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Wie meistert Sodexo die Coronakrise? Interview mit Dieter Gitzen über Herausforderungen und Maßnahmen.

Hoffen auf Normalbetrieb

Datum: 17.07.2020Quelle: Redaktion Schulverpflegung | Fotos: Sodexo | Ort: Rüsselsheim

Aktuell stehen Schulcaterer vor Herausforderungen: Wie meistert der Caterer Sodexo die Coronakrise? Wir sprachen dazu mit Dieter Gitzen, CEO Healthcare & Seniors und Education, von Sodexo Deutschland in Rüsselsheim. Das Cateringunternehmen beschäftigt heute in Deutschland rund 10.800 Mitarbeiter, die täglich knapp 1,3 Mio. Gäste in rund 700 Betrieben versorgen, darunter Wirtschaftsunternehmen, Behörden, Schulen, Kindergärten, Kliniken und Senioreneinrichtungen.

„Aktuell ist die Hauptherausforderung für uns als Schulcaterer, dass die Zahl der Essensteilnehmer noch nicht auf die vorherigen Niveaus zurückgekehrt ist.“

Herr Gitzen, wie sieht Ihr aktuelles Konzept für die Schulverpflegung in den von Ihnen betriebenen Schulmensen aus? Wie erleben Sie und Ihr Team die Einschränkungen?

Dieter Gitzen von Sodexo über die Herausforderungen und Maßnahmen während der Corona-Pandemie.
Dieter Gitzen

Für Sodexo gilt der Grundsatz: Die Sicherheit unserer Mitarbeiter, der Schüler, Lehrer und Gäste hat immer oberste Priorität. Aus diesem Grund haben wir strikte Hygienevorschriften und Arbeitsschutzregeln für Küche und Essensausgaben festgelegt. Alle Mitarbeiter tragen einen Mundschutz, wenn ein Mindestabstand von zwei Metern nicht dauerhaft gewährleitet werden kann. Die Speisen werden von den Servicemitarbeitern vollständig, inklusive Besteck, am Ausgabeschalter an unsere Tischgäste übergeben.
Eventuell vorhandene Selbstbedienungstheken und Vitaminnaschbars können aufgrund behördlicher Vorgaben und genereller Überlegungen zur Risikominimierung aktuell nicht angeboten werden. Sie bleiben weiterhin geschlossen. Arbeitsoberflächen und Materialien werden kontinuierlich gereinigt und desinfiziert.

Inwieweit sind auch die Schulen gefordert, z. B. Pausenzeiten anzupassen, damit Sie Ihr Verpflegungsangebot entsprechend für die Schüler bereitstellen können? Wie kommen die Schulen Ihnen hier bereits entgegen?

Wir stehen kontinuierlich im engen Austausch mit den Schulen in Bezug auf Schutzmaßnahmen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Ein Beispiel ist hier die Sportschule in Potsdam inklusive Internat. Hier haben wir auf unsere Kosten die komplette Ausgabestrecke mit Plexiglasscheiben verkleidet und alle Komponenten, die bisher zur Selbstbedienung zum Frühstück, Mittag und Abendbrot angeboten wurden, werden nun von unserem Personal direkt in Zusammenspiel mit dem Schüler auf dem Teller ausgegeben.
Die Umsetzung erfordert einen erhöhten Personalaufwand, aber wir sind fest davon überzeugt, dass wir durch die geltenden Arbeitsschutz- und Hygieneregeln gemeinsam einen Beitrag zur schrittweisen Normalisierung des Schulbetriebs und zur Eindämmung von Covid-19 leisten. Wir bedanken uns für das Verständnis und die Kooperation bei Schülern, Eltern und den Schulen.

Wie unterscheidet sich das Speisenangebot/-auswahl von dem üblichen?

Eventuell vorhandene Selbstbedienungstheken und Vitaminnaschbars können aufgrund behördlicher Vorgaben und genereller Überlegungen zur Risikominimierung aktuell nicht überall angeboten werden. Ansonsten nähern wir uns durch die Ferienzeit mit unserem Speiseangebot wieder langsam der Normalität. In den Ferien gibt es immer ein eingeschränktes Angebot, das wir, wie in den letzten Jahren auch, anbieten.

Inwieweit entstehen Zusatzkosten durch z. B. häufigere Zwischenreinigungen, Take-away-Verpackungen oder verpacktes Besteck?

Es ist richtig, dass wir durch die genannten Schutzmaßnahmen erhöhte Kosten haben. Für uns gilt: Sicherheit hat immer Priorität und ist in diesen Zeiten die Voraussetzung für eine Eröffnung. Über eine Refinanzierung dieser Kosten sind wir im ständigen Austausch mit den Auftraggebern.

Welche Essenszahlen können Sie aktuell im Vergleich zum normalen Regelbetrieb pro Tag verbuchen?

Dies ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Wie Sie wissen, sind nicht überall alle Schulen vollständig geöffnet und die Länder stellen die Rahmenbedingungen dafür auf. Im Durchschnitt haben wir aktuell über alle Bundesländer hinweg eine Auslastung von etwa 80 Prozent.

„Für uns gilt: Sicherheit hat immer Priorität und ist in diesen Zeiten die Voraussetzung für eine Eröffnung.“

Wie viele Ihrer Mitarbeiter sind aktuell für die Schulverpflegung im Einsatz? Wie haben sich die Arbeitszeiten verändert und warum?

Die Zahl der Mitarbeiter, die wir im Einsatz haben, richtet sich nach dem Bedarf in den Schulen, der sich kontinuierlich ändert. Wie bereits dargestellt, gibt es große Unterschiede in den Bundesländern und nicht überall sind die Schulen wieder vollständig geöffnet.
Die Arbeitszeiten für unsere Kollegen haben sich nicht verändert. Die Grundreinigung wird durch die Schulen selbst organisiert. Die Reinigung und Desinfektion der Ausgabestellen sind im Rahmen der regulären Arbeitszeit möglich.

Wann glauben Sie, wird wieder ein normaler Alltag für Ihr Team und Sie sowie in den Schulmensen einkehren?

Wir hoffen, dass der Normalbetrieb nach den Sommerferien wieder in weiten Teilen hergestellt werden kann.

Wo und von wem sehen Sie aktuell die größten Hürden bei der Umsetzung Ihres Alternativ-Verpflegungsangebots?

Die Alternativ-Verpflegungsangebote wurden – wo sie im Einsatz waren – gut angenommen. Hürden sehen wir bei der Umsetzung keine. Aktuell ist die Hauptherausforderung für uns als Schulcaterer, dass die Zahl der Essensteilnehmer noch nicht auf die vorherigen Niveaus zurückgekehrt ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Schulcaterer vor Herausforderungen

Stefan Gerhardt, Inhaber der Frischküche Stefan Gerhardt, sowie der Österreichische Caterer Gourmet haben ebenfalls mit der veränderten Situation und geringeren Essenszahlen zu kämpfen, mehr dazu erfahren Sie in unseren Beiträgen „Die Schulküche bleibt kalt“ und „Zusammenhalt während der Krise gewachsen“.

Dr. Michael Polster / Redaktion Schulverpflegung

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