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Box und Induktionsplatte von MenüMobil Food Service Systems für Essen auf Rädern.

So werden Speisen sicher verteilt

Datum: 26.03.2020Quelle: Inhalt: Rieber, MenüMobil Food Service Systems, Haukes Catering, Dinner-Max, Socamel, Electro Calorique | Fotos: MenüMobil Food Service Systems, Dinner-Max | Ort: diverse

Gerade Senioren sind derzeit wohl beraten, ihr Zuhause möglichst selten zu verlassen. Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Essen auf Rädern stiegt: „Unsere Bestandskunden verzeichnen einen 20- bis 30-prozentigen Anstieg an mobiler Speisenversorgung per Essen auf Rädern“, berichtete uns Johannes Abenthung, Geschäftsführer von MenüMobil Food Service Systems, am 21. März. Als österreichisches Unternehmen ist er mit seinen Erfahrungen Deutschland dabei eine Nasenlänge voraus. Aber auch Daniel Mayer, Senior Sales Manager von Dinner-Max, bestätigt die klare Tendenz zu Essen auf Rädern, allerdings ohne Zahlen zu nennen.

Nach einer Einschätzung von Marc Büttgenbach, CSO Vertrieb/Marketing, Rieber, am 23. März, geht die Entwicklung generell in Richtung Einzelversorgungslösungen, auch im stationären Bereich. Der Grund:

„Durch die Kontaktsperre werden Patienten in Krankenhäusern und Bewohner in Altenheimen nur noch im eigenen Zimmer versorgt. So geht der Trend vom Buffetstandard sehr deutlich zu Tablettwagen und -systemen.“

Darüber hinaus werden bei Rieber verstärkt mobile Küchenlösungen nachgefragt zum dezentralen Kochen und Ausgeben. Diese modularen Verpflegungssysteme sind laut Marc Büttgenbach besonders beim Militär sowie im Zivil- und Katastrophenschutz bewährt. „Hier haben viele Bedarfsträger in der Vergangenheit nicht investiert und dies gewinnt nun stark an Bedeutung“, erläutert er.

Hersteller gewappnet für Nachfrage

Wie kurzfristig können die Systemanbieter von Speisenverteilsystemen der erhöhten Nachfrage aktuell und auf längere Zeit überhaupt nachkommen?

„Wir können unsere Bestandskunden sowie sonstige Interessenten wie Notfallzentren kurzfristig und in größeren Stückzahlen beliefern“, berichtete Daniel Mayer von Dinner-Max am 23. März.

Die Lieferungen von Haukes Catering-Systeme gehen nach Aussage von Mirco Guderlei, Verkaufsleiter National, Stand 24. März, „pünktlich und innerhalb von wenigen Tagen zu den Kunden. Zudem können wir dank unseres Vollsortiments innerhalb von 48 Stunden ein komplettes passives Speisenverteilsystem vom Tablett, Besteck, Menüteller, Clochen bis hin zu den systemrelevanten Elementen wie Kühl- und Heizkerne ausliefern“.

Für den Bereich der Speisenverteilwagen vermeldet Electro Calorique am 24. März, dass das Unternehmen im Bedarfsfall Leihgeräte zur Verfügung stellt, damit Krankenhauskunden erhöhten Essenszahlen aufgrund der Pandemie nachkommen können. „Wir versuchen kurzfristig Neuwagen zu liefern und stellen unsere Testgeräte für einen etwaigen Notfallbetrieb zur Verfügung“, erläutert Marc Donners, Vertriebsleiter und Prokurist.

Socamel wird, so der Stand am 24. März, bereits bestellte Systeme weiterhin liefern und installieren – allerdings „in Abstimmung mit den Kliniken und der zuständigen Hygienefachkraft, um den besonderen Gegebenheiten Rechnung zu tragen“, betont Theodor Oliver Rist von Socamel Deutschland. „Im Moment nehmen wir Aufträge an und bereiten die Produktion vor, die Fertigung erfolgt dann sowie die aktuelle Krise es erlaubt“, ergänzt er.

Gut gefüllte Lager

Brotbox von Dinner-Max befüllt mit Frühstück für Essen auf Rädern.
Brotzeit-Box von Dinner-Max für die Belieferung mit Essen auf Rädern

Die Lieferfähigkeit garantieren meist erhöhte Lagerbestände. Um schnell bei Problemen reagieren zu können, hat zum Beispiel Socamel Deutschland auch sein Berliner Ersatzteillager aufgestockt, um den Ersatzteilbedarf von Deutschland aus für einige Wochen abdecken zu können. „Das zentrale Ersatzteillager von Socamel Frankreich bleibt immer, wenn auch mit reduzierter Belegschaft, besetzt“, ergänzt Theodor Oliver Rist.

