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Nach Angaben der Initiative Gastgeberkreis haben viele Betriebe ihre Türen bereits für immer geschlossen. Die Forderungen der Initiative sind deshalb eindeutig.

Im Stich gelassen

Datum: 20.01.2021Quelle: Gastgeberkreis | Bild: Colourbox.de | Ort: Stuttgart

Deutsche Gastronomen und Gastronomiebetriebe schlagen Alarm und rufen verzweifelt um Hilfe. Ohne sofortige, unbürokratische und umfassende Hilfen gäbe es in kürzester Zeit ein Massensterben von Gastronomiebetrieben. Nach Angaben der Initiative Gastgeberkreis, die Gastronomen in ihrer Not gegründet haben, haben aufgrund fehlender Umsätze und mangelnder Hilfen viele Gastronomiebetriebe ihre Türen bereits für immer geschlossen. „So zeigen aktuelle Zahlen der NPD Group Deutschland, dass von März bis Dezember 2020 gegenüber 2019 in den Gastronomiebetrieben ohne Handel ein absoluter Verlust von minus 45 % zu verzeichnen ist. Pro Lockdown-Monat verliert die Gastronomie dabei rund 55 % ihres Umsatzes. Während also Großunternehmen im Licht der Öffentlichkeit mit Milliardenhilfen gerettet werden, sterben aktuell unzählige deutsche Gastronomiebetriebe im Stillen. Die Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung sind richtig. Aber wenn Bundes- und Landesregierungen diese veranlassen, müssen sie auch ihrem Versprechen nachkommen, den Betrieben schnell und unbürokratisch zu helfen“, so die Meinung von Prof. Dr. Torsten Olderog von der AKAD University Stuttgart, einer der Sprecher der Initiative.

„Offenbar hat die Politik nur ein Auge auf in Schräglage geratene börsennotierte Konzerne, sieht aber nicht, in welcher Not die Gastronomiebetriebe und Gastronomen stecken.“

Forderungen der Initiative Gastgeberkreis

Auch Mirko Silz, CEO bei L‘Osteria und Mitinitiator des Gastgeberkreises ist alarmiert: „Offenbar hat die Politik nur ein Auge auf in Schräglage geratene börsennotierte Konzerne, sieht aber nicht, in welcher Not die Gastronomiebetriebe und Gastronomen stecken. Wir fühlen uns im Stich gelassen. Nur ein Bruchteil der Novemberhilfen ist ausgezahlt, die bürokratischen Hürden sind hoch, zudem wurden nachträglich die Voraussetzungen für die Unterstützung geändert. Eine Branche mit gut zwei Millionen Beschäftigen braucht sofortige, unbürokratische und umfassende Hilfe, sonst wird aus dem bereits erfolgenden Sterben vieler Betriebe der Tod einer ganzen Branche! Die Bundesregierung muss nun schnellstmöglich die Interessen des heimischen Mittelstandes in Brüssel durchsetzen und die Schwellenwerte des EU-Beihilferechtes anheben.“

Es liege im Interesse des Staates und der Gesellschaft, die Gastrobranche jetzt umfangreich und schnell zu unterstützen, damit so viele Betriebe wie möglich diese Krise überstehen und ihre Wirtschaftskraft erhalten bleibt. Die Zusage der Bundesregierung, die Umsätze ab November 2020 zu 75 % zu kompensieren, war auch mit dem Versprechen verbunden, diese Hilfen schnell auszuzahlen – dies ist bislang nur zu einem kleinen Teil erfolgt. Somit fühlen sich viele Gastronomen geradezu getäuscht, außerdem könnten noch in diesem Frühjahr zahlreiche Betriebe in die Insolvenz gehen. Damit die Gastronomen nicht am langen Arm verhungern, muss die Liquidität durch unbürokratische und kurzfristige Entschädigung gesichert bleiben, so die Forderung der Initiative.

