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Dass eine Restaurant-Eröffnung trotz Corona funktionieren kann, zeigen Stefan Gruber-Osterberger und Thorsten Osterberger in ihrem Restaurant Osterberger.

Eine Neueröffnung auf Umwegen

Datum: 06.08.2020Quelle: Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit | Bilder: Anne Smith Photography | Ort: München/Berlin

Das Restaurant Osterberger hat den Anspruch, sich als Treffpunkt für Genießer, Kieznachbarn, Foodies und Freunde aus der Kreativ- und Medienbranche zu etablieren. Gleich um die Ecke vom Berliner Weinbergspark verwirklichten die Gastgeber Stefan Gruber-Osterberger und Thorsten Osterberger ihren Traum vom eigenen Restaurant mit persönlicher Note – wir berichteten am 16. Juli 2020 an dieser Stelle. Doch die Coronakrise brachte den Traum der beiden kurzzeitig ins Wanken.

Thorsten Osterberger im Gespräch

Mit uns hat Thorsten Osterberger über den fast geplatzten (Restaurant-)Traum, die besonderen Herausforderungen der aktuellen Situation und eine mögliche Veränderung der Restaurantkultur gesprochen.

Die Gastgeber Thorsten Osterberger (l.) und Stefan Gruber-Osterberger haben sich den Traum vom eigenen Restaurant trotz Corona erfüllt.

Herr Osterberger, Sie mussten die Eröffnung ihres Restaurants aufgrund der Corona-Pandemie verschieben. Für wann war die Eröffnung ursprünglich geplant?

Unser Herzenswunsch, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, war schon seit Jahren im Gespräch – immer wieder haben wir geeignete Orte besichtigt. Nach vielen Enttäuschungen sind wir Ende Dezember 2019 auf eine kurzfristig frei gewordene Location gestoßen, die wir Anfang Januar spontan in Angriff nahmen. Gemeinsam mit dem Architekten Martin Davidson haben wir den Innenraum in unser verlängertes Esszimmer verwandelt – unter enormem Zeitdruck, aber ganz in unserem Stil. Mitte März waren wir soweit, die Türen aufzusperren … und dann kam die Pandemie, mit all ihren negativen Folgen für die Gastronomie.

Wann haben Sie die Entscheidung getroffen, die Eröffnung zu verschieben?

Die Entscheidung lag eigentlich nicht in unserer Hand – wir konnten angesichts der Lage nicht eröffnen, hatten aber bereits Personal in Festanstellung. Aufgrund der erst unlängst erfolgten Anstellung unserer Mitarbeiter bestand auch rechtlich nicht die Möglichkeit, diese in Kurzarbeit zu beschäftigen. Das resultierte leider darin, dass wir das erste Team entlassen mussten.

Kam zwischenzeitlich der Gedanke auf, vielleicht gar nicht erst zu eröffnen und das eigene Restaurantprojekt wieder ad acta zu legen?

Die Frage hat vollste Berechtigung, denn zu dem Zeitpunkt war die Situation nicht einzuordnen und abzuschätzen. Niemand wusste zu Beginn des Lockdowns, wie es für Restaurantbetriebe weiter gehen kann. Diese Ungewissheit hat auch uns beide – als Partner und als Paar – an unsere Grenzen gebracht. Es gab durchaus die Überlegung, einfach einen Container zu bestellen, und unsere ganzen Einbauten wieder raus zu reißen. Dann hätte man wenigstens gewusst, dass nach der ersten Investitionsphase Schluss ist – bis hierher und nicht weiter. Aber aufgeben wollten wir natürlich nicht.

Welche besonderen Herausforderungen (etwa finanziell) haben sich durch die Coronakrise ergeben?

Da waren zum einen die März-Gehälter, die unserem damaligen Team natürlich zustanden, obwohl es ja gar nicht zur Eröffnung kam. Zudem müssen wir uns derzeit mit 38 statt der normal erlaubten 70 Plätze begnügen. Und dass der Zustrom der Gäste sicherlich geringer ist, als es in einem normalen Sommer der Fall gewesen wäre, müssen wir hier ja sicher nicht extra erwähnen.

Inwieweit schränken die Maßnahmen den Restaurantalltag ein?

Das Restaurant hat zum Glück offene Fensterfronten, die wir seit dem Start nur selten schließen mussten. Unsere Außenplätze vis-à-vis des kleinen Parks an der Elisabethkirchstraße, die trotz unserer zentralen Lage nahe Rosenthaler Platz und Torstraße ruhig gelegen sind, machen das Osterberger zur entspannten Insel – und das mitten in Mitte! Die luftige und offene Atmosphäre lässt unser Lokal auch in Corona-Zeiten sicher wirken. Aber natürlich tragen alle Mitarbeiter zum Schutz Masken, und alle Gäste werden via QR-Code registriert. Erst nach diesem Prozedere haben sie online Zugang zu unserer Speisekarte.

Wie reagieren die Gäste auf die Maßnahmen?

Unsere Gäste schätzen das offene Ambiente und lieben den persönlichen Service. Natürlich haben wir Gäste, die nur draußen essen wollen, aber durch unsere offenen Fensterfronten ist auch der Innenbereich stets luftig und belebt. Es gibt überdies bereits Überlegungen, wie wir den Außenbereich während der Pandemie auch in den kälteren Monaten attraktiv gestalten können.

Die gehobene Bistro-Küche bietet kleine Snacks und offene Weine.

Sie haben bereits nach kurzer Zeit einige Stammgäste, wie erklären Sie sich das?

Die Location, in der wir unser Restaurant eröffnet haben, war durch viele mehr oder weniger gescheiterte Vorbesitzer belastet. Was uns vielleicht auszeichnet, ist, dass wir uns im Gegensatz zu den bisherigen Konzepten viel nahbarer präsentieren – kein unnötiger Schnickschnack und kein elitäres Gehabe, dafür eine große Offenheit für Gäste aller Art. Darüber hinaus bietet unsere gehobene Bistro-Küche kleine Snacks und offene Weine, mit Einstiegspreisen, die mehr als moderat sind. Durch die sehr persönlich geführte Gastronomie wollen wir vor allem Leute aus unserem heimischen Berliner Mitte-Kiez ansprechen.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Restaurantkultur aufgrund von Corona zukünftig verändern?

In diesen Zeiten, in denen kaum Touristen Berlin besuchen, kann sich ungestört und ganz organisch ein Stammpublikum aufbauen – das sehen wir als Chance! Wir denken, dass sich derzeit die Rituale des Ausgehens an sich verändern. Man muss heute nicht mehr unbedingt in das total angesagte Restaurant, danach in die coolste Bar und dann weiter in einen Hype-Club ziehen. Wir beobachten, dass unsere Gäste schon früh zum Essen kommen und danach den Abend mit professionell gemixten Cocktails bei uns ausklingen lassen. Unser Bartender, der zuvor in trendigen Mitte-Bars agierte, sorgt dafür, dass niemand etwas missen muss.

Es geht heute darum, am Ende auf einen rundum schönen und entspannten Abend zurückzublicken. Auch die Qualitäten und die Persönlichkeiten der Gastgeber stehen wieder im Vordergrund.

Vielen Dank für das offene Gespräch!

Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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