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e-Shop eingeführt: Mitarbeiter der Diakonie Stetten können Lebensmittel online bestellen.

„e-Shop“ für Mitarbeiter der Diakonie Stetten etabliert

Datum: 06.04.2020Quelle: Inhalt: Redaktion GVMANAGER | Fotos: Colourbox.de, Diakonie Stetten | Ort: Kernen i. R.

Bei der Diakonie Stetten gibt es seit dem 1. April einen „e-Shop“, über den Mitarbeiter Lebensmittel online bestellen können. Der Hintergrund: Steffen Köhler, Betriebsleiter der Zentralküche, und sein Team nutzen ihr Potenzial, um Mitarbeitern der Diakonie während der Pandemie die Möglichkeit zu geben, einzukaufen, ohne Gefahr zu laufen, vor leeren Regalen zu stehen.
Nach dem Start des e-Shops vor wenigen Tagen wird dieser von den ersten Mitarbeitern gut angenommen, sodass die ersten Bestellungen bereits per Excel-Datei getätigt wurden und diese dann abgeholt werden konnten.

Lebensmittel online bestellen

Wie der e-Shop umgesetzt wird, wie Online-Bestellung und Abholung erfolgen und welche Lebensmittel es zu kaufen gibt, hat uns der Betriebsleiter der Zentralküche Steffen Köhler im Interview berichtet:

Steffen Köhler, Betriebsleiter Zentralküche der Diakonie Stetten, hatte die Idee, dass Mitarbeiter bei ihm Lebensmittel online bestellen können.
Steffen Köhler

Herr Köhler, wie kamen Sie auf die Idee, eine Art e-Shop für Standortmitarbeiter ins Leben zu rufen?

Wir haben einen eigenen Laden, in dem wir Produkte aus unseren eigenen Betrieben, Bäckerei und Metzgerei verkaufen. Dieser wurde einhergehend mit der Pandemie-Krisenplanung geschlossen. Da wir dennoch für unsere Klienten – wir bieten schwerst mehrfach körperlich und geistig beeinträchtigen Menschen ein Zuhause und die entsprechende Förderung – Mittag- und Abendessen kochen und Bäckerei und Metzgerei weiter produzieren, lag es nahe mit einem Abholservice den Laden so in der Krisenzeit „wieder zu eröffnen“.

Welchen Vorteil bietet diese Möglichkeit für die Mitarbeiter der Diakonie Stetten, für die dieser Service gedacht ist?

Wir produzieren ja ohnehin und vermarkten die Produkte nun auf diese Weise – kauften doch vorher auch schon viele aus der Mitarbeiterschaft im richtigen Laden die Produkte. Der Vorteil für die Mitarbeiter ist, dass sie sich neben dem Alltagsgeschäft unter erschwerten Bedingungen durch die Krise, nach Feierabend nicht mehr in den Supermarkt, zum Bäcker oder Metzger begeben müssen, um noch einzukaufen und eventuell Gefahr laufen, vor leeren Regalen zu stehen. Sie können seit dem 1. April bei uns einfach Lebensmittel online bestellen.

Wie wurde der e-Shop in Ihrem Haus in die Tat umgesetzt?

Im Vorfeld habe ich beim internen Krisenstab klären lassen, ob das Angebot akzeptiert wird. Momentan sind nur die Pfleger und weitere unabdingbar benötigte Mitarbeiter hier im Standort tätig. Dass wir diesen Service anbieten, fordert schließlich auch wieder Personalressourcen. Primär gilt es die Klienten zu versorgen.

Der Aufwand zur Umsetzung des e-Shops war daher gering. Es wurde kein e-Shop programmiert, sondern einfach eine Excel-Datei mit Dropdown-Listen erstellt. Alle Preise, sofern nicht ohnehin schon vorhanden, haben wir kalkuliert und in die Liste eingetragen.

Wie läuft die Online-Bestellung ab? Wie erfolgt die Bereitstellung der verpackten Waren?

Die Bestellung erfolgt per E-Mail: Dafür wählt der Besteller seine Produkte aus, trägt die Menge ein und erhält den Verkaufspreis mit ausgewiesener Mehrwertsteuer. Abholungen sind nur nachmittags am Montag, Mittwoch und Freitag möglich. Bei unserer Küchenleitungs-Assistentin laufen jetzt die Bestellungen auf.

