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Einkaufswagen zur Lebensmittelbeschaffung während Corona.

Wie bestellt & geliefert?

Datum: 18.05.2020Quelle: B&L Medien | Fotos: Colourbox.de, privat | Ort: München

Um die Speisenversorgung ihrer Gäste weiterhin gewährleisten zu können, ist eine reibungslose Lebensmittelbeschaffung für GV-Betriebe unabdingbar. Was hat sich in Sachen Bestellung angesichts des Coronavirus verändert? Wir haben bei Frank Schwarz, Geschäftsführer der Frank Schwarz Gastro Group in Duisburg, und Frank Dornsiepen, Küchenleiter im Alten-Wohn-Pflegeheim Christkönig in Bad Wildungen, nachgefragt (Stand: Ende April).

Lebensmittelbezug während Corona

Frank Schwarz von FSGG über die Lebensmittelbeschaffung während Corona.Herr Schwarz, welche Auswirkungen hat das Coronavirus aktuell auf Ihren Betrieb – was hat sich konkret geändert?

Die Lage ist schlichtweg katastrophal. Uns wurde die Geschäftsgrundlage entzogen, was zu einem wirtschaftlichen Totalausfall führte. Bis zur Schließung waren wir neben der Schul- und Kitaverpflegung auch für private Kunden (Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, Kommunion, Konfirmation) tätig. Es findet nichts mehr statt. Absoluter Stillstand. Hinzu kommt der Wegfall von Messeveranstaltungen und die Schließung unserer gastronomischen Betriebe in Berlin.

Wie glauben Sie, wird sich dies kurz- bzw. langfristig weiterentwickeln?

Die aktuellen Beschlüsse zu den gelockerten Maßnahmen sind für die gesamte gastgewerbliche Branche eine wahre Katastrophe und ein finanzielles Fiasko. Ich gehe davon aus, dass sich die angespannte Lage im Herbst etwas verbessern wird. Allerdings vermute ich diese Entwicklung nur im Privatkundenbereich und bei kleinteiligen Lieferungen.
Großveranstaltungen jedweder Art werden nicht stattfinden. Das Eventgeschäft wird dadurch bis ins Jahr 2022 nachhaltig gestört sein.

Inwiefern bemerken Sie auch von Lieferantenseite Engpässe? Ist der Bezug von (internationalen) Produkten aktuell eingeschränkt?

Derzeit versorgen wir zwei Flüchtlingsheime in der Region, die wegen Coronaverdacht unter Quarantäne stehen, mit Frühstück, Mittag- und Abendessen. Es ist für uns jetzt schon kompliziert, entsprechende Ware für rund 300 Mahlzeiten zu bekommen.
Der Bezug regionaler Lebensmittel ist leider stark zurückgegangen. Die Angebote sind zwar da, aber wir verkaufen ja zurzeit nichts oder nur in einem sehr geringen Umfang.

Glauben Sie, dass Just-in-Time-Lieferungen künftig seltener werden?

Nur durch unsere Unternehmensgröße, vorhandener Liquidität und entsprechender Lagerkapazitäten ist es uns derzeit noch möglich, „just in time“ zu liefern.
Wenn die Krise jedoch weiterhin anhält und das faktische Berufsverbot fürs Gastgewerbe bestehen bleibt, wird sich die Lage dramatisch ändern. Dann wird die Branche komplett kollabieren.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Frank Dornsiepen über die Lebensmittelbeschaffung während Corona.Herr Dornsiepen, wie agieren Sie in der aktuellen Situation in puncto Lebensmittelbestellungen? Haben Sie Vorräte angelegt?

Bestellungen werden von unserer Küche aktuell in Zeiten von Corona früher ausgelöst, damit die Waren vom Lieferanten besser organisiert werden können. Dadurch besteht für mich die Möglichkeit, bei Bedarf nach Alternativen zu suchen, sollte ich von unserem Lieferanten die Information erhalten, dass bestimmte Waren nicht lieferbar sind.
Eine Bestellung auf Vorrat ist in unserem Hause nur bedingt möglich, da unsere Lagerkapazitäten nicht allzu groß sind: Wir können hier maximal Ware für zehn Tage lagern.

Glauben Sie, dass Just-in-Time-Lieferungen mit den aktuellen Gegebenheiten (noch) umsetzbar sind?

Ich denke, dass Lieferungen just in time in der Zukunft möglich sind – nur sollten wir uns darauf einstellen, unseren Lieferanten unsere Bestellungen früher zukommen zu lassen, umso die Möglichkeit zu haben, bei Engpässen frühzeitig zu planen.

Wie wirkt sich die Krise auf den Bezug von internationalen und regionalen Produkten aus?

Der Bezug von internationalen Produkten ist in der jetzigen Zeit teurer und schwieriger geworden. Deshalb ist es genau in solchen Situationen wichtig, einen Havarieplan zu haben und eine gesunde Kommunikation mit allen Beteiligten – vom Bewohner, Kunden bis zum Lieferanten.
Natürlich weiche ich auch in dieser Zeit auf kleinere regionale Lieferanten aus: Das bedeutet für uns, flexibel im Lieferrhythmus, im Speiseplan und der Kreativität zu sein.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Veränderungen durch das Coronavirus

Weitere Interviews zum Thema Lebensmittelbezug während Corona finden Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Fachmagazins GVMANAGER. Hier standen uns Lothar Stützle von der Neuland-Küche/Die Zieglerschen in Wilhelmsdorf, Peter Beer von den Evang. Kliniken Essen-Mitte und Andreas Giel, Geschäftsführer der Giel Planungsgesellschaft, Rede und Antwort.

Sarah Hercht / Redaktion GVMANAGER

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