daher ist für die Caterer die weitere Vertragserfüllung durch die Auftraggeber erforderlich und Bezahlung von mindestens zwei Drittel der bisher gelieferten Portionen notwendig. Daher fordern wir eindringlich von den politischen Entscheidungsträgern, sich für schnelle, unbürokratische Nothilfemaßnahmen einzusetzen. Wir sehen einen akuten Gesprächsbedarf als ein wichtiger Partner der Schulen, der Schulträger und des Landes.“

Weitere Stimmen von Mitgliedern des Verbands Deutscher Kita- und Schulcaterer werden wir nach und nach ergänzen.

Wer sich darüber hinaus darüber informieren möchte, wie andere gastronomische Betriebe auf die Auswirkungen der Coronakrise reagieren, erfährt in diesem Beitrag mehr dazu. Zudem haben wir für alle, die Kurzarbeit in Betracht ziehen, Fragen und Antworten rund um Kurzarbeitergeld zusammengestellt.

 

Michael Polster

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