„Wenn die versprochenen Hilfen nicht zügig komplett ausbezahlt und auch weitere Schließungen nicht ausreichend entschädigt werden, wird dies einen schweren strukturellen Schaden in der Gastronomiebranche anrichten.“

Forderungen im Überblick

  1. Die Gastronomie darf nicht weit über dem Niveau anderer Branchen belastet werden. Jede Schließung muss Entschädigungen in Höhe der unverschuldeten Verluste nach sich ziehen. Es geht um die normale Definition von Verlusten – ohne Kleingedrucktes. Es geht nicht um die Entschädigung von entgangenen Gewinnen – sondern um die Sicherung der Existenz.
  2. Die Gastronomie darf nicht am langen Arm verhungern. Die Entschädigungen müssen so unbürokratisch und kurzfristig kommen, dass die Liquidität gesichert bleibt. Steuerberater müssen in der Lage sein, beim Antrag zu unterstützen. Verfahren müssen transparent sein und dürfen nicht dynamisch sein. Örtliche Finanzämter müssen in die Hilfsleistungen eingebunden werden, um schnelle Hilfen zu gewährleisten. Behörden und Finanzämter müssen verlässliche Auskünfte zu Verfahren und Vorgehensweisen geben.
  3. Professionelles Wirtschaften braucht Planungssicherheit – auch in der Gastronomie. Wenn die Wirtschaft wieder hochfährt muss die Gastronomie direkt wieder geöffnet werden. Sie ist nach wie vor der sicherste Ort, um sich zu treffen. Die Gastronomie muss von den Vorleistungen aus dem vergangenen Sommer profitieren und bei der ersten Öffnungswelle dabei sein. Die Gastronomie darf nicht weiter als unsicherer Ort stigmatisiert werden.

„Das Gastgewerbe in Deutschland hat noch 2019 93,6 Milliarden Euro umgesetzt. Im Corona-Jahr 2020 ist der Umsatz um gut 50 % eingebrochen. Die Lage ist also mehr als dramatisch – wir reden hier von zwei Millionen Beschäftigten, deren Existenz jetzt auf dem Spiel steht, wenn die Politik nicht endlich reagiert“, erklärt Prof. Dr. Olderog. „Wenn die versprochenen Hilfen nicht zügig komplett ausbezahlt und auch weitere Schließungen nicht ausreichend entschädigt werden, wird dies einen schweren strukturellen Schaden in der Gastronomiebranche anrichten.“

Handeln erforderlich

Um die Gastro-Kultur in Deutschland zu erhalten, muss die Bundesregierung stärker auf die Besonderheiten dieser Branche eingehen. Der Faktor Zeit ist nach Angaben der Initiative existenziell, denn Mieten und Personalkosten sind im Gastgewerbe überproportional hoch bei oft niedrigen Gewinnmargen. „Es haben zwar 80 % der Gastronomiebetriebe das Angebot der Kurzarbeit in Anspruch genommen, trotzdem musste die Hälfte der Betriebe bereits Mitarbeiter entlassen oder ist nach einer Dehoga-Umfrage in naher Zukunft dazu gezwungen“, erklärt Stephan von Bülow, CEO der Block-Gruppe. „Hinzu kommt der Umstand, dass das Gastgewerbe traditionell auch viele alleinerziehende Mütter in Teilzeit und Menschen ohne abgeschlossene Bildungshistorie oder Studierende als Aushilfskräfte beschäftigt hier greift das Mittel Kurzarbeit einfach nicht wirksam genug. Auch gibt es keine andere Branche, in der die Quote der selbstständigen Unternehmer größer ist. Restaurants, Cafés und Caterer brauchen dringend die zugesagten staatlichen Hilfen, jede Woche Verzögerung richtet nachhaltigen Schaden in den Betrieben an – aber auch in der Lebensführung der betroffenen Menschen“, ergänzt er.

Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

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