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Die Union der Wirtschaft will politische Vertretung des Außer-Haus-Marktes sein. Was das für die Branche bedeutet, erklärt Dr. Marcel Klinge im Interview.

Dr. Marcel Klinge: Gastro als Wirtschaftsmacht

Datum: 02.09.2021Quelle: B&L MedienGesellschaft | Bild: Jens Hagen/Dr. Marcel Klinge I Ort: München

Die neu gegründete Union der Wirtschaft versteht sich als politische, bundesweit agierende Denkfabrik für Foodservice, Hotellerie, Freizeitwirtschaft und Gastronomie. Ihr Ziel ist es, die gesamte Wertschöpfungskette dieser Industrie, die als Wirtschaftsfaktor mit mehr als drei Millionen Beschäftigten, tausenden von Firmen und mit über 300 Milliarden Jahresumsatz agiert, interdisziplinär zu verbinden, stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern sowie in der Zusammenarbeit mit der Politik präsenter zu werden. Sie wurde von Gerhard Bruder (Präsident des Institute of Culinary Art ICA und Vizepräsident im Senat der Wirtschaft), Dr. Marcel Klinge (Mitglied des Deutschen Bundestages) sowie Alexander Aisenbrey, Geschäftsführer, Der Öschberghof, und Vorsitzender des Fair Job Hotels e.V. ins Leben gerufen.

Dr. Marcel Klinge im Gespräch

Dr. Marcel Klinge (40), ehrenamtlicher Vorstand und Sprecher der Denkfabrik „Union der Wirtschaft“, erklärt uns die Details.

Herr Dr. Klinge, kann man die Union der Wirtschaft stark vereinfacht als Lobby für den Außer-Haus-Markt bezeichnen?

Der Begriff „Außer-Haus-Markt“ trifft es schon ganz gut, wenngleich wir derzeit noch auf der Suche nach einem besseren Begriff sind. Davon losgelöst geht es uns darum zu zeigen, dass es sich bei den genannten Branchen in Summe um eine ganze Service-Industrie handelt, deren wirtschaftlichen Gewicht in Berlin derzeit noch niemand so richtig auf dem Schirm hat. Das ist für uns auch der wesentliche Punkt, warum so viele Betriebe und Unternehmen beim Corona-Krisenmanagement der vergangenen eineinhalb Jahre dermaßen unter die Räder gekommen sind.

Welche Ziele verfolgt die neu gegründete Union der Wirtschaft?

Die gesamte „Außer-Haus“-Industrie, um ihren Begriff noch einmal aufzugreifen, erhält im Vergleich mit anderen weder die gebührende Aufmerksamkeit noch eine angemessene politische Unterstützung. Daher wollen wir dafür sorgen, dass wir diese von einer zersplitterten Einzelwahrnehmung zum Bigplayer der deutschen Wirtschaft machen.

Sie wollen auch für ein Ministerium für Wirtschaft und Tourismus eintreten. Was versprechen Sie sich davon?

Das ist eines unserer Kernziele. Wie das Ministerium am Ende heißt, ist zweitrangig. Die gesamte Wirtschaftspower der „Außer-Haus“-Industrie muss sich endlich auch im Aufbau und der Arbeit der Bundesregierung widerspiegeln. Das Tourismus-Referat im Wirtschaftsministerium hat aktuell zehn Planstellen, von über 2.200 Mitarbeitern. Das kann so einfach nicht bleiben. Wir brauchen neben mehr Verwaltungs-Kompetenz zudem eine bessere Koordinierung innerhalb der Regierung und endlich einen zentralen, schlagkräftigen Ansprechpartner.

Warum wird die Union nicht ans Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angesiedelt?

Dieses Ressort ist für uns ähnlich wichtig wie das Wirtschafts-, Verbraucherschutz, Arbeits- oder Verkehrsministerium. Und wir dürfen auch nicht den Finanzminister vergessen, der den steuerlichen Rahmen für uns setzt und in den kommenden Jahren – Stichwort dauerhafte Mehrwertsteuerreduzierung – helfen muss, dass in der Praxis weiter investiert werden kann. Kurz um: Wir konzentrieren uns nicht auf ein einzelnes Ministerium, sondern gehen in Berlin in den Dialog mit allen relevanten Playern in Politik, Medien und Wissenschaft.

Welche Aufgaben sehen Sie für sich persönlich als Politiker (und damit Fachfremder) innerhalb der Union?

Ich habe ja familiär einen Hotelhintergrund und bin als tourismuspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sehr gut im Thema. Aber auch ich lerne jeden Tag etwas Neues hinzu, das macht meine Aufgabe ja so spannend und reizvoll für mich. Mir ist wichtig, dass wir aus diesem ganzen Corona-Alptraum etwas Konstruktives mitnehmen. Unsere Denkfabrik ist genau ein solcher Versuch, nämlich etwas besser zu machen und dafür zu sorgen, dass bei der nächsten Krise nicht wieder eine ganze Industrie über Monate komplett und unverschuldet lahmgelegt wird. Das werden nämlich viele Betriebe in dieser Form nicht noch einmal überstehen.

Inwieweit können sich Hoteliers, Gastronomen oder Verantwortliche der Foodservice-Industrie in der Union engagieren?

Zum einen kann uns jeder mit einer Mitgliedschaft finanziell unterstützen, denn wir wollen in Berlin dauerhaft etwas bewegen und das setzt professionelle Strukturen voraus. Zum anderen suchen wir Menschen aus der Praxis, die uns mit Ideen und Anliegen unterstützen. Eine Denkfabrik lebt vom inhaltlichen Austausch und dem Blick in die Zukunft. Wir wollen „Out of the Box“ denken.

Danke für das Gespräch!

 

Redaktion GastroInfoPortal / Michael Teodorescu

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