x
Die Debatte um einen Lockdown light löst bei den Branchenverbänden Unmut aus. Zu Recht: Ein Drittel der Betriebe droht bei einer erneuten Schließung das Aus.

Bund-Länder-Beratungen: Gastgewerbe droht Kollaps

Datum: 28.10.2020Quelle: Dehoga Bundesverband, Dehoga Bayern | Bilder: Colourbox, Dehoga Bundesverband, Dehoga Bayern | Ort: Berlin, München
Guido Zoellick Dehoga Bundesverband
Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes

Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband), reagiert auf die Schlagzeilen der vergangenen Stunden und den darin angedrohten zweiten Lockdown: „Es kann nicht sein, dass wir wieder die Leidtragenden sind. Unsere Unternehmer benötigen Planungssicherheit und haben einen Anspruch darauf, dass alle Maßnahmen wohl begründet und verhältnismäßig sind.“

Die RKI-Zahlen zeigten, dass Hotellerie und Gastronomie kein relevantes Infektionsgeschehen aufwiesen. „Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber“, stellt Guido Zöllick klar. „Sollte unsere Branche aus pandemiebedingten Gründen quasi mit einem Berufsverbot belegt werden und damit eine Sonderlast in der Corona-Pandemie tragen, müssen die politisch Verantwortlichen schnell und vollumfänglich für den Schaden aufkommen.“ Es gehe um das Überleben der Branche. „Einem Drittel der 245.000 Betriebe droht bei einer erneuten Schließung das Aus“, ergänzt er.

Unterstützung aus den Bundesländern

Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes

„Die aus Regierungskreisen durchgesickerten Pläne eines „Lockdown lights“, der erneut Schließungen aller gastgewerblichen Betriebe vorsieht, sind politischer Aktionismus, der jeglicher Grundlage entbehrt“, erklärt etwa Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern).

Auch sie beruft sich auf die Kennzahlen des Robert Koch-Instituts (RKI): „Die Empfehlungen des RKI sowie dessen weiteren Fakten werden ignoriert. Denn laut RKI finden lediglich 0,5 Prozent der Ansteckungen in Gaststätten statt.“

Zudem habe keine andere Branche aufwändige Hygienekonzepte so erfolgreich umgesetzt oder Gäste registriert. „Entschlossenes und konsequentes Handeln ist wichtig. Doch die angedachten Maßnahmen sind willkürlich, nicht nachvollziehbar und vollkommen unverhältnismäßig. Geradezu ein Hohn ist es, dabei von einem Lockdown „light“ zu sprechen, der allein in Bayern 447.000 Erwerbstätige vor den Ruin stellt. Hier steht nicht weniger auf dem Spiel als das Überleben einer ganze Branche, die bis März noch die zweit wichtigste Leitökonomie Bayerns und Garant für funktionierende regionale Wirtschaftskreisläufe gewesen ist. Denn um nichts anderes geht es jetzt, wenn man das Gastgewerbe, das bereits einen Lockdown mit allen Konsequenzen hinter sich hat, nunmehr in einen zweiten schickt, an dessen Ende sich dann die „tote Zeit“ bis zum Frühjahr anschließt“, so die Argumentation von Angela Inselkammer.

Ihrer Meinung nach darf der „organisierte Bereich“ nicht weiter geschwächt werden. „Denn dann findet umso mehr im unkontrollierten Bereich statt, in dem sich Kontakte schwerer nachvollziehen lassen, nicht immer alle Abstände eingehalten werden, der Mund-Nasen-Schutz vielleicht etwas lockerer sitzt und in den seltensten Fällen Hygienekonzepte vorliegen. Bis heute bleibt die Politik die Antwort schuldig, warum erneut das Gastgewerbe mit einem Quasi-Berufsverbot belegt wird“, erklärt die bayerische Dehoga-Präsidentin.

Erneuter Appell an Politik

Die Corona-Pandemie habe kaum eine Branche so hart getroffen wie Gastronomie und Hotellerie. „Statt immer neuer unbegründeter Verbote braucht die Branche endlich wirksame Hilfe“, sagt Guido Zöllick und appelliert an die Ministerpräsidenten, ihre Entscheidungen sorgfältig abzuwägen.

Redaktion 24 Stunden Gastlichkeit

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Sperrstunde: Dehoga NRW enttäuscht In einer ersten Stellungnahme zeigt sich der Dehoga Nordrhein-Westfalen sehr enttäuscht über die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münste...
Streit mit der Versicherung Eine Klagewelle gegen Betriebsschließungsversicherungen beschäftigt derzeit Gerichte in ganz Deutschland. Denn ein großer Teil der Versicherungen weig...
Umsatzeinbrüche in der Gastronomie Regionaler Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Sperrstunde: Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treffen die Gastronomie besonders ...
Artikel mit Bildern drucken Artikel ohne Bilder drucken

Newsletter

Immer die aktuellsten Informationen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.
Zum Datenschutz

Send this to friend