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Hygienische Reinigung - Was das bedeutet erklären die Hygiene-Experten Robert und Marco Wiedemann im Interview.

Desinfektion oft nicht nötig

Datum: 13.05.2020Quelle: Inhalt und Bild: Beam | Ort: Altenstadt

Nach dem Aufheben der wochenlangen Ausgangsbeschränkungen gelten in vielen Bundesländern nach wie vor Kontaktverbote, im Nahverkehr und Einzelhandel müssen Schutzmasken getragen werden. Gewisse Produkte sind nach wie vor ausverkauft, darunter auch Desinfektionsmittel. „Wer hygienisch reinigt, der muss nicht desinfizieren. Schon gar nicht in seinem privaten Umfeld“, betonen die Hygiene-Experten Robert und Marco Wiedemann und stellen klar: „Wir sehen das wie das Robert-Koch-Institut: Ob Flächen überhaupt desinfiziert werden sollten, muss im Einzelfall entschieden werden und hängt davon ab, wie intensiv der Kontakt zu Erkrankten war. In der Regel reicht eine effiziente Reinigung völlig aus.“

Robert (links im Bild) und Marco Wiedemann, Geschäftsführer von dem in Altenstadt ansässigen Unternehmen Beam, das Dampfsaugsysteme herstellt, im Interview über den mitunter herrschenden Desinfektionswahn.

Hygienische Reinigung statt Desinfektion

Warum ist die Desinfektion überflüssig?

Robert Wiedemann: Ich verstehe die Hysterie nicht! Gerade im privaten Haushalt sind Desinfektionsprodukte nicht nur überflüssig, im schlimmsten Fall können sie hier sogar schädlich sein. Denn Desinfektionsmittel belasten die Umwelt und bergen vor allem gesundheitliche Risiken. Sie zerstören zum Beispiel Bakterienstämme, die extrem wichtig für unsere Organismen sind, und sie können darüber hinaus zu Antibiotika-Resistenzen führen.

Viele setzen trotzdem auf die Chemikalien…

R. W.: Leider. Auch in vielen Unternehmen wird viel zu viel Chemie eingesetzt und häufig falsch angewendet, sodass die Wirkung komplett verfehlt wird. Auch hier wird übersehen, dass vor jeder Desinfektion unbedingt eine effiziente Reinigung stehen muss. Desinfiziert werden sollte nur dort, wo es auch wirklich sinnvoll ist. Und wenn es sinnvoll ist, dann ist es in der Regel auch vorgeschrieben. Ansonsten reicht eine hygienische Reinigung völlig aus.

Hygienische Reinigung – was bedeutet das?

R. W.: Immer dann, wenn der Reinigungsprozess wirklich etwas bringt, Flächen also nicht nur optisch sauber sind, sondern auch nachweislich Bakterien und Keime beseitigt oder abgetötet wurden. Oder Viren wie der Corona SARS-CoV2 inaktiviert wurden, wie das offiziell heißt. Dafür gibt es unterschiedliche Methoden und für die Nachweise verschiedene Testverfahren.

Wie wird sich die Coronakrise auf unser Reinigungsverhalten auswirken?

Marco Wiedemann: Die Menschen sind viel stärker für Hygiene sensibilisiert und das ist gut so. Ein Beispiel: Wenn Sie sehen, wie ein Angestellter in einem Laden oder Café mit einem nicht mehr ganz so sauberen Putzlappen herumwischt und diesen immer wieder im Eimer auswringt. Da hat man einfach kein gutes Gefühl und bezweifelt, dass es wirklich sauber ist.

Also eine gute Entwicklung für die Sensibilisierung?

R. W.: In der Tat, aber das ist noch ein weiter Weg. Was mir in der aktuellen Diskussion fehlt, ist die Anerkennung und Wertschätzung von Reinigungskräften.

In Bezug auf den Infektionsschutz müssen ja insbesondere Arbeitgeber derzeit darauf achten, dass sich ihre Mitarbeiter nicht gegenseitig anstecken. Mundschutz und Abstandsregel reichen da oft nicht, welche Tipps haben Sie?

M. W.: Egal in welchem betrieblichen Umfeld: Eine hygienische Reinigung ist ein Muss. Das heißt: Es darf nicht alibimäßig gewischt werden, sondern es muss nach dem Reinigungsvorgang wirklich sauber sein. Das gilt übrigens nicht nur für die Kontaktflächen im direkten Arbeitsumfeld wie Türgriffe und Lichtschalter. Man darf ja nicht die Büro-, Sozial- und Sanitärräume vergessen. Die Mitarbeiter können noch so viel Abstand zueinander halten, Masken tragen und im Schichtbetrieb arbeiten. Das bringt alles nichts, wenn nicht auch die Toiletten oder die gemeinsam genutzte Küche regelmäßig hygienisch gereinigt werden. Unternehmen sind hier in der Pflicht, für höchste Arbeitssicherheit zu sorgen.

Werden Dampfsaugsysteme, wie Beam sie herstellt, den hohen Hygieneanforderungen im Gewerbe und in der Industrie gerecht?

R. W.: Selbstverständlich. Unsere Geräte sind HACCP-zertifiziert und damit für den Einsatz in der Lebensmittelproduktion oder im medizinischen Umfeld zugelassen. Sie erreichen ausgezeichnete Werte beim 4-Felder-Test, der bestätigt, dass Keime und Bakterien zu 99,9 Prozent abgetötet werden. Außerdem werden damit Viren wirkungsvoll inaktiviert. Natürlich gibt es besonders sensible Arbeitsbereiche, in denen eine Desinfektion oder sogar eine Sterilisation unumgänglich und ganz klar vorgeschrieben sind. Das sind zum Beispiel Operationssäle und Intensivstationen in Kliniken oder die Produktionsstätten von Pharmaherstellern. Aber auch hier gilt: Desinfektionsprodukte sind nur dann wirkungsvoll, wenn die Flächen zuvor hygienisch gereinigt wurden. Dank des extrem hohen Reinigungsgrades ist die Reinigung mit Dampfsaugsystemen die ideale Vorbereitung für eine spätere Desinfektion.

Vielen Dank für das Gespräch!

Jeanette Lesch / Gastroinfoportal

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