Die bestellte Ware verpacken wir in Kisten, die wir aber nicht ausgeben können, da wir sonst noch ein Pfandsystem aufbauen müssten. Das wäre zu kompliziert. Deswegen steht im Bestellschein der Hinweis, dass Tüten, Taschen, Kisten zum Umpacken mitgebracht werden müssen. Jeder Besteller bekommt seine Bestellung mit Lieferschein ausgehändigt. Es wird bargeldlos abgerechnet. Der Service richtet sich daher nur an eigene Mitarbeiter im Konzern, Fremde können nicht bestellen. Wir wollen dem Handel keine Konkurrenz machen. Und da vorrangig das Angebot nur für die aktiven Standortmitarbeiter gilt, können sie es nach dem Arbeitsende bei uns abholen.

Welche Art von Lebensmitteln werden über den e-Shop angeboten? Wie machen Sie darauf aufmerksam?

Das Sortiment unseres Ladens haben wir etwas erweitert: Es gibt Grundnahrungsmittel, Molkereiprodukte und Brotaufstriche, sodass man Frühstück und Abendessen abdecken kann. Zudem gibt es unsere Eigenprodukte aus Metzgerei und Bäckerei, dazu noch Backzutaten, damit es auch gelingt, Brot, Brötchen oder Kuchen selbst zu backen.

Gestartet sind wir am 1. April und haben dafür intern Werbung gemacht – es war quasi ein Selbstläufer, nachdem der Krisenstab und die darin beteiligten Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder davon erfahren haben und auch Artikel speziell nachgefragt haben. Die Führung brach es herunter auf die untergeordneten Ebenen und das reichte für unser Marketing.

Was hat sich darüber hinaus durch die gegenwärtige Situation in Ihrem Berufsalltag verändert?

Wir kochen durch die Pandemie in der Tat nur noch intern für den Konzern mit etwa 25 Prozent dessen, was wir normalerweise um die Zeit mit Schul- und Kitabetrieb zu erledigen hätten. Die Mannschaft ist verringert, weil wir in anderen Bereichen, zum Beispiel in der eigenen Spedition mit Beifahrern aushelfen müssen. Die Beifahrer, vormals Klienten, die über den Werkstatt- und Förderbereich, dort arbeiteten, dürfen derzeitig nicht an ihre Arbeitsplätze kommen. Die Arbeitszeiten sind in einigen Bereichen verringert, zum Beispiel in unserer Behälterspülküche: Die Geschirrspülmaschine musste vorher zehneinhalb Stunden täglich laufen, damit wir das Geschirr gespült bekommen. Die Mitarbeiter dort, mussten schichten. Jetzt läuft die Maschine nur noch siebeneinhalb Stunden – das geht mit einer Schicht.

Die Prozesse beim Kochen kann man hingegen nicht so einfach beschleunigen. Wir kochen noch sehr viel klassisch. Es gibt keine Kaltquellprodukte oder dergleichen. 1.000 oder 3.000 Portionen fallen da nur in den Zutatenmengen ins Gewicht, weniger in der Kochzeit, die bleibt nahezu identisch, wenn man mal die kürzeren Aufheizzeiten der Geräte außer Acht lässt. Die Portionierung geht dafür schneller, und dort benötigen wir weniger Personal. Dennoch können wir die Verringerung im Aufwand in einigen Bereichen nutzen, zum Beispiel mit der Möglichkeit einen e-Shop für Lebensmittel nebenher zu etablieren. Die Vielzahl an Essen ist für uns alltägliches Geschäft, wenn das wiederkehrt, wird der e-Shop eingestellt.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Vorreiterrolle

Wie beim e-Shop für Lebensmittel war die Zentralküche der damaligen Anstalt Stetten 1969 Vorreiter, als sie ein eigens entwickeltes und patentiertes Kaltverteilungssystem in Betrieb nahm. Wie es zu dieser Cook & Chill-Pionierleistung kam und wie die Lösung heute aussieht, hat VKK-Mitglied Steffen Köhler in einem Interview im GVMANAGER 12/2019 berichtet.

Sarah Hercht / Gastroinfoportal

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