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Checkliste

Krisenbewältigung – Ein Leitfaden

Datum: 25.03.2020Quelle: Chefs Culinar / Foto: Photo by Jacqueline Kelly on Unsplash / Ort: Kiel

Chefs Culinar bietet ein Rezept für die Liquiditätssicherung. Damit soll Betrieben geholfen werden, die Krise nachhaltig zu meistern.

Hilfestellung bei der Umsetzung

Die wirtschaftliche Lage der Hotellerie und Gastronomie verschlechtert sich im Zeichen der Coronakrise zunehmend und führt viele klein- und mittelständische Betriebe in eine noch nie dagewesene Notsituation. Die Politik überschlägt sich mit Rettungsmaßnahmen, mit der Umsetzung ist der Gastronom und Hotelier jedoch auf sich alleine gestellt. Daher finden Sie hier einen Leitfaden für den Umgang mit der Krise und den öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen.

Großes Angebot

Kurzarbeitergeld, Liquiditätshilfen, Ausfallbürgschaften, Steuerstundung oder Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sind die viel diskutierten Schlagworte der wirtschaftlichen Krisenbewältigung. Schlagworte, welche im praktischen Umgang für den klein- und mittelständischen Hotelier und Gastronomen „Böhmische Dörfer“ sind und auch bei vielen Steuerberatern zu Stirnrunzeln führen.

Die wichtigste Frage in der Notsituation ist: Wie kann ich die Liquidität meines Unternehmens in der Krise und darüber hinaus sicherstellen?

Neben Sofortmaßnahmen, welche häufig für die Überbrückung einer kurzen Krise ausreichend sind, müssen im Fall der Coronakrise auch Maßnahmen für eine nachhaltige Bewältigung einer länger anhaltenden Krise ergriffen werden.

Versuchen Sie Ihre Stornokonditionen durchzusetzen und halten Sie alle Stornierungen akribisch fest. Nur so ist es möglich, Ihren Umsatzausfall gegenüber potentiellen Finanzierungspartnern bestmöglich zu dokumentieren.

Prüfen Sie die Möglichkeiten ergänzende Umsatzpotentiale zu generieren. Das Delivery-Geschäft kann in Zeiten beschränkter Öffnungszeiten oder auch Zwangsschließungen eine erträgliche Umsatzquelle sein, was vor allem für den großstädtischen Raum gilt. Zu prüfen ist auch die Möglichkeit des Take-Away-Geschäftes. Hilfestellungen für die Produktauswahl, das richtige Verpackungsmaterial und die Einhaltung der Hygienevorschriften bietet Chefs Culinar.

Eine sehr schwierige, jedoch in Krisenzeiten unumgängliche Maßnahme, welche das Ziel haben muss, Schlüsselpositionen weiterhin qualitativ adäquat zu besetzen und einen Mitarbeiterstamm zu halten, mit welchem der Betrieb jederzeit wieder hochgefahren bzw. an den Start gebracht werden kann.
Bevor Sie Mitarbeiter entlassen, führen Sie die zu leistenden Arbeitsstunden auf das Notwendigste zurück. Nehmen Sie – soweit möglich – betriebsbedingte Änderungskündigungen zur Reduzierung der vereinbarten Arbeitszeit vor. Bauen sie Überstunden und Urlaubsansprüche weitestgehend sofort ab, was auch eine Bedingung für die Beantragung von Kurzarbeitergeld sein kann.

  • Wenn es Ihnen wegen der Ausfälle von Arbeit nicht möglich sein sollte, Löhne zu zahlen oder absehbar ist, dass die Lohnzahlung nicht vollständig möglich sein wird, empfiehlt es sich, frühzeitig Kurzarbeitergeld (KuG) zu beantragen. Der Bundestag hat am 13. März 2020 Änderungen für Kurzarbeitergeld beschlossen. Diese gelten bis zum 31. Dezember 2021. Neu ist, dass es genügt, dass 10 Prozent der Beschäftigten (bisher 1/3) vom Arbeitsausfall/Entgeldausfall betroffen sind. Die maximale Förderdauer beträgt 12 Monate, kann aber auf bis zu 24 Monate verlängert werden. Neu ist weiterhin, dass der Staat die Sozialbeiträge für die Ausfallstunden mitträgt.
  • Soll Kurzarbeit beantragt werden, so müssen Sie zuerst die Mitarbeiter informieren. Dann wird eine Vereinbarung mit allen Mitarbeitern (zustimmungspflichtig) oder falls vorhanden mit dem Betriebsrat geschlossen. Dann kann der Antrag bei der zuständigen Arbeitsagentur eingereicht werden. Die Beantragung kann rückwirkend zum 01. März erfolgen. Weitere Infos zur Kurzarbeit finden sich online.

Bei festen Energievorauszahlungen sollten Sie auf Ihren Energieversorger zugehen und die Vorauszahlungen auf ein Mindestmaß reduzieren. Hier reicht häufig ein Anruf aus.

Passen Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater die Steuervorauszahlungen an den zu erwartenden Minderumsatz- und Minderertrag an. Derzeit vorhandene Steuerschulden können gestundet werden.

  • Verhandeln Sie mit Ihrem Verpächter die Möglichkeit einer Pachtaussetzung oder Pachtstundung. Die meisten Verpächter sind in Zeiten der Coronakrise zu Zugeständnissen bereit und verlieren nur ungern einen bisher solventen Partner.
  • Die Bundesregierung steht hier in Überlegungen zur Auflage eines Sonderfonds, welcher auch Pachtzahlungen übernehmen soll. Die Voraussetzungen und die Höhe werden voraussichtlich in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Verhandeln Sie mit Ihrer Bank die Möglichkeit einer Tilgungsaussetzung bzw. einer Darlehensstreckung. Dies ist bei guter Gesprächsvorbereitung in Zeiten von Corona deutlich einfacher umsetzbar.

Eine liquiditätsschonende Maßnahme kann auch eine geplante Schließung des Betriebes über einen begrenzten Zeitraum von 1 bis 2 Monaten sein. Diese sollte allerdings in Zusammenarbeit mit einem Fachberater und/oder dem Steuerberater gut vorbereitet und durchgerechnet werden und bedarf begleitender Maßnahmen (siehe auch Krisenplan im Folgenden).

Prüfen Sie Ihre Betriebsschließungs- bzw. Betriebsunterbrechungsversicherung auf eine mögliche Infektionsschutzklausel, welche die Voraussetzung für eine mögliche Versicherungsentschädigung darstellt.

Sofortmaßnahmen nutzen

Neben diesen Sofortmaßnahmen werden von Seiten der Landesregierungen seit 18. März erste Soforthilfe-Programme als Liquiditätszuschüsse in Abhängigkeit zur Mitarbeiterzahl ausgegeben. In Bayern z. B. richtet sich dieses Förderprogramm an Freiberufler, Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. Die Soforthilfe wird gestaffelt und soll schnell und unbürokratisch ausbezahlt werden. Die Staffelung: bis fünf Mitarbeiter 5.000 €, bis zehn Mitarbeiter 7.500 €, bis 50 Mitarbeiter 15.000 €, bis 250 Mitarbeiter 30.000 €.

Eva Fürst / Gastroinfoportal

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