Marc Büttgenbach von Rieber sieht das Unternehmen dank der Fertigung in Deutschland und mit Teilen ausnahmslos deutscher Vorlieferanten gut aufgestellt: „Wir beobachten den Markt täglich sehr genau, um zu ergründen, was aktuell benötigt wird und sind aufgrund unserer eigenen hohen Fertigungstiefe sehr flexibel aufgestellt, um auf diese Nachfragen reagieren zu können.“

Johannes Abenthung von MenüMobil Food Service Systems schätzt die Lage mit etlichen Tagen Erfahrungsvorsprung aus Österreich etwas kritischer ein: „Wir haben uns bereits seit Anfang des Jahres mit höheren Lagerständen eingedeckt. Doch unsere Schätzungen waren viel zu tief angesetzt“, berichtet er. „Dies machte erneute Aufträge an unsere Vorlieferanten nötig. Doch ob, und wann diese Waren bei uns eintreffen, können wir zum heutigen Tag kaum abschätzen. Solange wir Ware haben, werden wir unsere Kunden aber nach Kräften beliefern“, erläutert der Geschäftsführer, der seinem Team höchsten Respekt zollt:

„Während die Masse der Menschen in häuslicher Isolierung die Zeit abwartet, arbeitet unser Team auch am Wochenende, um die Versorgung unserer Mitmenschen aufrechtzuerhalten und ist zum Teil an der Belastungsgrenze.“

Profit aus der Krise?

Summa summarum scheint sich die Krise also zumindest bei den Experten für Speisenverteilsysteme nicht negativ auszuwirken. „Eine erhöhte Nachfrage verleitet zur Schlussfolgerung, wir würden von der Coronakrise profitieren, doch die negativen Auswirkungen werden uns, wie viele andere Unternehmen auch, erst im späteren Verlauf treffen“, widerspricht Johannes Abenthung, der bereits von ersten Werksschließungen bei Lieferanten erfahren hat und sich sicher ist, dass weitere folgen werden. „Wir können zusichern, dass wir unseren Versorgungsauftrag sehr ernst nehmen und solange der Warenverkehr aufrecht bleibt, unsere Kunden beliefern werden“, resümiert er.

Wie steht es um den Service?

Sind die Hersteller verstärkt digital unterwegs, etwa per Videoberatung oder Online-Wartung?

  • Dinner-Max ist weiterhin über alle üblichen Kommunikationswege erreichbar. „Falls benötigt und unter Einhaltung der aktuellen Bestimmungen möglich, kommen wir auch zur Beratung vor Ort“, berichtet Senior Sales Manager Daniel Mayer.
  • Electro Calorique bietet eine 24/7-Kundendienst-Hotline an und auch die Systemberater stehen rund um die Uhr zur Verfügung.
  • MenüMobil Food Service Systems bearbeitet u. a. Serviceeinsätze fast ausnahmslos über telefonische Beratung der hauseigenen Techniker der Kunden. „Wir würden unsere Techniker nur in einem absoluten Notfall zum Kunden vor Ort entsenden“, erläutert Johannes Abenthung. Telefonisch bzw. online ist das Unternehmen uneingeschränkt zu erreichen.
  • Rieber hat für Kunden spezielle Service-Videos bezüglich der Bedienung, Reinigung und der Ersatzteile seiner Produkte zusammengestellt, die man ab sofort auf der neuen Website www.rieber.systems unter „Kundenservice“ abrufen kann.
  • Der Socamel Werkskundendienst ist und bleibt in Deutschland zu 100 Prozent verfügbar. Ergänzend verweist Theodor Oliver Rist auf die Software iServ Vision. Dieser ermöglicht eine zentrale Programmierung, eine automatische Temperaturüberwachung und die Fernwartung der Speisenverteilwagen. So kann eine Diagnose erfolgen, ohne dass ein Techniker vor Ort muss.

Tipps zur Hygiene bei Auslieferung, Rückgabe und Spülprozess:

  • persönliche Hygiene der Ausfahrer: Schutz und regelmäßige Desinfektion der Hände
  • Übergabe möglichst ohne persönlichen Kontakt; alternativ: Übergabedauer auf ein Minimum beschränken und ggf. Mundschutz oder FFP3-Maske tragen
  • bei Anlieferung in Spülbereich: Trennung von Rein und Unrein
  • persönlicher Schutz der Spülkräfte: Handschuhe, ggf. Mundschutz
  • gewohnter Spülprozess ausreichend für einwandfreie Hygiene

Noch mehr Tipps und Lösungen

Weitere Tipps zur Hygiene von Take-away-Speisen hat uns Armin Wenge, Gründer des Hygiene-Dienstleisters delphi Lebensmittelsicherheit, in einem anderen Beitrag verraten.

Statt per klassischer Systemboxen können Essen auf Rädern aber auch als schutzgasverpackte Portionen gekühlt ausgeliefert werden. Wie das geht, und wie sich damit die Zielgruppe auf Unternehmen, Mitarbeiter im Homeoffice, Einsatzkräfte oder Pflegepersonal ausweiten lässt, zeigt das Beispiel der Lieferküche der Frank Schwarz Gastro Group (FSGG) aus Duisburg.

Sie sind technisch gut bestückt, brauchen aber einen Foodpartner für die Notfallversorgung?

  • Lehmanns Gastronomie aus Bonn unterstützt hier nicht nur mit individuellen Verpflegungslösungen, sondern auch personell.
  • Welche industriellen Anbieter und Großküchen sonst noch mit Conveniencelösungen parat stehen, haben wir ein einem weiteren Beitrag zusammengefasst.

Claudia Kirchner / Gastroinfoportal

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