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Für den Erhalt des Gastgewerbes reisten Hamburger Gastronomen nach Berlin. Dort überreichten sie 123.000 Unterschriften ans Ministerium für Wirtschaft.

123.000 Unterschriften überreicht

Datum: 17.06.2020Quelle: Kitchen Guerilla | Fotos: Thomas Kosikowski | Ort: Berlin, Hamburg

Mit einer weiteren Petition und dem Hashtag #WirSindBereit kämpfen zahlreiche Gastgeber für den Erhalt des Gastgewerbes. Mit einem 450 Meter langen Bon setzten Koral Elci, Johannes Riffelmacher und Patrick Rüther in Berlin am Dienstag ein Zeichen. Auf die Papierrolle, die eine symbolische Rechnung für den Lockdown der deutschen Gastronomie symbolisieren sollte, hatten die Hamburger Gastronomen die Namen der 123.000 Petitionsunterstützer gedruckt, die sich seit Beginn der Krise mit ihrer Unterschrift für die Branche eingesetzt hatten.

Zudem übergaben sie dem Bundeswirtschaftsministerium persönlich einen Brief. Der Grund: Vielen Betrieben droht trotz getroffener Maßnahmen der wirtschaftliche Ruin. Die bereitgestellten Soforthilfen etwa reichen bei den meisten nicht einmal aus, um eine Ladenmiete zu decken. Auch die seit der Öffnung geltenden Abstands- und Hygieneregelungen seien ein Problem.

Gastgewerbe braucht Artenschutz

Mit einem 450 Meter langen Bon setzten u. a. Koral Elci, Johannes Riffelmacher und Patrick Rüther in Berlin am Dienstag ein Zeichen.

„Wie sollen wir mit der Hälfte unserer Kapazitäten die nächsten Monate, vielleicht Jahre, auskommen, wenn die Hilfsmaßnahmen die andere Hälfte nicht vollständig abdecken“, stellt Johannes Riffelmacher vom lateinamerikanisch bzw. levantisch ausgerichteten Restaurant Salt & Silver die Frage. Die Maßnahmen seien nicht an reale Fixkosten angepasst, was letztlich vor allem Individualgastronomiebetriebe in die Insolvenz treiben würde. „Die kleinen, bunten Gastros sind die ersten, die aussterben werden“, sagt Koral Elci von Kitchen Guerilla. „Wir brauchen einen Artenschutz für Deutschlands vielfältige Gastro- und Hotellandschaft“, ergänzt er.

Mit der Aktion solle vor allem die Basis für einen echten Dialog geschaffen werden. „Die Verantwortung für den Erhalt der Branche wurde an uns abgegeben, ohne uns eine realistische wirtschaftliche Perspektive im Gegenzug anzubieten. Wir fühlen uns im Stich gelassen“, so die Meinung von Patrick Rüther (ÜberQuell).

Bisherige Maßnahmen reichen nicht aus

Nichtsdestotrotz erkennen die Initiatoren in der Petition die bereits geleistete Arbeit der Politik an: „Wir wissen, dass Sie Ihr Bestes tun. Wir wissen auch, dass Sie unter großem Druck stehen und bereits einige Maßnahmen zur Unterstützung getroffen haben.“ Diese Maßnahmen reichen nach Angaben der Initiatoren aber nicht aus. „Alle bisher getätigten Beschlüsse, darunter die Bereitstellung von Überbrückungskrediten, sorgen für Aufschub der Probleme – nicht für Lösungen“, so die Meinung der Gastgeber.

Sie fordern konkret:

  1. Eine klare und planbare Perspektive zur Wiederaufnahme des Betriebes unter Auflagen.
  2. Für die Zeit nach der Schließung ist es existenziell notwendig, den Mehrwertsteuersatz für gastronomische Leistungen einheitlich auf 7 Prozent anzupassen.
  3. Volle Kostenübernahme aller Bruttogehälter (Vollzeit und Teilzeit).
  4. Fortzahlungen ausgefallener Arbeitsstunden der Minijobber und studentischen Aushilfen.
  5. Steuernachlässe anstelle von Stundungen und Aufschiebungen, bemessen an den BWAs oder Steuererklärungen des vergangenen Jahres, und damit an der realen Kostenstruktur der Betriebe.
  6. Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 1. März 2021.
  7. Rechtlicher Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen aufgrund von Dauerschuldverhältnissen (Miet-, Leasing- und Kreditverträge).

Inwieweit die Politik auf diese Forderungen eingehen bzw. gesprächsbereit sein wird, ist bislang nicht bekannt. Auf die Frage, wann die Initiatoren mit einer Antwort auf ihren Brief rechnen können, gaben sie keine Antwort.

Gastgewerbe hilft

Die Lage des Gastgewerbes ist prekär. Und doch setzen sich die Gastgeber für andere ein und wollen etwas Gutes tun. Schon im März hat z. B. die Kitchen Guerilla ihre Spendeninitiative #SoliKüche ins Leben gerufen. Mitarbeiter der Hamburger Kocheinheit bereiten im Rahmen der Aktion einzeln verpackte Essens-Pakete für Obdachlose zu. Darin enthalten ist jeweils eine vollwertige Mahlzeit sowie frisches Obst. Die Pakete werden an mitwirkende Institutionen weitergegeben, etwa dem Arbeiter-Samariter-Bund e.V., die wiederum dafür sorgen, dass eine kontaktlose Übergabe an Obdachlose stattfindet. Mehr über die Aktion lesen Sie in unserem Beitrag.

Jeanette Lesch / Gastroinfoportal

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