x
Datum: 03.05.2000Quelle:

Bonn (pib). Die Wurzeln für die besondere Vorliebe zum durstlöschenden Gerstensaft reichen zurück bis zu den alten Germanen. Die trinkfesten Vorfahren verstanden es, kräftig zu feiern, und Bier durfte dabei nicht fehlen. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus weiß zu berichten, dass sie wohl Hunger und Kälte ertragen könnten, “nicht aber den Durst”. Sogar Hungersnöte soll der riesige Bierdurst der alten Germanen hervorgerufen haben, da sie das gesamte Getreide zum Bierbrauen verwandten.

Im Mittelalter gehörte das Bierbrauen dann so selbstverständlich zum Alltag der Menschen, wie das Backen von Brot. Aber erst nachdem Herzog Wilhelm von Bayern im Jahr 1516 das Reinheitsgebot erließ, wurde das Bier endgültig erwachsen. Im 19. Jahrhundert gab es in deutschen Landen so viele Brauereien wie nie zuvor. Deutsches Bier entwickelte sich zu einem echten Exportschlager und das erste Frachtgut, das jemals von einer Eisenbahn in Deutschland transportiert wurde, waren – zwei Fässer Bier.

Für die Mönche des Mittelalters war Bier mehr als ein Getränk. Da es stärker eingebraut wurde als heute, nannten sie ein nahrhaft gebrautes Bier stolz “flüssiges Brot”. Dass der Bierkonsum der frommen Klosterbrüder dabei mitunter beträchtliche Ausmaße annahm, wissen Chroniken zu berichten: Demnach war es den Mönchen erlaubt, bis zu fünf Liter Bier am Tag zu trinken.

Eine Empfehlung aus dem Mittelalter lautete: Bier solle stets bis zum letzten Tropfen getrunken werden, damit die Kraft und die Gesundheit des Trinkenden nicht im Glase verbleiben. Kein Wunder, dass sich das Bild des rundum zufriedenen, biertrinkenden Mönchs bis heute hält. Neben dem Biergenuss waren die Klosterbewohner jedoch emsig bemüht, das Bierbrauen zu perfektionieren. Die gebildeten Mönche und Nonnen begannen, in alten Schriften nach brautechnischen Hinweisen zu suchen, und im Laufe der Zeit entwickelten sich in den zahlreichen Klosterbrauereien immer bessere Braumethoden. Vor allem der Hopfen wurde als nützlicher Inhaltsstoff entdeckt, da er für eine längere Haltbarkeit des Bieres sorgte.

Allerdings waren die mittelalterlichen Braumethoden mitunter recht experimentierfreudig: Manche Braustube glich mehr einer Alchimisten-Werkstatt denn einer Brauerei im heutigen Verständnis. Abenteuerliche Würz-Zutaten wie Schlangenkraut und Birkenrinde waren nichts ungewöhnliches. Auch außerhalb der Klostermauern wurde fleißig Bier gebraut. Allerdings war das Bierbrauen damals noch eine reine Frauensache. Der Sudkessel war, in den westfälischen Regionen bis ins 18. Jahrhundert, fester Bestandteil der Mitgift. Damals entstanden übrigens die geselligen “Bierkränzchen”, die später zum “Kaffeekränzchen” wurden, diejenige, die Bier gebraut hatte, lud ihre Nachbarinnen ein, um sich am frischen Gerstensaft zu laben und Neuigkeiten auszutauschen.

Mit dem erstmals 1516 für die gesamte Region gefassten Reinheitsgebot läutete der bayerische Herzog von Bayern ein neues Bierzeitalter ein. Wie viele Obrigkeiten und Städte vor ihm hatte er die Bierpanscherei gründlich satt und verordnete per Gesetz “dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraut werden sollen.” Die Hefe fand zunächst keine Erwähnung, da ihre Wirkung noch nicht hinreichend bekannt war. Bis heute ist die älteste lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt ein Garant für die einzigartige Qualität deutscher Biere.

Gastroinfoportal

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kulinarische Seminare im Culinarium Hamburg. "Garen live"-Seminare: im neuen Culinarium bei Lukull macht das Learning by Cooking doppelt Spaß. Hier bietet Van den Bergh Food Service zusa...
Bund konkretisiert Nationalen Aktionsplan . Dazu gehöre unter anderem die Unterstützung guter und bewährter Projekte, um dadurch deren Verbreitung und Nachhaltigkeit zu fördern. Auch der aid-E...
Artikel mit Bildern drucken Artikel ohne Bilder drucken

Newsletter

Immer die aktuellsten Informationen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.
Zum Datenschutz

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von t748c5bc4.emailsys1a.net zu laden.

Inhalt laden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Send this to friend