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Mitarbeitergesundheit als Priorität?

Datum: 08.04.2021Quelle: B&L MedienGesellschaft | Bild: Colourbox.de / Stockwerk-Fotodesign | Ort: München

Welchen Stellenwert hat die Gesundheit der Küchenmitarbeiter in GV-Betrieben und was kann zur Förderung der Gesundheit unternommen werden? Wir haben bei vier Verantwortlichen aus GV-Betrieben nachgefragt. Sie berichten über die Verknüpfung von BGM mit Mitarbeiterverpflegung, wie eine ergonomische Ausstattung der Küchen Mitarbeiter unterstützen und entlasten kann und gehen der Frage nach, warum es besonders wichtig ist die Gesundheit der Küchenmitarbeiter als Priorität anzusehen.

Jürgen Ziegler, Catering Koordinator, Work & Food Spaces, Global Real Estate & Facilities (GRF) | Region Germany, SAP SE

„Wir sehen unsere Cateringpartner als Teil der SAP-Familie. Wir appellieren dementsprechend an unsere Cateringpartner ihren Mitarbeitern die maximal möglichen Benefits zukommen zu lassen, z. B. ein kostenfreies, gemeinsames Mittagessen. In gemeinsamen Küchenrundgängen mit unseren Arbeitssicherheitsexperten prüfen wir zudem, ob die vertraglich und tariflich geforderten Maßnahmen zum Hygiene- und Gesundheitsschutz umgesetzt werden. Darüber hinaus führen wir mehrere ISO-Zertifizierungen durch, für die auch die Cateringpartner einen entsprechenden Beitrag liefern müssen. Eine wichtige Rolle spielt zudem die passende Küchentechnik, die ergonomische und effektive Küchenprozesse fördert und so das Risiko von Arbeitsunfällen drastisch verringert. Innovative Techniken wie optische Erkennung, Sensoren, Robotik können hier unterstützend Einwirken und Risiken minimieren. Wir freuen uns, wenn sich unsere Küchen dadurch auf kreative Rezepturen und leckere Speisen konzentrieren können.

Außerdem verknüpfen wir das BGM stark mit der Mitarbeiterverpflegung, weshalb wir ab Sommer die Präventionsaktion „Back to healthy habits“ initiieren. Studien zeigen, dass durch Einschränkungen während der Pandemie positive Gewohnheiten abgenommen und negative Gewohnheiten zugenommen haben. Dies gilt insbesondere für Ernährung und Bewegung. Im Rahmen des Gesundheitschecks werden die Mitarbeiter beim Erhalt ihrer Gesundheit und Wohlbefindens unterstützt und entsprechend beraten. Mitte September stand unter dem Motto „Krebsrisiko senken mit Messer und Gabel“ darüber hinaus eine Aktionswoche in den SAP-Betriebsrestaurants auf dem Plan.“

Bertold Kohm, GV-Betriebsleiter, Servicegesellschaft Nordbaden mbH, Wiesloch

„Sicherlich wird die Thematik vielfach noch vernachlässigt – auch wir haben in diesem Punkt spät reagiert. Unsere Mitarbeiter in der Küche gehören vorwiegend der Altersgruppe 45 bis 50 Jahre an und von unserem Beruf weiß man einfach, dass er körperlich anstrengend ist. Hier (präventiv) nichts zu tun, ist der falsche Weg: Unsere Mitarbeiter sind für uns das größte Potenzial. Wenn ich ein Team habe, das denkt, wir würden uns nicht um es kümmern, ist das schlecht. Durch die Einführung gezielter BGM-Maßnahmen auch für das Küchenteam tun wir nicht nur aktiv etwas für seine Gesundheit, sondern tragen auch zur allgemeinen Mitarbeitermotivation bei.“

Michael Kroll, Mitglied im Betriebsrat und bis 2018 Gruppenleiter Speisenversorgung, UKGM Marburg, zertifizierter Konfliktberater, Marburg

„Meiner Meinung nach wird viel Potenzial verschenkt! Dienstleister, wie eine Küche, haben einen entscheidenden Nachteil: sie müssen funktionieren. Erst wenn die gewohnte Leistung bzw. Qualität nicht mehr vollumfänglich erbracht werden kann, wird reagiert.

