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Nachvollziehbare Entscheidungen gefordert

Datum: 28.05.2020Quelle: Dehoga Bayern | Ort: München

Die Ergebnisse der Umfrage des Dehoga Bayern, für die rund 2.300 gastgewerbliche Betriebe befragt wurden, sind eindeutig: Nach der Wiedereröffnung der Außengastronomie sowie der Speiselokale fällt die Bilanz der Wirte erschreckend aus. 83,2 % der bayerischen Betriebe geben an, dass ein wirtschaftliches Handeln unter Berücksichtigung der coronabedingten Auflagen nicht möglich ist.

„Die Lage ist dramatisch“, erklärt Dehoga Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer die Umfrageergebnisse. „In diesem Zusammenhang wäre zum Beispiel eine zeitlich frühere Angleichung der Öffnungszeiten der Außen- an die Innengastronomie sehr wichtig gewesen. Warum das jetzt erst am Dienstag nach Pfingsten möglich sein soll, erschließt sich mir nicht. Wichtig wäre auch, Hochzeiten oder Trauerfeiern wieder zu ermöglichen. Wenn Abstandsregeln und Hygienekonzepte eingehalten werden, macht es doch für ein Virus keinen Unterschied, ob sich Gäste kennen oder nicht.“

Umsatzerwartungen erfüllen sich nicht

Nach der Wiedereröffnung berichten 84 % der Betriebe, dass sich ihre Umsatzerwartungen nicht erfüllt hätten. So meldet fast jedes dritte Restaurant (26,3 %) lediglich einen Umsatz zwischen 25 und 50 % im Vergleich zum Vorjahr. 29,4 % der Betriebe kommen auf einen Umsatz zwischen 10 und 25 % der Vorjahreswerte. 25,1 % der Betriebe erzielen sogar weniger als 10 % der Normalumsätze. Nur bei 19,2 % der Befragten lagen die Umsatzverluste bei weniger als 50 %.

Das Ausmaß der dramatischen Betroffenheit wird deutlich bei der Antwort auf die Frage nach den durch das Coronavirus verursachten Umsatzeinbußen seit dem 1. März 2020. So beklagen die Betriebe durchschnittliche Umsatzverluste in Höhe von 82 %. Bezogen auf das Gesamtjahr rechnen die Betriebe mit einem Umsatzrückgang von mindestens 57 %.

Wirtschaftlicher Schaden enorm

Auch der Blick auf die anstehende Öffnung der Hotellerie zum Pfingstsamstag lässt keine Freude aufkommen. In 69,6 % aller Beherbergungsbetriebe kam es allein aufgrund der Tatsache, dass eine Anreise nicht bereits am Freitagabend möglich ist, zu Gästeabsagen. „Mir kann kein Mensch glaubhaft erklären, dass eine Anreise am Vorabend gegenüber Samstagmorgen das Infektionsrisiko in irgendeiner Art und Weise erhöht hätte“, so die Meinung von Angela Inselkammer, „der wirtschaftliche Schaden, der daraus entstanden ist, ist hingegen enorm.“

Auch dass man erst einmal die Erfahrungen anderer Länder hinsichtlich der Öffnung von Saunen und Wellnessbereichen abwarten wolle, hat konkrete wirtschaftliche Auswirkungen. So gab etwa ein Viertel aller Beherbergungsbetriebe (25,4 %) an, dass das fehlende Wellnessangebot zu Gästeabsagen geführt habe.

„Für mich ist es in keinster Weise nachvollziehbar, dass nach wie vor keine Tagungen in Hotels stattfinden dürfen“, so die Aussage der Präsidentin. „Das verstößt für mich gegen den Gleichheitsgrundsatz. Ein Virus macht doch keinen Unterschied zwischen Tagungen in Bildungseinrichtungen, in denen dies bereits erlaubt ist, und Hotels mit Tagungsräumen. Wenn eine Live-Kabinettssitzung möglich ist, muss doch auch eine Tagung im Hotel möglich sein. Wenn es nunmehr sogar ab 15. Juni Kinos wieder gestattet wird, zu öffnen, warum soll es dann Tagungshotels mit speziellen Hygienekonzepten und unter Einhaltung von Mindestabständen weiterhin verwehrt werden, wieder an den Start zu gehen?“

Überlebenskampf wird andauern

Ähnlich dramatisch wie in der Gastronomie stellt sich also die Buchungslage in der Hotellerie dar. So liegen die Buchungsrückgänge im Juni bei 66 % unter den Werten des Vorjahresmonats. Im August sind es noch 62 % weniger und im September 60 %.

„Die Branche steht erst am Anfang eines langen Überlebenskampfes. Bei derart niedrigen Umsätzen bei erheblich gestiegenen Kosten für Corona-Auflagen und Kredittilgungen wird es ohne weitere staatliche Hilfen sowie möglichst flexible Anpassungen, wann immer es irgendwie möglich ist, nicht gehen. Es darf keine nicht nachvollziehbaren Entscheidungen geben, bei denen der Gleichheitsgrundsatz verletzt wird oder das Infektionsrisiko in keinem Verhältnis zum entstandenen Schaden steht“, lautet das Fazit der Dehoga Bayern-Präsidentin.

Angela Inselkammer erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Betriebe, die noch nicht einmal eine Eröffnungsperspektive haben, darunter Bars, Clubs, Diskotheken oder Festzeltbetreiber: „Wenn wir nicht einen großen Teil unserer gelebten und geliebten Kultur verlieren wollen, muss jetzt ein Rettungsfonds mit direkten, nicht rückzahlbaren Finanzhilfen sehr schnell kommen.“

Infektionsschutzauflagen bremsen Restart

Auch wenn gastronomische Betriebe seit Mitte Mai wieder eingeschränkt Gäste empfangen dürfen, für viele bedeuten die Infektionsschutzauflagen laut einer Umfrage des Leaders Club einen Umsatzrückgang. Die umfangreiche Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.

Jeanette Lesch / Gastroinfoportal

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