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Prof Dr Burkhard von Freyberg

Aufstehen, Krone richten, Weitergehen!

Datum: 18.05.2020Quelle: B&L MedienGesellschaft I Foto: von Freyberg Ort: München

Prof. Dr. Burkhard von Freyberg, Dozent für Tourismus an der Hochschule München, gibt uns seine persönliche Einschätzung zur Coronakrise.

Prof. Dr. Burkhard von Freyberg, wie kann man die Coronakrise als Chance nutzen?

Vor der Krise war alles schneller, höher, weiter – kein Limit in Sicht. Wir haben überhaupt kein „langsam“ mehr gekannt. Das ist jetzt ein herber Dämpfer. Er zeigt uns: wir können die Erde nicht beliebig ausnutzen. Wir müssen zu einer Achtsamkeit zurück und eine Demuthaltung und ungewohnte Bescheidenheit an den Tag legen. Im Wirtschaftsleben war es zum Beispiel normal, für ein einstündiges Meeting mal nach Berlin zu fliegen. Nun merkt man auf einmal, dass man das digital wunderbar abdecken kann.
Jetzt ist eine Zeit, in der man nicht im operativen Wirrwarr hängt und Zeit zum Nachdenken hat. Wir haben eine Zwangspause verordnet bekommen. Gastronomen hinterfragen jetzt zum Beispiel, ob sie mit ihrem Konzept noch zukunftsfähig sind. Oder sie überlegen, ob sie schon etwas planen oder anstoßen können. Jetzt haben sie auch die Zeit, sich mit Kollegen auszutauschen, wo die Reise hingeht. Es wurde und wird einem gerade wenig Geld, aber viel Zeit geschenkt.

Was halten Sie von lokalen Initiativen, die die Gastro unterstützen wollen?

Ich finde jede Initiative gut, die hilft, Geld zu verdienen. Da wird aus der Not eine Tugend gemacht. Wie heißt es so schön? “Hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen.”

Wie muss man sich den gastronomischen Alltag nach der Lockerung vorstellen?

Erstmal muss sich jeder Gastronom mit seinem Businessplan beschäftigen. Er muss kalkulieren: rechnet es sich überhaupt, aufzumachen? Plexiglasverkleidung kosten Geld. Wenn er nur drei Gäste bewirten kann, bringt das vielleicht nichts. Wenn wir den Virologen vertrauen, bedeutet das: Mundschutz tragen, zumindest auf Kellnerseite, weites Auseinandersitzen mit einem anderen Bestuhlungskonzept, bargeldloses Bezahlen, Hygienestandards wahren und viel mehr desinfizieren.

Welche Rolle sollte die Politik spielen?

Ich habe mein Vertrauen in die Politik nicht verloren. Man kann nicht alles laufen lassen, viele Todesfälle in Kauf nehmen und sich das im Nachhinein vorwerfen lassen. Es ist im Moment sehr schwer, es allen recht zu machen.
Ich bin ein Kämpfer für die Mehrwertsteuer-Senkung. Die damalige Senkung im Logis-Bereich war absolut positiv und hat zur Qualitätshotellerie beigetragen. Es ist nur nicht ganz nachvollziehbar, warum sie nun aktuell nur auf Speisen, nicht auf Getränke gewährt wurde. Gerade Bars haben jetzt besonders zu kämpfen. Das sollte man überdenken.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Lesen Sie mehr dazu in der kommenden Ausgabe der 24 Stunden Gastlichkeit!

teo

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