Gesundheitliche Prävention ist in vielen Betrieben „Terra incognita“, kostet ja auch Geld und bindet eventuell personelle Ressourcen. Mir scheint, dass es bei vielen Leitungskräften und Entscheidern noch nicht angekommen ist, dass es sich bei Küchenpersonal, egal ob Fach- oder angelerntes Personal, um eine wertvolle Ressource handelt und nicht um ein Verbrauchsmaterial, das beliebig nachgeordert werden kann. Daher investieren wir in die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Sämtliche in den vergangenen Jahren durchgeführten Modernisierungs- oder Baumaßnahmen wurden immer so geplant und umgesetzt, dass es zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen gekommen ist. Dazu zählen u. a. die Komplettsanierung der Spülküche inklusive Fußboden, Be- und Entlüftung sowie der Spültechnik oder die Beschaffung von Hilfsmitteln für gesundheitlich eingeschränkte Mitarbeiter.“

Matthias Kienzle, Bereichsleitung Küche, Medizinische Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell, Mettnau, Radolfzell

„Ich definiere Gesundheit, die ich beeinflussen kann, mal mit Beweglichkeit. Die müssen wir uns absolut bewahren. Es geht dabei aber nicht um Schönheitswahn oder darum, ein Muskelprotz zu werden. Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital – und nicht nur das Auto in der Garage soll gepflegt sein. Wer an seinem Körper Freude hat, weil er beweglich ist, ist auch geistig beweglich und der hat auch Freude am Leben. Diese Personen sind somit glücklicher und dementsprechend auch belastbarer. Aber auch hier gilt: ohne Fleiß keinen Preis. Sportliche Aktivität sowie eine ausgewogene und bewusste Ernährung funktionieren nicht von alleine. Dazu können wir aber einen Anstoß geben – wenn auch nur einen kleinen. Diejenigen, die gerne aktiv sind, freuen sich auf ein betriebliches Sportangebot. Aber gerade diejenigen, die bisher die erste Hürde nicht genommen haben, sind wichtig. Und die kann ein Betrieb und Abteilungsleiter natürlich besser erreichen als eine Krankenkasse oder der Bundesgesundheitsminister, weil wir täglich mit ihnen zu tun haben.

Aber auch eine ergonomische Ausrichtung der Küche ist wichtig, denn genau diese Faktoren können schleichende gesundheitliche Schädigungen herbeiführen, die man nicht unbedingt einfach rückgängig machen kann. Investitionen sind oft mit erheblichen Kosten verbunden, langfristig führt daran aber kein Weg vorbei.“

Interessiert an weiteren Beiträgen rund um das Thema Gesundheit und BGM?

Dann lesen Sie ab dem 12. April 2021 im GVMANAGER mehr zu BGM für Küchenmitarbeiter und erfahren Sie, welche weiteren Maßnahmen man bei SAP, dem UKGM, der SG Wiesloch und der Medizinischen Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell umgesetzt werden.

Welchen Belastungen sind Küchenmitarbeitern bei ihrer täglichen Arbeit überhaupt ausgesetzt, wie kann diesen entgegengewirkt werden und welche Rolle spielt Stress dabei? Das und mehr hat uns Annika Franke, BA Management im Gesundheitstourismus und BGM-Dozentin an der Deutschen Hotelakademie, im Interview beantwortet. Über Fördermöglichkeiten und Auswirkungen der Corona-Pandemie auf BGM erfahren Sie mehr im Beitrag „Team Gesundheit“.

Sarah Hercht / Redaktion GVMANAGER

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