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Wie schafft man es 120 Festangestellte durch die Corona-Zeit zu bringen? Markus Bauer, Geschäftsführer der Mahavi Group, über die Faktoren Teamwork und Wertschätzung.

Als Familie durch die Krise

Datum: 29.07.2021Quelle: Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit | Bild: Mahavi Group | Ort: München

Die Mahavi Group hat sich auf Design in der Gastronomie und Hotellerie, gastronomische Markenarchitektur, Markenkommunikation und Markenentwicklung spezialisiert. Dazu kommen zahlreiche eigene gastronomische Betriebe, darunter die Martha Pizzeria, das Marthabräu und ganz neu das Strandhotel Berg am Starnberger See.

Trotz der Pandemie stehen die Zeichen auf Expansion und Investition. Aber wie kommt man als großer Arbeitgeber mit einer Vielzahl von Angestellten gut durch diese Ausnahmesituation? Wir sprachen mit Geschäftsführer Markus Bauer, der erklärt, auf welche wesentlichen Faktoren es ankommt.

Markus Bauer im Gespräch

Herr Bauer, viele Arbeitnehmer, gerade aus dem Gastgewerbe, bang(t)en aufgrund der Coronakrise um ihren Job. Sie mussten keinen kündigen, wie haben Sie das geschafft?

Auch wir haben Mitarbeiter verloren, aber im Vergleich zu anderen Kollegen sprechen wir hier von einem minimalen Prozentsatz. Es fehlte eben das Trinkgeld und auch die Zuschläge. Da bekam der eine oder andere, verständlicherweise, Existenzängste.

Wichtig war uns als Arbeitgeber, dass wir diese Ausnahmesituation gemeinsam als Team durchstehen und keiner auf der Strecke bleibt.

Wie haben Sie als Chef Ihre Wertschätzung deutlich gemacht?

Grundsätzlich haben wir die ganze Zeit über mit unseren Mitarbeitern Kontakt gehalten. Es gab WhatsApp-Gruppen, Anrufe, aber auch Kontakt vor Ort in unseren einzelnen Betrieben. Darüber hinaus haben wir unseren Mitarbeitern Hilfe angeboten und ihnen das Gefühl gegeben, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine dastehen. So haben wir etwa an jeden einen Bonus ausgezahlt. Auch finanzielle Unterstützung in Form eines Darlehens war möglich, sofern gewünscht. Dafür haben wir eigens ein Formular entwickelt, dass uns und vor allem den Mitarbeitern eine unbürokratische Hilfe geboten hat.

Bekommen Sie Feedback von Ihren Mitarbeitern?

Ja und es ist schön zu sehen, dass sich die Mahavi Family so gut versteht und mit welcher Loyalität sie hinter dem Unternehmen stehen. Das macht mich als Unternehmer stolz. Nicht grundlos sind viele Mitarbeiter schon über zehn Jahre dabei.

Waren Sie denn auf solch einen Katastrophenfall vorbereitet?

Nein, die Pandemie und die damit einhergehenden Umstände kamen aus heiterem Himmel. Aber wir wissen ja wie es in Deutschland und dem Gastgewerbe läuft. Bürokratie ist hier das oberste Gebot. Uns war also von Anfang an klar, dass wir selbst schauen müssen, wo wir als Unternehmensgruppe bleiben. Wenn man sich nämlich auf die Politik verlässt, ist man verlassen.

Wie gut sind Sie als Unternehmen denn bislang durch die Pandemie gekommen?

Wir haben unsere Zahlen im Griff. Wir wissen, was wir wo brauchen und in welchen Bereichen was möglich ist. Für uns war und ist deshalb auch klar, dass wir erst (vollständig) öffnen, wenn es wirtschaftlich wieder Sinn ergibt.

Das bedeutet aber auch, dass wir zum Beispiel bereits vier Wochen vor dem zweiten Lockdown unsere Betriebe geschlossen haben. Es war u. a. anhand der verhaltenen Gästeanfragen absehbar. Auch lohnt sich nicht in jedem unserer Betriebe ein Take-away-Angebot, sodass wir uns lediglich in zwei Betrieben dazu entschlossen haben, diesen Weg einzuschlagen. Und bis heute laufen nicht alle Betriebe im „normalen“ Modus.

Seitens der Politik fühlt man sich als Gastgeber ja auch oft unverstanden…

Ja, vor allem weil das Gastro-Geschäft als solches nicht ganzheitlich verstanden wird. Da vermisse ich mitunter das wirtschaftliche Denken. Man macht aber einen Betrieb innerhalb von drei Tagen nicht einfach wieder startklar, schließt die Türen auf und lässt die Gäste rein. Zudem hält die durch die Medien und Politik geschürte Angst immer noch die Gäste zurück. Es fehlt einfach eine langfristige Perspektive!

Wie hoffnungsvoll blicken Sie in den Herbst?

Was die Buchungslage angeht stabilisieren sich die Zahlen. Allerdings steigen andere Zahlen aufgrund der Delta-Mutation. Und es wird immer Mutanten geben. Daher bleibt die Frage, was im Herbst passiert. Fakt ist, einen weiteren Lockdown überlebt die Branche nicht, selbst wenn man als Betrieb gut aufgestellt ist.

Was sollten Gastgeber aus der Krise lernen? Welche (Vorsorge-)Maßnahmen können für die Zukunft getroffen werden?

Ganz ehrlich? Nach den schwierigen Monaten sollte man sich hinsetzen und fragen, ob man als Gastgeber weiter machen will. Macht mir meine Arbeit noch Spaß? Und stimmt die wirtschaftliche Basis? Wenn man all diese Fragen zu 100 Prozent mit „Ja“ beantworten kann, gerne weitermachen. Und ansonsten schauen, inwieweit eine Veränderung, etwa in Form eines Zusammenschlusses oder einer Kooperation, möglich ist und Unterstützung holen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit / Jeanette Lesch

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